Weitere Prüfungsformen

Neben den klassischen digitalen Prüfungsformaten und prüfungsähnlichen Tests gibt es zahlreiche weitere Formate, die durch den Einsatz digitaler Medien neu gedacht und gestaltet werden können oder überhaupt erst möglich werden. Eine Auswahl dieser Prüfungsformen wird auf dieser Seite vorgestellt.

Ein Mann sitzt mit einem Laptop auf dem Schoß auf dem Boden und schreibt. Um ihn herum stapeln sich Bücher und Ordner.
Bild: mediaphotos via Canva.com

Hausarbeit

In einer Hausarbeit bearbeiten Studierende schriftlich in der Regel als Einzelperson eine vorher mit der Lehrperson vereinbarte (selbst gewählte oder von der Lehrperson festgelegte) Fragestellung. Dies erfolgt in einem vereinbarten Zeitraum, entsprechend den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens, in einer vorab bestimmten Form und einem (üblicherweise in der Prüfungsordnung) bestimmten Umfang. 

Studierende bearbeiten in einer Hausarbeit eigenständig, über einen längeren Zeitraum eine wissenschaftliche Fragestellung. Auch in Zeiten der E-Prüfungen sind dafür Kompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens von zentraler Bedeutung. Die Verfügbarkeit zahlreicher digitaler Tools und insbesondere generativer KI-Anwendungen bringt jedoch einige Veränderungen mit sich. Dies betrifft zum einen die digitalen Kommunikationskanäle für den Austausch zwischen Lehrperson und Studierenden. Zum anderen können die Studierenden – sofern es sich um zulässige technische Hilfsmittel handelt – auf verschiedene unterstützende digitale Anwendungen zurückgreifen, z. B. zur thematischen Vorbereitung und Recherche, zur Unterstützung des zentralen Schreibprozesses bis hin zur formalen Fertigstellung der Arbeit. Insbesondere für die Nutzung generativer KI müssen jedoch klare Regelungen gelten und transparent kommuniziert werden. Auch Lehrende sollten auf verschiedenen Ebenen berücksichtigen, dass bei der Erstellung der Hausarbeit digitale Anwendungen grundsätzlich verfügbar sind und von den Studierenden genutzt werden. Das betrifft neben der konkreten Aufgabenstellung insbesondere die Bewertungskriterien für die Hausarbeit. Zudem können digitale Tools für die Erkennung von Plagiaten oder zur Unterstützung der Korrektur verwendet werden. 

Merkmale der Prüfungsform

Funktion: Zertifizierung, Leistungskontrolle (summativ)  
Form und Ergebnis: schriftliche Darlegung (ggf. in Kombination mit fachspezifischem Produkt)
Material/Hilfsmittel: eingegrenzt → uneingeschränkt (in Absprache)
Ort: in Distanz
Zeitraum und Gleichzeitigkeit der Bearbeitung: weit, asynchron - semesterbegleitend, meist mehrere Wochen dauernd

Eine ausführliche Erläuterung der hier genannten Merkmale finden Sie unter Merkmale von Prüfungen und Tests.

Vorteile

  • Die Hausarbeit fragt höhere Lernzieltaxonomien ab. Sie prüft nicht nur das Wissen zu einem einzigen Zeitpunkt ab, sondern ist das Ergebnis eines längeren Lernprozesses. 
  • Da die Bearbeitung der Hausarbeit einen längeren Zeitraum andauert, ist punktuelle Prüfungsangst, wie im Fall einer kurz terminierten schriftlichen Prüfung kein vordergründiges Hindernis. Der „Angst vor dem leeren Blatt“ sollte jedoch durch eine methodische Betreuung des Schreibprozesses durch Lehrende, Schreibwerkstätten oder ähnliche Anlaufstellen begegnet werden.
  • Die im Zuge der Hausarbeit erworbenen Kompetenzen korrespondieren im Idealfall mit den im Fach und einer späteren wissenschaftlichen Karriere benötigten Kompetenzen, mindestens befähigen sie tendenziell zum Schreiben weiterer Hausarbeiten und Qualifikationsarbeiten im Studienverlauf.
  • Als digitale asynchrone Prüfungsform ist die Hausarbeit weniger von technischen Problemen abhängig, da für die Lösung technischer Probleme mehr Zeit zur Verfügung steht und weniger Ressourcen zur gleichen Zeit benötigt werden.

