Digitale Bildungsressourcen

Klassische Bildungsmedien – vor allem Bücher und Texte – haben eine jahrhundertelange Tradition in der Hochschullehre. Damit stellt sich natürlich die Frage, welche Vor- und Nachteile mit der Digitalisierung von Bildungsmaterialien einhergehen. Welche Meinung haben e-teaching.org-Nutzende zu diesem Thema? Was denken Studierende? Wie werden Pro- und Contra-Argumente zum Thema digitale Bildungsressourcen (DBR) bewertet? Was kommt Studierenden und e-teaching.org-Nutzenden zum Thema DBR in den Sinn? Hier finden Sie Antworten auf diese Fragen.

Im Kontext des Themenspecials Digitale Bildungsressourcen (DBR) wurden diesmal zwei Umfragen durchgeführt. Eine Umfrage wurde, wie bei den letzten Themenspecials auch, unter e-teaching.org-Nutzenden durchgeführt. Eine weitere Umfrage mit denselben Fragen wurde zudem unter (vorwiegend) Studierenden durchgeführt. Im Mittelpunkt standen Einschätzungen und Meinungen zum Thema DBR. Außerdem konnten Pro- und Contra-Argumente hinsichtlich ihrer Überzeugungskraft bewertet werden. Abschließend konnten die Teilnehmenden eigene Anmerkungen zum Thema DBR verfassen.

Der Aussage „Zum Thema digitale Bildungsressourcen bin ich auf dem aktuellen Stand der Diskussionen“ stimmten 39% der e-teaching.org-Nutzenden voll und ganz (bzw. überwiegend) zu, aber nur 8% der (vorwiegend) Studierenden. Demgegenüber stimmten 55% der Studierenden dieser Aussage überhaupt nicht (bzw. überwiegend nicht) zu. Von den e-teaching.org-Nutzenden gelangten nur 17% zu dieser Einschätzung.

Der Aussage „Solange dies durch geeignete Rahmenbedingungen abgesichert ist, würde bzw. werde ich als Lehrende/r verstärkt auf digitale Bildungsmaterialien setzen“ stimmten 78% der e-teaching.org-Nutzenden voll und ganz (bzw. überwiegend) zu und ungefähr 46% der Studierenden. Nur etwa 1% der e-teaching.org-Nutzenden stimmte dieser Aussage überhaupt nicht (bzw. überwiegend nicht) zu. Von den Studierenden antworteten etwa 10% auf diese Weise.

Was die Bewertungen der Argumente hinsichtlich ihrer Überzeugungsstärke betrifft, so erwies sich u. a. folgende Pro-Argumentation als diejenige mit vergleichsweise hohen Bewertungen innerhalb beider Gruppen: „Digitale Bildungsressourcen erlauben eine größtmögliche Vielfalt bei Gestaltung und Zusammenstellung von Lehr- und Lernmaterialien hinsichtlich Inhalt, Format (z. B. Animationen) und Kollaborationsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu klassischen gedruckten Bildungsmaterialien lassen sich digitale Bildungsmaterialien außerdem kontinuierlich an die Bedürfnisse und Ansprüche der Lernenden und Lehrenden anpassen.“ Bei den kritischen Aussagen gehörte u. a. folgende Argumentation zu denjenigen mit hohen Bewertungen innerhalb beider Gruppen: „Digitale Bildungsressourcen sind nicht a priori die besseren Lehr- und Lernmaterialien. Problematisch kann es auch mit diesen Materialien werden, wenn z. B. unangemessene Unterrichtskonzepte angewendet werden, wenn Merkmale und Situation der Lernenden unberücksichtigt bleiben oder bei der Materialauswahl nicht auf Angemessenheit geachtet wird.

Auch die Möglichkeit, eigene Kommentare zum Thema digitale Bildungsressourcen zu verfassen, wurde von vielen Teilnehmenden genutzt. Im Folgenden werden diese Anmerkungen ausführlicher dargestellt.

Klassische Bildungsmaterialien: Vorteile, Nachteile und das drohende Aussterben?

