Hausarbeit

Hausarbeiten bzw. Seminararbeiten sind eine traditionelle Form des schriftlichen Leistungsnachweises an Hochschulen. In der Regel bearbeiten die Studierenden dabei eigenständig wissenschaftliche Fragestellungen und stellen das Ergebnis in einem linearen Text im Umfang von ca. 10-15 Seiten dar, der den formalen Kriterien wissenschaftlicher Texte entsprechen muss.

 

Teilweise werden Seminararbeiten alternativ zu mündlichen Prüfungen oder Klausuren eingesetzt, jedoch unterscheiden sie sich von diesen Prüfungsformen in wesentlichen Punkten: Im Gegensatz zu einer punktuellen Abfrage von Wissen zu einem bestimmten Zeitpunkt, meist zu Semesterende, entstehen Seminararbeiten über einen längeren Zeitraum und dienen nicht nur der Dokumentation des erarbeiteten Fachwissens, sondern auch der Einübung in das wissenschaftliche Arbeiten, z.B. der Literaturrecherche und der Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes.

Das Schreiben von Seminararbeiten erfordert sehr komplexe Kompetenzen. Obwohl Schreibprobleme Studierender ein „Massenphänomen an der Massenuniversität“ sind (Ruhmann, 1995), gibt es im deutschsprachigen Hochschulraum – im Gegensatz zum englischsprachigen – immer noch wenig Unterstützung bei diesem Prozess.

Rahmenbedingungen

  • In der Regel werden Hausarbeiten von einzelnen Studierenden verfasst, je nach Umfang des Themas sind jedoch auch gemeinsame Hausarbeiten in Abstimmung mit den geltenden rechtlichen Vorschriften möglich.
  • Inzwischen werden Hausarbeiten an Hochschulen zumeist mit Hilfe von Textverarbeitungssystemen angefertigt und häufig auch in einem digitalen Format eingereicht, ggf. ergänzend zu einer in der Prüfungsordnung vorgeschriebenen Printversion. Der Einsatz von Computern erleichtert die Distribution und die Verwaltung für die Lehrenden.
  • Viele Hochschulen bzw. Hochschulbibliotheken bieten inzwischen die Möglichkeit, Qualifizierungsarbeiten, z.B. Diplom-, Master- und Doktorarbeiten auch online zu publizieren. Teilweise werden dabei auch andere Darstellungsformen als lineare Texte zur Verfügung gestellt, z.B. dynamische Grafiken. Ob solche Darstellungsformen auch für Hausarbeiten möglich und sinnvoll sind, müsste ggf. auch durch Prüfungsordnungen geklärt werden.

Lösung

Digitale Medien bieten verschiedene Möglichkeiten, Studierenden das Schreiben von Hausarbeiten zu vereinfachen und sie zu unterstützen. Dabei kann an sehr unterschiedlichen Punkten und auf verschiedenen Ebenen angesetzt werden, von Textverarbeitung und Layout über die Betreuung des Schreibprozesses bis zur Distribution.

 

Details

  • Nutzung von Textverarbeitungssystemen: Der Einsatz von Textverarbeitungssystemen vereinfacht das Erstellen und Überarbeiten von Texten, das Einfügen anderer Symbolsysteme (z.B. Grafiken und Tabellen), automatisches Erstellen von Verzeichnissen (Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis usw.) sowie das Layout und die Lesbarkeit. An vielen Hochschulen werden Einführungskurse in gängige Textverarbeitungssysteme angeboten; außerdem stehen Anleitungen in Print- und Onlinefassungen zur Verfügung.
  • Nutzung von Literaturverwaltungssystemen: Die Verwaltung von bibliografischen Nachweisen kann durch entsprechende Software erheblicht vereinfacht werden. Wird ein Literaturverwaltungsprogramm frühzeitig eingesetzt, kann während des Studiums eine umfassende eigene Literaturdatenbank entstehen, die unkompliziert den jeweiligen formalen Vorgaben angepasst werden kann; jedoch müssen Studierende auf diese Möglichkeit hingewiesen werden. Weitere Informationen finden Sie in der Vertiefung Hausarbeitshilfen.
  • Schaffen von Vergleichsmöglichkeiten: Studierende haben im Rahmen traditioneller Lehre keinen (offiziell unterstützten) Einblick in die Hausarbeiten ihrer Kommilitonen. Es kann jedoch durchaus sinnvoll sein, den Studierenden Hausarbeiten im Sinne von best-practice Beispielen als Anschauungsmaterial zur Verfügung zu stellen. Hier bieten telemediale Umgebungen, v.a. in geschlossene Kursen in Lern- und Contentmanagement-Systemen eine einfache Möglichkeit der zeit- und raumunabhängige Distribution. Hinweise zum Einstellen ihrer Dokumente in das Internet finden Sie im Bereich Medientechnik im Kapitel Distribution.
  • Unterstützung des Schreibprozesses: Normalerweise wird nur das Endergebnis wissenschaftlicher Arbeit sichtbar. Dies betrifft sowohl studentische Hausarbeiten als auch Texte von Wissenschaftlern wie Aufsätze und Monografien. Dies bedeutet, dass der Entstehungsprozess für Studierende nicht nachvollziehbar ist: "Das ist, wie wenn ein Schreiner seinen Lehrlingen das Handwerk beibringen wollt, indem er ihnen die fertigen Möbel demonstriert [...] und dann sagt: Und nun macht ihr mal!" (Sesink, 2000, S. 9). Es ist deshalb sinnvoll, die Reflexion des eigenen Schreibprozesses anzuregen und ggf. dadurch zu unterstützen, dass er in die Bewertung einbezogen wird. Hierbei können digitale Medien wie E-Portfolios oder begleitend geführte Lerntagebücher (z.B. in Weblogs) eingesetzt werden. Auch das gemeinsame Schreiben von Seminararbeiten, z.B. in einem Wiki, oder Peer-Assessments können hilfreich sein.