Nachteile

  • Lehrende benötigen viel Zeit für die Betreuung, Überprüfung und Beurteilung der Hausarbeit. Insofern ist diese Prüfungsform eher für kleine Kohorten geeignet.
  • Bei Hausarbeiten besteht das Risiko einer subjektiv geprägten Bewertung. Für eine möglichst objektive und vergleichbare Benotung sollten bereits vorab Kriterien festgelegt und transparent kommuniziert werden.  
  • Hausarbeiten können implizit soziale Ungleichheiten beurteilen, wenn in der dazugehörigen Lehrveranstaltung zur Erstellung der Arbeit notwendige Methoden nicht vermittelt werden bzw. der Prozess nicht angemessen begleitet wird, da die zur Erstellung notwendigen Kompetenzen ansonsten eher bei bildungsnahen Studierenden vorzufinden sind (Bourdieu & Passeron, 1971). Dies kann auch den Einsatz digitaler, den Schreibprozess unterstützender Tools betreffen, welche häufig mit einer höheren Nutzungserfahrung effektiver eingesetzt werden können und teils nur kostenpflichtig in vollumfänglichen Versionen zugänglich sind.
  • Eine fehlende Kontrolle der Autorenschaft (insbesondere hinsichtlich KI-Schreibtools) macht die Hausarbeit anfällig für Täuschungsversuche und Plagiarismus.

Take-Home-Prüfung

Bei Take-Home-Prüfungen handelt es sich um eine Form der Hausarbeit, meist mit einem kürzeren Zeithorizont. Als Take-Home-Prüfung bzw. Take-Home-Exam werden sowohl schriftliche als auch digitale Tests und Prüfungen bezeichnet, die außerhalb der Räumlichkeiten der Hochschule ohne Aufsicht erbracht werden. Dabei können die Studierenden auf eigene zugelassene Hilfsmittel zurückgreifen (siehe auch Open-Book-Klausur). 

Für die Durchführung von Take-Home-Prüfungen sind verschiedene Varianten möglich. In der Regel sollen die Studierenden die Aufgabenstellung innerhalb eines bestimmten Zeitfensters (z. B. 12 Stunden) und in einer vorgegebenen Zeit (z. B. 120 Minuten) bearbeiten. Nahezu alle Prüfungsplattformen bieten hierfür die Möglichkeit, die entsprechenden Vorgaben umzusetzen.

Das Take-Home-Format eignet sich nicht für alle Prüfungsaufgaben und muss daher auf die zu prüfenden Lernziele abgestimmt werden. Es bietet sich insbesondere für komplexere Aufgabenstellungen an (Witt & Bartke, 2022). Dabei müssen Aufgabentypen entwickelt werden, deren Komplexität dem Prüfungsszenario gerecht wird. Demnach braucht es eine höhere Komplexität als bei einer Klausur unter Aufsicht, aber eine niedrigere als bei einer klassischen Hausarbeit. 

Ob Take-Home-Prüfungen durchgeführt werden dürfen, hängt auch von der jeweiligen Prüfungsordnung der Hochschule ab.

Merkmale der Prüfungsform

Funktion: Zertifizierung, Leistungskontrolle (summativ)
Form und Ergebnis: „Schriftliche“ Darlegung (selten Antwort-Wahl-Verfahren)
Material/Hilfsmittel: keine → eingegrenzt → uneingeschränkt
Ort: in Distanz (bzw. Remote)
Zeitraum und Gleichzeitigkeit der Bearbeitung: eng-weit, synchron-asynchron

Eine ausführliche Erläuterung der hier genannten Merkmale finden Sie unter Merkmale von Prüfungen und Tests

Vorteile

  • Eine Take-Home-Prüfung kann mit großen Kohorten ohne großen technischen Aufwand durchgeführt werden. Für die Endgeräte der Studierenden gelten die gleichen Vorgaben wie bei E-Klausuren in Distanz.