Obwohl klassische Bildungsmaterialien in der Umfrage nicht direkt thematisiert wurden, äußerten sich dazu insbesondere die studentischen Teilnehmenden. Angesprochen wurden dabei vor allem die Vorteile klassischer Bildungsmaterialien. Dabei stand die These bzw. Erfahrung im Vordergrund, dass durch klassisches Aufschreiben und durch andere klassische haptische Erfahrungen, wie das Umblättern von Buchseiten, Inhalte einfacher und besser gelernt werden können. Exemplarisch wurde auch auf diejenigen Personen verwiesen, die „PDFs immer erstmal lieber ausdrucken und dann so mit ihnen arbeiten und Stellen markieren etc.“ Demgegenüber wurde das Hantieren mit Tastatur und Maus eher kritisch gesehen. Vielmehr sei wichtig, etwas Überdauerndes mit „seinen eigenen Händen“ zu erschaffen. Auch die Präsenzlehre wurde von den Studierenden thematisiert und dass es dabei schwieriger sei, „sich hinter den Besten zu ‚verstecken‘“. Am Beispiel des Sprachenlernens wurde zudem die Anwesenheit eines Lehrenden als wichtig erachtet, der „Fehler sofort sieht und verbessert“. Im Kontext klassischer Bildungsmaterialien wurden auch die klassischen Bibliotheken erwähnt, mittels derer Bücher kostenlos zur Verfügung stehen und in denen „das Stöbern […] durchaus erkenntnisreich sein [kann]“. Andererseits wurden Bibliotheken thematisiert, um die Nachteile klassischer Bildungsressourcen aufzuzeigen, nämlich die „mangelnde Verfügbarkeit“ und das oftmalige Entliehensein „lesenswerter Bücher“, denn „vergriffen ist vergriffen“. Nichtsdestotrotz befürchteten einige Studierende das „Aussterben von Büchern und Bibliotheken“, was „kulturell gesehen sehr schade wäre“. Ähnliche Anmerkungen finden sich zur korrekten Anwendung von Grammatik und in Bezug auf den Bedeutungsverlust der Schreibschrift, denn dies sei „ein echtes manko, da eine kulturkompetenz damit zugunsten einer anderen, nämlich der digitalen[,] abzunehmen droht“.

Vorzüge digitaler Bildungsressourcen: Verfügbarkeit und Bearbeitbarkeit

Während klassische Bildungsmaterialien also fast ausschließlich von den studentischen Teilnehmenden thematisiert wurden, wurde das eigentliche Thema DBR sowohl von den Studierenden als auch von den e-teaching.org-Nutzenden kommentiert. Was die Vorzüge von DBR betrifft, so thematisierten insbesondere die Studierenden den Vorteil der hohen Verfügbarkeit bzw. Erreichbarkeit digitaler Materialien. Dies wurde nicht nur im Vergleich zu klassischen Bibliotheken thematisiert, sondern auch für Krankheitsfälle unter Studierenden, denn „diese können dann online auf Lehrmaterialien zugreifen“. Neben der Verfügbarkeit wurden auch leichte Transportierbarkeit, Platzersparnis und die Aktualität bzw. Aktualisierbarkeit als wichtige Pluspunkte von DBR genannt. In diesem Kontext wurde Informatik als Beispiel für Studiengänge genannt, „die auf das Nachschlagen von Wissen im Internet angewiesen sind“. Von einem anderen Teilnehmenden wurde der Vorteil digitalisierter Materialien in der Geschichtswissenschaft thematisiert, denn empfindliche Archivmaterialien könnten somit geschont werden. Die Arbeit mit dem digitalisierten Material könne außerdem auch von entfernten Regionen aus erfolgen und eine „unleserliche Passage“ kann bspw. digital vergrößert und durch Kontrastanhebung lesbarer gemacht werden, ohne das Originalmaterial zu beschädigen. Auch generell wurden die vielfältigen Bearbeitungsmöglichkeiten als Vorteil genannt. DBR ermöglichten, dass ein Lernender „beliebig oft und an gewünschten Stellen neue Informationen einfügen kann“. DBR gestatteten somit generell eine „bessere Notizenbearbeitung (oft schon alleine durch simples Umsortieren und Verknüpfen)“. Zudem sorge die mit DBR mögliche Schlagwortsuche für große Zeitersparnis. Zwar sei das „Plagiate erstellen“ damit nun auch einfacher geworden, aber eben „genauso Plagiate finden, womit sich Studierende also auch keinen Vorteil erwirtschaften“.

