Merkmale von Prüfungen und Tests

Prüfungen und prüfungsähnliche Tests lassen sich anhand verschiedener Merkmale charakterisieren. Dazu gehören unter anderem die Funktion (wann und warum wird geprüft oder getestet), die Form bzw. das Ergebnis der erbrachten Leistung (z. B. mündliche Einzelprüfung), die erlaubten Hilfsmittel und Materialien, der Ort sowie der vorgegebene Bearbeitungszeitraum.

In Bezug auf die grundlegenden Merkmale einer Prüfung oder eines lernbegleitenden, nicht notenrelevanten Tests, spielt es in der Regel keine Rolle, ob oder wie digitale Medien bei der Vorbereitung, Durchführung oder Auswertung zum Einsatz kommen. Jedoch können digitale Medien dazu beitragen, dass einzelne Merkmale einfacher umgesetzt werden können (z. B. indem formative Tests zur Selbsteinschätzung von Studierenden über ein Lernmanagementsystem bereitgestellt werden). 

Im Folgenden werden die Merkmale von digitalen Prüfungen und Tests ausführlich beschrieben. Anhand dieser Merkmale können einzelne Formen von E-Assessments, z. B. E-Klausuren in Distanz oder mündliche Videoprüfung, eingeordnet werden.

Funktion

Nicht alle Erhebungen des Wissensstands dienen der abschließenden Leistungsbeurteilung. Je nach Ziel und Zeitpunkt können Prüfungen bzw. Tests unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden:

  • Diagnostisch: Als „diagnostisch“ werden Prüfungen oder Tests bezeichnet, die vor der Teilnahme an einem Studiengang oder einer Lehrveranstaltung stattfinden. Sie sind rechtlich geregelt, wenn sie als Zulassungsprüfung vor der Immatrikulation fungieren – ebenso, wenn die Teilnahme und/oder das Bestehen der diagnostischen Prüfung bzw. des Tests Voraussetzung für die Teilnahme an einer Lehrveranstaltung ist. Vor einer Lehrveranstaltung können aber auch (unbewertete) diagnostische Tests zur (Selbst-)Einschätzung des Vorwissens der Studierenden eingesetzt werden. Diese Tests bieten nicht nur den Studierenden Orientierung zu den Anforderungen, sondern ermöglichen zudem den Lehrenden, ggf. auf den Wissensstand ihrer Studierenden zu reagieren.
  • Formativ: Formative Erhebungen des Wissensstands dienen der Selbsteinschätzung der Studierenden während des Lehr-/Lernprozesses bzw. während einer Lerneinheit. Studierende können bspw. auf diesem Weg erfahren, ob ihr bisheriges Lerntempo der Lehrveranstaltung angemessen ist. Damit formative Tests als eine solche Lerngelegenheit dienen können, ist ein aussagekräftiges, konstruktives Feedback notwendig. Lehrenden geben diese Tests wiederum die Möglichkeit, ihre Lehre im Laufe einer Lehrveranstaltung an den Lernstand der Studierenden anzupassen.
  • Summativ: Summative Prüfungen dienen der Zertifizierung und Leistungsbeurteilung bzw. -kontrolle. Sie finden nach Abschluss einer Lerneinheit statt, meist am Semesterende, ggf. aber auch an mehreren Zeitpunkten im Laufe der Lehrveranstaltung. Sie sind notenrelevant.

Form und Ergebnis

Welche Prüfungs- oder Testformen aus didaktischer Perspektive am besten geeignet sind, intendierte Lernergebnisse zu erfassen, wird umfangreicher auf den Seiten Prüfungsdidaktik und Prüfungsformen behandelt. An dieser Stelle soll nur darauf hingewiesen werden, dass Prüfungsleistungen auf unterschiedlich Weise erhoben bzw. dargestellt werden können:

