Prüfen im Projektlernen
Beim Projektlernen sollte die Prüfungsform von Beginn an prozessbegleitend gedacht sein. So lassen sich semesterbegleitende und abschließende Prüfungsformate flexibel kombinieren. Digitale Tools erleichtern dabei die Umsetzung.

Das Projektlernen erfordert Prüfungsformen und -modalitäten, die im Sinne des Constructive Alignment auf dessen prozessorientierten Lernziele abgestimmt sind. Entsprechend empfiehlt sich das Zusammenführen formativer (semesterbegleitender) und summativer (abschließender) Prüfungsformate, die den Lern- bzw. Projektprozess sicht- und bewertbar machen.
Prozessbegleitendes Prüfen
Im Rahmen prozessbegleitender Prüfungsformate kann die regelmäßige Reflexion der Studierenden gleichzeitig für die Leistungsüberprüfung genutzt werden. Bewertet wird dabei nicht primär das fertige Projektergebnis bzw. ‑artefakt, sondern der Lernprozess selbst, also wie Studierende im und am Projekt Wissen und Kompetenzen aufbauen. Darüber hinaus können die prozessbegleitenden Prüfungsformate auch der Projektrepräsentation nach außen dienen, etwa indem Studierende zentrale Erkenntnisse aus ihrer projektbegleitenden Dokumentation (z. B. aus ihrem Projektportfolio) in einer Abschlussveranstaltung präsentieren. Damit erfüllen diese Prüfungsformate gleich drei Funktionen: Reflexion, Leistungsüberprüfung und Projektdarstellung.
Häufig eingesetzte Beispiele für prozessbegleitende Prüfungsformate im Projektlernen sind:
- Developer-Diary
Ein Developer Diary ist ein fortlaufendes, persönliches Lerntagebuch, in dem Studierende ihren individuellen Lernprozess während eines Projekts dokumentieren und reflektieren. Es enthält regelmäßige Einträge zu Denkprozessen, technischen Entscheidungen, Herausforderungen, Lernfortschritten und Lösungswegen. Es bildet nicht den gesamten Projektverlauf ab, sondern dient vielmehr als Reflexionsinstrument. - Projektportfolio
Im Projektportfolio wird der gesamte Projektverlauf strukturiert dokumentiert. Dazu gehören u. a. zentrale Arbeitsschritte, Entscheidungen, Meilensteine sowie Reflexionen individueller Lernfortschritte und Herausforderungen. Durch die strukturierte Darstellung und vollständige Dokumentation wird der Projektprozess sichtbar, nachvollziehbar und bewertbar gemacht. Projektportfolios können zudem zur abschließenden Projektpräsentation genutzt werden.

Strukturierung und Bewertung
Genau wie das Prüfungsformat müssen auch dessen Strukturierung und Bewertungskriterien angepasst werden. Prozessbegleitende Prüfungsformate bergen das Problem, eher die Reflexion über den Erwerb von Kompetenzen zu dokumentieren als den tatsächlichen Kompetenzerwerb („Die Studierenden können...“) zur Schau zu stellen. Dieser Problematik kann, je nach Prüfungsformat, begegnet werden, indem verschiedene Bearbeitungsanlässe eingebunden werden, die unterschiedliche Kompetenzen sichtbar machen.
Beispiele:
- Schriftliche Reflexionen, z. B. über Dynamiken von Gruppenarbeiten oder eigene Lernfortschritte und Entwicklungen
- Wissenschaftliche Essays, z. B. zu Inhalten einzelner Projektphasen, bestimmten Begriffen oder Methoden
- Präsentationsanteile und Projektbeschreibungen
- Diverse ästhetische Artefakte (Poster, Schaubilder etc.)
Eingebundene, den Studierenden unbekannte Bearbeitungsmethoden sollten zu Beginn der Veranstaltung thematisiert und bestenfalls gemeinsam eingeübt werden, besonders wenn sie der abschließenden Bewertung dienen sollen. Die Bewertungskriterien müssen ebenfalls definiert und entsprechend kommuniziert werden: Was wird an Inhalt und Form später in welcher Tiefe prüfungsrelevant? Prozessbegleitende Prüfungsformate bringen dabei den großen Vorteil mit sich, durch mögliches Zwischenfeedback Lehrender auf einzelne Bearbeitungsanlässe externe Einschätzungen auf die eigene Leistung zu erhalten. Dementsprechend können Lernende ihre Leistung noch während des Lernprozesses bzw. der Projektlaufzeit anpassen.
Digitale Werkzeuge
Digitale Werkzeuge und Tools eignen sich beim Projektlernen für verschiedene Bereiche, z. B. als Feedbackraum in der Lernprozessbegleitung, als Basis für das Projektartefakt oder als Plattform für dessen Veröffentlichung und Bewerbung.
Beispiele:
- E-Portfolio-Tools
- Kollaborations-Tools
- Podcast-Plattformen
- Digitale Ausstellungen, wie z. B. ein hybrider Ausstellungsrundgang
- Social Media
Allgemein bieten sich Werkzeuge und Tools an, die bereits durch die Hochschule kostenfrei und allgemein zugänglich zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise ist einerseits sichergestellt, dass ein Archiv der Projektarbeiten entsteht und andererseits, dass der Zugang zu den entstehenden Artefakten für Mitstudierende sowie Lehrende erleichtert wird.
Weitere Informationen:
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