Vorzüge digitaler Bildungsressourcen: Reichweite und Vielfalt

Von e-teaching.org-Nutzenden wurde außerdem die hohe Distributionsreichweite digitaler Materialien betont. Diese ermögliche nicht nur den Austausch von Inhalten durch Lehrende und Hochschulen, sondern ebenso „das Erstellen von Inhalten auch für exotische Themen, da diese dann weltweit über die digitale Distribution ihre Zielgruppe finden können“. So wurde auch die Vielfalt der Angebote als wichtiger Pluspunkt von DBR angesehen. Wenn Lehrmaterialien unverständlich wirken oder als nicht ausreichend empfunden werden, könne per Suchmaschine sofort auf weitere digitale Materialien zugegriffen werden. Ein Teilnehmender merkte dabei an, dass „man sowieso durch mehrere Quellen [recherchiert], um sich ein gutes (und wo passend, neutrales) Gesamtbild zu erstellen“. Die Vielfalt von DBR wurde jedoch nicht nur für Inhalte thematisiert, sondern auch für die Medienelemente und -typen „wie Animationen, Simulationen oder optimierte Videos“. DBR verfügten damit über „ansprechende Lernmöglichkeiten“ und seien „nicht so trocken, wie Inhalte in Büchern“. Und in diesem Zusammenhang sei es ohnehin „umweltfreundlicher[,] nicht so viel Papier zu verschwenden“.

Vorzüge digitaler Bildungsressourcen: Sozialer Austausch, künstliche Intelligenz und Inklusion

DBR böten außerdem vielfältige soziale Austauschmöglichkeiten. Asynchrone Diskussionen beispielsweise seien ein effektives „Mittelding zwischen der ‚mündlichen Mitarbeit‘ und der schriftlichen Hausarbeit“. Auch die mit DBR zuweilen assoziierte Verringerung des persönlichen Kontakts zu Lehrenden wurde dabei nicht nur als Nachteil angesehen, da somit auch „weniger Gefahr einer ungerechten Behandlung“ bestünde. Ein e-teaching.org-Nutzender fragte außerdem: „Inwiefern könnten Chat-Bots in Online-Umgebungen als Tutoren oder ‚interaktive Lexika‘ funktionieren? Können künstliche Intelligenzen dafür eingesetzt werden, individuelle Lernpfade für den Lernenden zu generieren?“. In jedem Fall aber wurde DBR das Potenzial zur „Verbesserung der Lernerfolge“ zugesprochen und „die Lern(stil)vielfalt und -entwicklung“ zu erhöhen und zu fördern. DBR seien eine „große Bereicherung und auch nicht mehr weg zu denken für den Großteil der Lernenden, zumal es tatsächlich Vieles erleichtert“. Hierzu zählt wohl auch die Möglichkeit, „an Kursen online teilzunehmen, an denen man sonst aufgrund von hohen finanziellen Kosten oder der Entfernung ausgeschlossen wäre“. DBR seien außerdem „super auch für ältere Bürger“ – trotz der gleichzeitig und subjektiv als problematisch wahrgenommenen „starke[n] Präsenz ausländischer (amerikanischer) Software“. Ein Teilnehmender meinte außerdem: „von einer digitalen Spaltung halte ich wenig, denn Lernen war noch nie so einfach“. Ein anderer Teilnehmender notierte: „Das Problem der digitalen Spaltung ist in Deutschland in der Altersgruppe der Studierenden nicht mehr relevant, da in dieser Altersgruppe ausschließlich digitales natives enthalten sind, die heute zu fast 100% (s. ARD/ZDF Onlinestudie) online sind, dies gilt natürlich nochmals speziell für die Gruppe der höher Gebildeten.“ Andererseits erwähnte ein Teilnehmender dann jedoch auch den sogenannten „Matthäus-Effekt (wer hat, dem wird gegeben, wer nichts hat, dem wird genommen)“.

