Bachelor & Master

Ein Teil der Umsetzung der Bologna-Erklärung ist die Einführung der zweistufigen Studienstruktur von Bachelor (BA)- und Master (MA)-Studiengängen an europäischen Hochschulen. Die Restrukturierung von Studiengängen führt auch zur Diskussion des Online-Anteils.

Die Umsetzung der Bologna Richtlinien ist in den einzelnen Ländern Europas unterschiedlich weit fortgeschritten. Deutschland steht dabei für das Modell eines allmählichen Übergangs, in dem für einen längeren Zeitraum herkömmliche eingliedrige und neue gestufte Studienstrukturen nebeneinander, in der Regel sogar an ein und derselben Hochschulen, angeboten werden. Die Entscheidung für die Einführung von BA/MA-Studiengängen liegt in Deutschland bei den Hochschulen oder direkt bei den Fachbereichen.

Der Umsetzungs- und Umstellungsprozess, den die Einführung von Bachelor und Master erfordert, muss auf Länderebene, aber auch auf Seiten der Hochschulen begleitet werden. Aufgabe der Hochschule ist es zu informieren und aufzuklären. So können Widerstände und Zurückhaltungen intern bei Lehrenden und Studierenden, aber auch bei den zukünftigen Arbeitgebern in der Wirtschaft abgebaut werden.

Zum Sommersemester 2005 wurden ungefähr ein Viertel aller Studiengänge in Deutschland als Bachelor- und Masterstudiengänge ausgewiesen und ca. 10% der deutschen Studierenden waren in Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Bis zum 30. September 2007 muss die Überführung von Diplom- und Magisterstudiengänge in das gestufte Studiensystem abgeschlossen sein (Kohnhäuser, 2005).

Zeitrahmen & Umfang

In der Bologna-Erklärung ist lediglich die Gliederung in zwei Studienzyklen festgeschrieben. Sie trifft keine Aussage über die Länge oder den Umfang, dennoch stimmen die Teilnehmerländer, was die Bemessung ihrer Studiengänge betrifft, zu einem großen Teil überein. Kritiker sehen in der Standardisierung der Studienorganisation auch ein gewisses Risiko, da sie ihrer Ansicht nach die Freiheit von Studium und Lehre beschränkt und die Verschulung – vor allem des Universitätsstudiums - vorantreibt (DGWF-Empfehlung, 17.9.2005).

Für den ersten Studienzyklus (BA) ist eine Dauer von 3-4 Jahren vorgesehen. Die Studierenden sollen dabei Leistungen im Umfang von mindestens 180 und höchstens 240 ECTS-Punkten erbringen.

Für den zweiten Studienzyklus (MA) ist eine Dauer von 1-2 Jahren vorgesehen. Der Studienumfang sollte den Erwerb von nicht weniger als 60 bzw. nicht mehr als 120 ECTS-Punkten vorsehen.

In konsekutiver Abfolge soll ein Bachelor und Master fünf Jahre dauern, diese jedoch nicht überschreiten. Diese Trends schließen minimale Abweichungen ein und der Spielraum wird von den deutschen Bundesländern unterschiedlich ausgenutzt.

Struktur

Auch wenn europaweit die Terminologie "Bachelor" und "Master" weitgehend übereinstimmt, weisen die Profile der beiden Studienzyklen eine beträchtliche Vielfalt auf. Sie unterscheiden sich in ihrem anwendungs- bzw. theorieorientierten, grundständig bzw. weiterbildenden Charakter. Allerdings ist es falsch anzunehmen, dass sich die Profile nach Institutionen (Fachhochschulen, Universitäten) unterscheiden, vielmehr bilden sich in den Bachelor- und Masterstudiengängen Mischprofile heraus. Allgemein wahrgenommen wird, dass im Zuge der Umstellung von Bachelor auf Master die Grenzen zwischen Fachhochschule und Universität unschärfer werden. Positiv gesehen werden kann, dass Bachelor- und Master- Studienangebote die Möglichkeit bieten sich in zwei Fachgebieten auszubilden und auf diese Weise eine Doppelqualifikation zu erlangen. Ein Bachelor in den Ingenieurswissenschaften kann beispielsweise durch einen Master in den Wirtschaftswissenschaften ergänzt werden (Petzina, 2005).

Der Vorteil von der stärkeren Unterscheidung zwischen grundständigem und weiterbildendem Studium ist, dass dadurch Berufstätigen der erneute Zugang zur Hochschule erleichtert wird. Auch wenn die Zugangsvoraussetzungen zumeist dieselben sind wie für Studierende, wird doch der Wiedereinstieg selbstverständlicher.

Qualitätssicherung

Die Qualität der Studiengänge wird durch die Akkreditierung gesichert. Deutschland verfügt über ein zweistufiges System, bestehend aus dem Akkreditierungsrat einerseits und mehreren Agenturen andererseits.