Stolpersteine

  • Die Ansprüche an Hausarbeiten bzw. Kriterien zu deren Beurteilung sind in den meisten Fällen nicht explizit vereinbart, sondern werden auch von Lehrenden oft eher intuitiv genutzt (vgl. Kruse, 2003). So können in den verschiedenen natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, aber auch schon an einzelnen Hochschulen, Fakultäten und Lehrstühlen sehr unterschiedliche Anforderungen gestellt werden.
  • Möglichkeiten zur Manipulation sind bei Hausarbeiten besonders groß. Der Zugriff über im Internet abgelegte Materialien verschärft dieses bereits aus traditionellen Arrangements bekannte Problem. Orientieren Sie sich dazu in der Vertiefung Manipulation, außerdem haben wir in der Rubrik Didaktisches Design Informationen für Sie zusammengestellt, wie Sie Plagiate erkennen können.

Vorteile

  • Hausarbeiten ermöglichen es den Studierenden, sich in einen bestimmten Themenbereich vertieft einzuarbeiten und so auch individuelle Interessensgebiete zu erschließen. Wird die Korrektur der Arbeit mit einem ausführlichen Feedback kombiniert, bzw. wird der eigene Arbeitsprozess reflektiert, können die Studierenden durch diese Prüfungsform über den erarbeiteten Inhalt hinaus vertiefte wissenschaftliche Arbeitskompetenzen erwerben.
  • Darüber hinaus dient das Schreiben nicht nur der Darstellung von Erlerntem, sondern auch der Durchdringung und Weiterentwicklung von Erkenntnissen und unterstützt damit auch den Lernprozess (vgl. Bereiter & Scardamalia 1987).

Nachteile

  • Der Zeitaufwand für Betreuung von Hausarbeiten ist relativ hoch. Jeder Studierende bearbeitet meist eine individuelle Themenstellung, die mit den Lehrenden abgeklärt werden muss oder zu klärende Fragestellungen aufwirft. Hierfür kann beispielsweise eine Sprechstunde eingesetzt werden. Wird der Erstellungsprozess umfassender unterstützt, was für die Studierenden hilfreich ist - z.B. durch Lerntagebücher - erhöht sich der Betreuungsaufwand für die Lehrenden noch stärker.
  • Auch die Korrektur der Arbeiten ist zeitlich nicht zu unterschätzen, zumal dann, wenn sie mit einem umfangreichen Feedback an die Studierenden verbunden wird.

Beispiele

  • Inzwischen stellen viele Hochschulen oder auch einzelne Fakultäten den Studierenden Hinweise zur Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten und/oder zu anderen typischen Fragestellungen bereit. Damit werden zum einen die geforderten Leistungskriterien transparent, zum anderen wird der Beratungsaufwand erheblich reduziert. Beispiele für einen Leitfaden zur Erstellung von Hausarbeiten mit genauen Formatierungs- und Zitierhinweisen finden Sie z.B. auf den Seiten der Martin-Luther-Universität Halle, der PH Heidelberg und an vielen weiteren Institutionen.
  • Das an der ETH Zürich entwickelte, praxiserprobte Modell COLAC fördert das Schreiben von Seminararbeiten in kollaborativen Lerngruppen. Es kann in traditionellen oder virtuellen Lehrveranstaltungen eingebunden werden und orientiert sich am Ablauf eines wissenschaftlichen Symposiums. Studierende sind in Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd als Autoren agieren und als Rezensenten ein Peer-Review-Verfahren durchführen. Die rezensierten und überarbeiteten Referate werden anschließend während Präsenzsitzungen vorgestellt und diskutiert. Einzige Voraussetzung ist das Vorhandensein einer elektronischen Kommunikationsplattform, vorzugsweise eines Forensystems. 
  • Das interaktive Skript eMargo wurde an der TU Darmstadt entwickelt. Es bietet einen webbasierten Arbeitsraum zur Annotierung von Online-Texten und kann in verschiedenen Szenarien eingesetzt werden. Im Kontext von Hausarbeiten kann eMargo z.B. dazu genutzt werden, Textentwürfe zur Diskussion zu stellen. Kommilitonen und Lehrende können z.B. einzelne schwer verständliche oder besonders gelungene Passagen markieren, Fragen, Kommentare, Formulierungsvorschläge usw. einstellen und über den Text diskutieren.
  • Dr. Axel Schmolitzky und Dr. Till Schümmer haben ein Pattern geschrieben, das Lehrende bei der Betreuung von Abschlussarbeiten unterstützen soll. Obwohl es sich auf umfangreichere Arbeiten bezieht, können Lehrende und Studierende daraus auch Hilfestellungen für Seminararbeiten ableiten.
Letzte Änderung: 10.06.2015
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