Kritische Anmerkungen zum Thema: Ergonomische Aspekte

Und so gab es auch kritische Anmerkungen zu DBR, wobei ein Teilnehmender anmerkte, es sei „SEHR wichtig“, die „Contrapunkte nicht zu sehr [zu] verharmlosen“. Ein anderer Teilnehmender meinte: „Alle Contra-Argumente, die hier angeführt wurden, sind genau die Dinge, die sowohl Lernende als auch Lehrende im Umgang mit digitalen Medien lernen müssen.“ Was die kritischen Kommentare zu DBR angeht, so thematisierten vor allem die Studierenden arbeitsmedizinische bzw. ergonomische Aspekte von Bildschirmarbeit. Aber auch ein e-teaching.org-Nutzender verwies darauf, dass „zu viel digital (ständig auf Bildschirme gucken) ungesund für die Augen, anstrengend und ermüdend“ sei. Ein anderer Teilnehmender war sogar der Ansicht, dass die Wirkungen der Bildschirmarbeit auf das menschliche Gehirn noch nicht genügend erforscht seien. Und manche Studierende verwiesen bezüglich einer möglichen Beanspruchung durch zu viel Bildschirmarbeit auf klassische Bücher und ausgedruckte Texte, die dann als eine Art Ausgleichsmedium angesehen wurden.

Kritische Anmerkungen zum Thema: Oberflächliche Informationsverarbeitung

Für klassische Bildungsmaterialien wurde außerdem vermutet, dass diese ernsthafter und tiefgründiger rezipiert würden als DBR. Dahingehend wurde von einigen Teilnehmenden angenommen, dass DBR eine tiefergehende Elaboration des Inhalts verhindern würden, denn man „beschäftigt sich am Computer weniger intensiv mit dem Text“ und die „Informationen bleiben weniger in Erinnerung“. Zudem würden Informationen nur noch konsumiert werden, ohne diese Inhalte auch kritisch zu hinterfragen. Ein Teilnehmender stellte in diesem Zusammenhang die Frage, wie sich „Copy/Paste beim Zitieren [auf] den Lerneffekt auswirkt“. Ein weiterer Teilnehmender konstatierte: „richtiges Lesen lernen, fällt allenfalls auch weg“. Auch könne man „natürlich […] leichter nach Schlagworten suchen und damit oberflächlicher lesen, aber auch […] hier werden Studierende schnell feststellen, dass das nichts nutzt, wenn Zusammenhänge verstanden werden müssen“. Kritisiert wurde auch, dass Lernende durch die „Vereinfachung der Wissensbeschaffung“ zu Menschen werden, die nur noch „wissen, wo sie ‚hohe Bildung‘ finden“, aber es sei „fraglich und oft unwahrscheinlich“, dass „man das auch im Langzeitgedächtnis behält“.

Kritische Anmerkungen zum Thema: Überforderung durch Materialvielfalt

Einige Teilnehmende sahen Oberflächlichkeit und Vielfalt (bzgl. Inhalt, aber auch bzgl. technologischer Aspekte) als wesentliche Kritikpunkte an DBR. Einige Studierende verwiesen dabei wieder auf die ihrer Meinung nach vorhandenen Vorzüge klassischer Bildungsmaterialien: „Um ein Thema zu vertiefen und um auf entlegenes, differenziertes, spezielleres Wissen zu gelangen muss man immer noch Bücher wälzen.“ Ein anderer Teilnehmender war der Meinung, DBR seien „meist nicht so gut strukturiert wie Bücher, die in weiteren Kapiteln gelerntes aus früheren Kapiteln wieder aufgreifen und vertiefen“. In diesem Sinne sei „eine intensive Beschäftigung mit nur einem Thema“ immer weniger beobachtbar. Außerdem gab es die Ansicht, dass die Materialvielfalt den Einzelnen überfordern könne und es schwierig sei, solche Inhalte zu finden, die zum mitgebrachten Vorwissen passen. Dabei seien DBR nur sinnvoll, wenn „der Suchende […] genau weiß wonach er sucht“. Auch bestünde die Gefahr, dass eigenständig falsche Schwerpunkte gesetzt würden und man dann „quasi am Thema vorbei schreibt bzw. redet“. Problematisch sei ferner, wenn der „verstandene Ansatz nicht dem der Lehrkraft entspricht“. Ein Teilnehmender ging außerdem davon aus, dass die „Ansprüche der Lehrinstitutionen, vor allem von Universitäten“ infolge der „Digitalisierung stark angestiegen sind, weil die Lernenden mehr Informationsquellen etc. besitzen“. Die mit der Vielfalt der Online-Ressourcen assoziierte Schwierigkeit der Qualitätsbewertung wurde vor allem von den Studierenden thematisiert. Ein Teilnehmender vermerkte hierzu: „Zum Thema ‚falsche oder fehlerhafte Information‘ sollte es einen Gold-Standard, als Beispiel Wikipedia, geben, der bei aufkommenden Zweifeln helfen kann.“