Nachteile

  • Die Entwicklung der Aufgabentypen ist aufgrund der hohen Anforderungen anspruchsvoll.
  • Durch die fehlende Aufsicht sind Take-Home-Prüfungen anfällig für Täuschungsversuche und Plagiate.

Zeitdruck-Prüfung (ohne Aufsicht)

Zeitdruck-Prüfungen sind eine spezielle Form der Prüfung ohne Aufsicht (wobei sich die Bezeichnung für diese Prüfungsform von Hochschule zu Hochschule unterscheiden kann). Bei einer Zeitdruck-Prüfung werden vor allem Multiple- und Single-Choice-Fragen (seltener Freitext) gestellt. Die Studierenden beantworten die Fragen direkt online im Prüfungssystem. Hierbei ist die Anzahl der zu beantwortenden Fragen so bemessen, dass die zur Verfügung stehende Zeit lediglich knapp ausreicht, um die Fragen zu beantworten, jedoch nicht für zusätzliche Recherche oder zur Absprache mit Dritten. Da es sich um eine Prüfungsform ohne Aufsicht handelt, ist es notwendig, dass die Teilnehmenden zur Prüfung Eigenständigkeitserklärungen einreichen.

Merkmale der Prüfungsform

Funktion: Zertifizierung, Leistungskontrolle (summativ)  
Form und Ergebnis: „Schriftliche“ Darlegung, v. a. Antwort-Wahl-Verfahren
Material/Hilfsmittel: keine
Ort: in Distanz (bzw. Remote)
Zeitraum und Gleichzeitigkeit der Bearbeitung: eng, synchron

Vorteile

  • Zeitdruck-Prüfungen (ohne Aufsicht) können mit sehr großen Kohorten ohne großen technischen Aufwand durchgeführt werden, für die Endgeräte der Studierenden gelten die gleichen Vorgaben wie in E-Klausuren in Distanz.
  • Die Prüfungen sind automatisiert auswertbar.

Nachteile

  • Aufgrund der fehlenden Aufsicht bei gleichzeitig stark reduzierter Komplexität ist diese Form der Prüfung stark umstritten, u. a. da die Identität der Studierenden nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann. 
  • Der Zeitdruck kann zu erhöhtem Prüfungsstress führen, so dass Studierende unter Umständen nicht ihre eigentliche Leistung abrufen können. 

Upload-Prüfung (mit/ohne Aufsicht)

Bei Upload-Klausuren mit Aufsicht handelt es sich um eine Sonderform der E-Klausur. Dabei werden den Teilnehmenden Prüfungsfragen gestellt, die sie selbständig in der vorgegebenen Zeit handschriftlich auf Papier lösen. Die Studierenden befinden sich dabei in der Regel außerhalb der Räumlichkeiten der Hochschule. Sie scannen nach Ende der Bearbeitungszeit ihre Lösung ein bzw. fotografieren sie ab und laden sie als PDF auf die jeweilige Prüfungsplattform hoch. Die Korrektur der Prüfung erfolgt durch die Lehrperson ausgedruckt auf Papier oder direkt am Computer. 

In einer stärker digitalisierten Variante dieser Prüfungsform nutzen die Teilnehmenden passende (Office-)Programme zur Lösung der Prüfungsfragen und laden das Ergebnis später (z. B. als PDF) auf die Prüfungsplattform hoch. 

Die Aufsicht in der Upload-Prüfung erfolgt per Video-Aufsicht. Beide Varianten sind jedoch ebenso ohne Aufsicht vorstellbar, allerdings handelt es sich dann im Grunde um eine Hausarbeit oder eine Take-Home-Prüfung bzw. um eine komplexere Form der Zeitdruck-Prüfung.

Bei der Upload-Prüfung muss den Studierenden in der Prüfungszeit zusätzliche Zeit für das Einscannen bzw. Abfotografieren und Hochladen der Dokumente zugestanden werden. Den Studierenden sollten Testuploads vor der Prüfungen ermöglicht werden. Zudem sollte sichergestellt werden, dass die Größe der hochgeladenen Dateien die Upload-Beschränkungen der Lernplattform nicht überschreitet.