  • Schriftlich: Darunter fallen handschriftlich erstellte Dokumente (wie Paper-Pencil-Klausuren), aber auch Prüfungsleistungen, die am Computer schriftlich erbracht werden, etwa durch die Beantwortung offener Fragen. Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren werden hier ebenfalls als Schriftform verstanden.
  • Mündlich: Dies können Prüfungsgespräche (ggf. in Gruppen) oder auch Referate und Vorträge sein.
  • Praktisch: Darunter fallen unterschiedliche Leistungen wie labortechnische Prozesse, künstlerische Darbietungen, juristische Verhandlungen (wie z. B. ein Moot Court) oder die Anwendung fachspezifischer Software.
  • Fachspezifisches Produkt: Hier wird ein individuelles, eigenständiges Produkt erzeugt. Dies können z. B. ein kleines Softwareprogramm oder multimediale Erzeugnisse wie Erklärvideos, Bilder oder Webseiten sein.

Material/Hilfsmittel

Ob und welche Hilfsmittel in einer Prüfung erlaubt sind, wird i. d. R. von Lehrenden aufgrund der intendierten Lernergebnisse festgelegt. Dabei sind unterschiedliche Ausprägungen möglich:

  • Keine Hilfsmittel.
  • Fest definierte, von Lehrpersonen bereitgestellte Hilfsmittel und Materialien: Dies können z. B. Formelsammlungen, Skripte und Foliensätze in einer Klausur sein.
  • Fest definierte eigene Hilfsmittel und Materialien in einem vorgegebenen Rahmen: Dies können z. B. in beaufsichtigten Prüfungen nach festen Vorgaben erstellte „Spickzettel“ oder Nachschlagewerke, wie ein unkommentiertes Wörterbuch, sein.
  • Uneingeschränkte eigene Hilfsmittel und Materialien: In diesem Fall können die Studierenden frei entscheiden, welche Hilfsmittel und Materialien sie in der Prüfung nutzen möchten. Dies betrifft z. B. Hausarbeiten oder unbeaufsichtigte Prüfungen in Distanz.

Bei Klausuren wird für das Merkmal der zugelassenen Hilfsmittel häufig die Unterscheidung Open-Book-Klausur und Closed-Book-Klausur verwendet. Die Grenze dazwischen ist fließend.

aufgeschlagenes Fachbuch mit Markierungen
Welche Hilfsmittel sind erlaubt? Diese Frage sollte frühzeitig und eindeutig beantwortet werden. (Bild: sweetlouise / Pixabay)

Ort

Prüfungen können an unterschiedlichen Orten durchgeführt werden:

  • In Präsenz vor Ort: In diesem Fall finden die Prüfungen in Räumlichkeiten der jeweiligen Hochschulen statt (ggf. auch verteilt über mehrere Standorte oder Räume, an (universitären oder externen) Prüfungszentren, an Partnerhochschulen, an Botschaften oder Instituten im Ausland), in der Regel in Anwesenheit der Lehrenden oder zumindest einer Aufsicht.
  • In Distanz: In diesem Fall halten sich Prüflinge und Lehrende bzw. Aufsichten (falls Aufsichten vorgesehen sind) während der Prüfung nicht am selben Ort auf.

Zeitraum und Gleichzeitigkeit der Bearbeitung

Für Prüfungen können unterschiedliche Zeiträume vorgegeben sein:

  • Enger, klar umrissener Zeitraum: In diesem Fall ist für die Prüfung eine vorgegebene, relativ kurze maximale Bearbeitungszeit mit einer konkreten Anfangs- und Abgabezeit vorgesehen, beispielsweise bei einer Klausur. Die Bearbeitung der Prüfung findet synchron statt; alle Studierenden schreiben die Prüfung im gleichen Zeitraum.
  • Weiter Zeitraum: In diesem Fall erfolgt die Bearbeitung der Prüfung meist asynchron, beispielsweise bei einer Hausarbeit oder Take-Home-Prüfung. Die Studierenden können innerhalb des vorgegebenen Zeitraums selbst wählen, wann sie die Prüfungsleistung ablegen; die vorgesehene Bearbeitungszeit ist dabei kürzer als der verfügbare Zeitraum.

Weiterführende Informationen

Letzte Änderung: 14.05.2024