Kritische Anmerkungen zum Thema: Abhängigkeiten von der Infrastruktur

Auch die Themenbereiche „Nachhaltigkeit“ und „technische Infrastruktur“ wurden in Bezug auf DBR angesprochen. Hierbei wurde die Nachhaltigkeit digital erstellter Materialien und digitaler Entwicklungen (z. B. Lernmanagement-Systeme) zuweilen in Frage gestellt. In dieser Hinsicht wurde vor allem auf die Notwendigkeit „der langfristigen Betreuung mit festen Mitarbeitern“ verwiesen, was aber „an Hochschulen häufig nicht der Fall“ sei. Ein wichtiges Thema war somit auch die notwendige Infrastruktur. So würden „viele der in der Befragung angesprochenen Vorteile“ erst dann „zum Tragen kommen, wenn die nötige Infrastruktur dafür geschaffen ist“. Hierzu gehörten „neben der rein technischen Ausstattung mit Hardware und die Einigung auf (softwareseitige) Standard[s] auch etablierte Strukturen in der Verwaltung (Stichwort Lizenzen von z. B. Bildmaterial)“. In diesem Zusammenhang wurde auch die vielmals beschworene „Orts- und Zeitunabhängigkeit“ zumindest bedingt in Frage gestellt. Denn „Onlinekurse haben Start-Daten (was in vielen Fällen auf Grund der Communitybidlung sinnvoll ist)“, in Bezug auf videobasierte Kurse seien zumeist Breitbandanschlüsse und leistungsstarke Hardware vonnöten: „Das fesselt mich dann wieder an meinen PC zu Hause/am Arbeitsplatz. Das Mobilfunkdatenvolumen ist ebenfalls in vielen Fällen gedeckelt, sodass auch darüber kein uneingeschränkter Zugang besteht.“ Insgesamt wurden in diesem Zusammenhang Abhängigkeiten von folgenden Faktoren thematisiert: eine funktionsfähige Hardwareausstattung, ausreichende Softwarelizenzen, schnelle Internetverbindungen, funktionierende Netzwerkverbindungen und Elektrizität. DBR seien somit immer auch ein Kostenfaktor und „dass E-Learning automatisch billiger ist[,] gehört in den Bereich der Märchenwelt“. Und nicht immer und nicht überall seien die finanziellen Mittel vorhanden, um alle Faktoren bedarfsgerecht abzusichern. Aber auch das Vorhandensein der technischen Möglichkeiten wurde mitunter kritisch gesehen. So würde in der Geschichtswissenschaft diskutiert, dass infolgedessen Archivmaterialien nun teilweise „zu früh raus“ kämen und „aus dem Fach Geschichte nun Journalismus würde“.

Kritische Anmerkungen zum Thema: Rechtliche Fragen

Neben diesen finanziellen und technologischen Aspekten wurden auch rechtliche Fragen aufgeworfen. Erwartungsgemäß spielten dabei urheberrechtliche Aspekte eine besondere Rolle. Dies galt jedoch nicht nur in Bezug auf die Lehrenden, sondern auch hinsichtlich der Lernenden. So thematisierte ein Teilnehmender beispielsweise die Verhandlungen zwischen VG Wort und den Universitäten und den damit einhergehenden Konsequenzen für die Bereitstellung von Materialien auf Lernplattformen, die „nach Ansicht der Fachschaften für die Lernenden ungünstig“ seien. Neben urheberrechtlichen Aspekten wurde von einem e-teaching.org-Nutzenden aber auch nach dem Recht auf digitales Vergessen gefragt, nämlich, ob z. B. ein Studierender das Recht darauf habe, dass „seine schlechten Ergebnisse in einem Test nicht endlos im LMS verfügbar sind“.