Merkmale der Prüfungsform

Funktion: Auswahl, Einschätzung (diagnostisch) oder Zertifizierung, Leistungskontrolle (summativ)  
Form und Ergebnis: Schriftliche Darlegung
Material/Hilfsmittel: keine → eingegrenzt
Ort: in Distanz (bzw. Remote)
Zeitraum und Gleichzeitigkeit der Bearbeitung: eng-weit, synchron

Vorteile

  • Upload-Prüfungen können mit großen Kohorten durchgeführt werden. Für die Endgeräte der Studierenden gelten die gleichen Vorgaben wie bei E-Klausuren in Distanz.
  • Die Prüfungsform eignet sich vor allem für Aufgaben mit komplexen Lösungen, für die eine handschriftliche Eingabe einfacher bzw. schneller ist, z. B. Formeln oder mathematische Beweise. Ähnliches gilt, wenn eine digitale Unterstützung die Lernziele ungewollt ändern würde, z. B. bei der Anfertigung von Zeichnungen und Skizzen.

Nachteile

  • Das Abfotografieren bzw. Scannen der papierbasierten Lösung kann zu technischen Problemen bei einzelnen Studierenden führen und erfordert zusätzliche Zeit.
  • Die Qualität der Fotos bzw. Scans ist nicht immer ausreichend für eine sinnvolle Korrektur. Die Studierenden sollten daher die Originale für eine mögliche spätere Nachkorrektur aufheben.
  • Sollte die Video-Aufsicht per Smartphone-Kamera geregelt sein, ist zu beachten, dass für das Abfotografieren und Hochladen u. U. das Smartphone genutzt wird, wodurch in dieser Phase keine Videoaufsicht stattfinden kann.

Scan-Klausur

Die Scan-Klausur ist eine Mischung aus papierbasierter Prüfung und E-Prüfung. Es handelt sich dabei um Multiple-Choice-Fragen, die auf Papierbögen zu beantworten sind. Diese Papierbögen werden dann (automatisiert) eingescannt und digitalisiert. Ab diesem Punkt entspricht die Prüfungsform der E-Klausur und ermöglicht z. B. im digitalen Prüfungssystem statistische Auswertungen zu Einzelfragen. Scan-Klausuren werden vor Ort im Hörsaal unter Aufsicht durchgeführt. Für die Auswertung wird eine entsprechende technische Infrastruktur (z. B. Software, Scanner etc.) benötigt.

Merkmale der Prüfungsform

Funktion: Leistungskontrolle (summativ)
Form und Ergebnis: Antwort-Wahl-Verfahren
Material/Hilfsmittel: nach Entscheidung der Lehrenden (keine → eingegrenzt → uneingeschränkt)
Ort: in Präsenz
Zeitraum und Gleichzeitigkeit der Bearbeitung: eng und synchron

Vorteile

  • Scan-Klausuren können mit sehr großen Kohorten ohne großen technischen Aufwand durchgeführt werden.
  • Es wird kein Endgerät für jeden Prüfungsteilnehmenden benötigt (z. B. PC-Pool oder BYOD).
  • Die Prüfungsform vereint Vorteile der E-Klausur mit denen der papierbasierten, schriftlichen Klausur.

Nachteile

  • Das Scannen der Klausurbögen ist in der Praxis oftmals fehlerhaft. Einzelne Papierbögen können nicht immer korrekt durch die Scansoftware verarbeitet werden und müssen stattdessen von Hand ausgewertet werden. Falls der Fehler erst später, z. B. bei einer Prüfungseinsicht durch die Studierenden, erkannt wird, müssen die betroffenen Papierbögen gesucht und ebenfalls von Hand ausgewertet werden, was viel Nacharbeit bedeutet.
  • Es sind nur Aufgaben im Antwort-Wahl-Verfahren (Multiple Choice) möglich.
  • Die Erstellung, das Drucken und die Logistik der papierbasierten Klausuren sind zeitaufwändig.
Letzte Änderung: 14.05.2024