Kritische Anmerkungen zum Thema: Soziale Aspekte

Auch soziale Aspekte wurden im Hinblick auf DBR kritisch kommentiert. So nehme der persönliche Kontakt zu den Lehrenden ab, was negativ sei, da so „Vorbildfunktion und persönliche Motivation nicht gegeben“ seien. Sehr kritisch wurde insbesondere „ein rein digitales Studium“ gesehen. Andererseits seien gerade im Kontext von DBR auch „extrem hohe soziale Fähigkeiten […] gefragt“.

Kritische Anmerkungen zum Thema: Einstellungen und Organisationskultur

Insbesondere Teilnehmende aus der Stichprobe der e-teaching.org-Nutzenden thematisierten überdies die Relevanz der Einstellungen von Lehrenden und die Relevanz des Klimas an den Institutionen. Was das Klima an den Institutionen angeht, so seien u. a. folgende Fragen zu DBR wesentlich: „Ist der Einsatz gewünscht? Erlaubt? Misstrauisch beäugt? Werden Lehrende unterstützt durch Infrastruktur (Hard- und Software, Lizenzen....), Weiterbildungsangeboten, Ermutigung d[u]rch Vorgesetzte?“ Diesbezüglich gäbe es „große Unterschiede, die zu einer großen Divergenz in der Qualität und Innovation von Lehre führen“. Ein Teilnehmender äußerte den Eindruck, dass „die Lehre an (deutschen) Hochschulen immer hinter dem aktuellen Entwicklungs[s]tand hinterherhinkt und die Hochschulen zu selten […] Impuls- und Innovationsgeber sind“. In Bezug auf die Seite der Lehrenden vermerkte ein Teilnehmender, diese setzten sich „nicht mit den Lernformen der heutigen Generation auseinander und können sie weder nutzen noch beeinflussen“. So würde auch „allein die Möglichkeit“ zur Nutzung von DBR noch kein Umdenken bewirken und „Dozierende, die immer noch nicht mit digitalen Bildungsressourcen arbeiten wollen, werden das auch in Zukunft nicht tun“. Manch einer sei es leid, „Überzeugungsarbeit zu leisten“ und es wäre diesbezüglich einfacher, „Donald Trump vom Klimawandel zu überzeugen“. In jedem Falle aber sei „das Monopol von Wissen (in Büchern, an der Hochschule) […] vorbei“ und da würde bezüglich der neuen Entwicklungen auch „keine Abwehr“ etwas nützen. Gegen „Reaktionismus“ hingegen wäre „ein erster Schritt“ die „konsequente Sensibilisierung“ für das Thema. Dann, in einem „zweiten Schritt sollte die umfassende Ausbildung“ stehen und zwar hinsichtlich „Umgang, Einordnung, [Chancen, ] aber auch Risiken“. Dies gelte möglicherweise aber auch für manche Lernende, denn für diese vermerkte ein Teilnehmender, dass „nicht jeder Lernende dazu bereit oder sogar fähig [sei,] digital zu studieren“.

Jenseits von Pro und Contra: Das „Credo der Angemessenheit“

Allerdings gab es auch Stimmen, die nicht ausschließlich für oder gegen DBR argumentierten. Dementsprechend müsse man „alles in Waage halten“ und die „gesunde Mischung“ sei sinnvoll. So notierte ein Teilnehmender: „Wenn ich Texte zusammenfasse[,] mache ich das meist digital und drucke mir diese [aus], sodass ich einen viel ordentlicheren Aufschrieb habe.“ Ein anderer Teilnehmender schrieb, dass auch digital sorgfältig gearbeitet werden könne und dass auch weiterhin viel gelesen und gedacht werde. Nichtsdestotrotz sollten DBR nicht „als Selbstzweck“ oder nur „der Modernität wegen“ eingesetzt werden, sondern, beispielsweise OER, nur „als Mittel zum Zweck“. Und wenn z. B. die „Chancen der OER genutzt werden sollen“, dann hieße das nicht, dass „sie irgendwann zu einem Ersatz für herkömmliche Materialien werden“. Auch werde bei einer zunehmenden Technologisierung der (Hoch-)Schulen oftmals vergessen, dass Technologien „ja der Vermittlung teils im Wege stehen können“. Zentral bleibe das „Credo der Angemessenheit“. Auch sei „nicht jedes Medium […] geeignet für einen Lernenden“. Zudem sollten die Institutionen „den Lernenden trotzdem immer (vor allem in Zukunft) die Wahl lassen zw[i]schen den digitalen und ‚konservativen‘ Res[s]ourcen zu wählen“. Die neuen Medien könnten somit eingesetzt werden, „um eine bessere Nachhaltigkeit und größere Zufriedenheit bei den Schülern zu erreichen“. Auch sei das Aussterben von klassischer Nachhilfe und klassischen Nachhilfelehrern nicht zu befürchten, da Blended-Learning-Konzepte-Konzepte „letztlich […] qualitativ die Oberhand“ hätten.

Jenseits von Pro und Contra: Wesentliche Rahmenbedingungen

Insgesamt müssten für den optimalen Einsatz von DBR jedoch bestimmte Bedingungen vorhanden und „state of the art“ sein. Hierzu gehörten nicht nur die bereits erwähnten technologischen Voraussetzungen, sondern auch die passenden Lehr- und Lernkonzepte. So sei es beispielsweise egal, ob „eine medienpädagogisch starke Lehrperson nun MOOCs produziert oder mit der Kreidetafel arbeitet, um ihre Lernenden zu motiviere[n]“. Wichtig für den Einsatz von DBR sei das Wissen um „grundsät[z]liche didaktische und gestalterische Prinzipien“. Ein anderer Teilnehmender vermerkte darüber hinausgehend: „Meiner Meinung nach bedarf es praktikabler Konzepte und (neuer) didaktischer Modelle für die Lehre in der Digitalisierung.“

Und natürlich komme es „bei digitalen Lernmedien […] schlichtweg wie bei Printmedien auf die Sichtung des Lehrenden an“. Wesentlich sei eine „undogmatische, aber auch stets kritisch hinterfragende Grundeinstellung zu Medien (sei es Bücher, Schallplatten, Netflix oder das nächste Online-Tool XY)“. Dabei sollten die Lehrenden lernen, „damit umzugehen und sowohl die Vor-, aber auch die durchaus existierenden Nachteile selbst einschätzen zu können“. Dies alles gelte auch für die Lernenden, denn „es kommt letztlich darauf an, was man mit den Ressourcen macht (als Lernender) bzw. zu welchen Lerntätigkeiten die Lernenden ggf. durch Lehrende angeregt werden“. Wichtig sei hier eine selbstbestimmte Lernwegsteuerung, vor allem „die Bereitstellung von Selfassessmenttools, die es den Lernenden ermöglichen, den Stand ihrer Zielerreichung zu überprüfen“. Ein Studierender vermerkte außerdem, dass es auch darauf ankäme, „welcher Laptop zu einem passt“ und dass, da es übersichtlicher sei, der eigene „13,3 Zoll Laptop besser zum Lernen geeignet ist als mein 17 [Z]oll Laptop“. Auf Seiten der Lernenden sei aber auch Selbstdisziplin „immer wichtig, nicht nur bei digitalen Lehrmitteln“. Probleme und Fehler bei der Erstellung und bei der Rezeption und Weiterverwendung könnten nämlich bei digitalen und klassischen Materialien gleichermaßen auftreten. Auch die Vorbild- und Vermittlungsfunktion von Lehrenden sei immer wichtig, denn „wenn schon Schülerinnen und Schülern in der Mittel- und Oberstufe nicht vermittelt wird, wieso Praktiken wie ‚Copy&Paste‘ problematisch sein können, weil bspw. Lehrende der Oberstufe selbst vielfach Unterrichtsmaterialie[n] genau auf diese Art und Weise erstellen und die Praktiken nicht hinterfragen, wie sollen diese Schülerinnen und Schüler im nächsten Lebensabschnitt an der Hochschule dann auch anders an das Thema herantreten?“

Metaebene, Fazit und Ausblick

In Bezug auf die Umfrage als solche sahen es einige Teilnehmende kritisch, zum Thema DBR überhaupt Pro- und Contra-Argumente gegenüberzustellen, denn z. B. sei „die Unterscheidung digitale/analoge Lernmaterialien unglücklich“ und „die Debatte um Vor- und Nachteile […] veraltet und bildet die Debatte unter Lehrenden an Hochschulen ab“. Das „Abwägen von Vor- und Nachteilen“ sollte aber „nicht Kern der Diskussion an Hochschulen sein“ und den Prozess der Digitalisierung „zu leugnen oder sich sogar vor diesem zu verschließen[,] wird den Hochschulen langfristig schaden“. Auch würden sich DBR hinsichtlich „Qualität, Gestaltung/Usability, usw. sehr stark“ unterscheiden“ und deshalb ließen sich manche Aussagen aus der Umfrage gar „nicht absolut treffen“. Überhaupt sei die „digitale Landschaft […] derart dynamisch und schnelllebig, dass einige aktuelle Themen noch gar nicht diskutiert wurden“. In jedem Falle aber werde digitales Lernen, sofern es richtig angewendet werde, einen „enormen Einfluss auf die Bildungslandschaft haben“ und „kombiniert mit Klassentrainings ist das die Lernform der Zukunft“. Wie die Zukunft aber genau aussehen wird, das wird sich bekanntlich erst noch zeigen, denn „die Wahrheit ist das Kind der Zeit“ zitierte ein Teilnehmender aus dem Leben des Galilei von Bertolt Brecht.

Zur Methodik der Studie

In unserer Meinungsrubrik gab es die Möglichkeit, verschiedene Pro- und Contra-Argumente zu den Themen MOOCs, Mobiles Lernen, Learning Analytics, Vorlesungsaufzeichnungen, Open Educational Resources (OER), Lernmanagement-Systeme (LMS) und digitale Bildungsressourcen (DBR) zu betrachten, zu bewerten und Fragen zu diesen Themen zu beantworten. Hier präsentieren wir einige Ergebnisse zum Thema DBR. Diese Umfrage begann am 23. Mai 2017 im Kontext des DBR-Themenspecials und wurde bis zum 13. September 2017 durchgeführt. Zusätzlich wurden vom 2. Juni 2017 bis zum 25. Juni 2017 Umfragen unter (vorwiegend) Studierenden durchgeführt. An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal bei allen Teilnehmenden für das große Interesse und die Bereitschaft zum Mitmachen!

Die maximale Anzahl der auswertbaren Antworten (pro Fragebogenitem innerhalb der DBR-Umfrage) liegt bei den e-teching.org-Nutzenden bei n = 92. Bei den Studierenden liegt diese Zahl bei n = 267. Bei den meisten Items haben jedoch weniger Teilnehmende die jeweilige Frage beantwortet. Freitext-Anmerkungen wurden von n = 17 der e-teaching.org-Nutzenden und von n = 38 der (vorwiegend) Studierenden verfasst.

Zunächst werden die Antwortmuster zu (a) einer eher wissensbezogenen Frage und (b) zu einer eher meinungsbezogenen Frage grafisch veranschaulicht. Danach folgen die Ergebnisse zu den Bewertungen der Überzeugungsstärke von 14 Pro- und Contra-Argumenten. Die Zustimmung zu den ersten beiden exemplarisch dargestellten Fragen konnte auf einer 6-stufigen Skala angegeben werden (1 = Stimmt überhaupt nicht bis 6 = Stimmt voll und ganz). Die Bewertungen der Überzeugungsstärke erfolgte ebenfalls mittels 6-stufiger Skala (1 = Überhaupt nicht überzeugend bis 6 = Sehr stark überzeugend). Zur besseren Veranschaulichung wurden die Kategorien 1 und 2, 3 und 4 sowie 5 und 6 in den Grafiken jeweils zusammengefasst.

Wir sind uns bewusst, dass unsere Umfrage „alleine durch die Teilnahme meist interessierter Personen im Bereich E-Learning wohl beeinflusst sein“ könnte, wie ein Teilnehmender der Umfrage zum Thema Vorlesungsaufzeichnungen korrekt angemerkt hat. Unter anderem deshalb wurden beispielsweise zu den Themen Mobiles Lernen, MOOCs und digitale Bildungsressourcen (DBR) auch Befragungen unter Studierenden durchgeführt, deren Ergebnisse denen der e-teaching.org-Nutzenden gegenübergestellt wurden.

Verantwortlicher Wissenschaftler: Dr. Jens Jirschitzka (Dipl.-Psych). Mitarbeit bei Materialerstellung und Datenerhebung für die DBR-Umfragen: Lukas Baum. Bei Fragen oder Anregungen wenden Sie sich bitte an: j.jirschitzka@iwm-tuebingen.de.