  • Eine Definition von Qualifikationen zur Unterscheidung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist in den Dublin Descriptors festgeschrieben. Diese wurden von der Joint Quality Initiative (http://www.jointquality.org), einer informellen Arbeitsgruppe auf europäischer Ebene, entwickelt. Sie sind eine fächerübergreifende Beschreibung des Bachelor- und Masterniveaus, die das Leistungsprofil von Studierenden mit einem Bachelor- oder einem Masterabschluss festlegt.
  • 2006 führte der Arbeitskreis Personalmarketing (dapm) in Kooperation mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) das erste Employability-Rating durch. Das Rating bewertet die Förderung der Beschäftigungsbefähigung („employability“) in den neuen Bachelor-Studiengängen. Untersucht wurden in der ersten Studie Bachelor-Studiengänge im Fachbereich BWL.

Finanzierung durch Weiterbildung

Auf der einen Seite stellt die nachhaltige Finanzierung bei einigen Bachelor- und Masterstudiengängen noch ein ungelöstes Problem dar. Abgesehen von der sehr kostenintensiven Akkreditierung zeichnen sich BA/MA-Studiengänge bisher durch geringe Studierendenzahlen und einen hohen Betreuungsaufwand aus. Auf der anderen Seite eröffnen die Masterstudienangebote den Hochschulen die Möglichkeit im Weiterbildungsmarkt Finanzmittel zu erwirtschaften. (DGWF-Empfehlung, 17.9.2005). Inzwischen werden eine Vielzahl an kostenpflichtigen Masterstudiengängen quer durch die Disziplinen angeboten. Da die Zielgruppe von Masterstudiengängen in ihrer Mobilität oft eingeschränkt ist, werden vermehrt Masterstudiengänge als Fernstudiengänge angeboten.

Kooperationen

Im Zusammenhang mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen streben fast alle Hochschulen den Ausbau internationaler Kooperationen an. Ausländische Studierende stellen eine interessante neue Zielgruppe dar. Es bestehen bereits einige grenzüberschreitende Studienangebote, bei denen der Einsatz digitaler Medien eine wichtige Rolle spielt (Klemperer et al., 2002).

Beispiele:

  • oncampus, ein Verbund von verschiedenen Hochschulen, bietet berufsbegleitende Online-Studiengänge mit international anerkannten Bachelor- und Masterabschlüssen. 
  • Im Rahmen des Baltic Sea Virtual Campus bieten die Fachhochschulen Kiel und Lübeck gemeinsam die Master Online-Studiengänge Industrial Engineering an. Die Online-Studienangebote beinhalten einen durchschnittlichen Anteil von etwa 20% Präsenz (für Klausuren, Labore, Übungen...), die an Wochenenden stattfinden. Das Studium ist modular aufgebaut. Die einzelnen Module werden - in der Regel - mit einer Klausur (in Präsenz) abgeschlossen. Die Online-Betreuung umfasst u.a. Chats, die Beantwortung von Fragen zum Lehrstoff (per E-Mail), Korrekturen von Einsendeaufgaben sowie Gruppendiskussionen im Discussion Board. Zu einigen Modulen wird ergänzender Präsenzunterricht in Form von Vorlesungen, Prüfungen, Laborübungen und Seminaren angeboten.
  • Beispiel für eine grenzüberschreitende Kooperation ist das gemeinsame Angebot des Online-Master Studiengangs Transregional Management der Universität Lund (Schweden) und der FH Lübeck.

Bachelor, Master & E-Learning

Zum Teil wird die Umsetzung von Bachelor- und Masterstudiengängen mit der Erhöhung, Realisierung oder Festschreibung des E-Learning Anteils im Lehrangebot und dessen curricularer Integration verbunden (Beispiel Uni Zürich: Erhöhung des E-Learning Anteils auf 15% bis 2007). Allerdings werden neue virtuelle Angebotsformen, Blended Learning, Fern- und Teilzeitstudium bisher kaum umgesetzt (Klemperer et al., 2002).

Beispiele für mediengestützte Bachelor- und Masterstudiengänge

  • Die Integration von Bachelor- und Masterstudiengängen mit E-Learning ist das Ziel des mit 1,4 Millionen Euro unterstützten Projekts E-University der Uni Duisburg-Essen unter der Leitung von Prof. Michael Kerres. Der Online-Campus der Universität Duisburg-Essen bietet einen internetgestützten Master-Studiengang Master of Arts in Educational Media an.
  • Das Center for Distributed Learning der Universität Oldenburg (CDL) bietet ab dem Wintersemester 2005/2006 einen neuen berufsbegleitenden, internetgestützten Bachelor-Studiengang BWL für SpitzensportlerInnen an. Phasen des selbstgesteuerten Lernens (Distance Learning) werden mit wenigen Präsenzphasen und Phasen internetgestützten kooperativen Lernens kombiniert.
  • Die Fachhochschule Deggendorf bietet den Bachelor Wirtschaftsinformatik als IT-Kompaktkurs an. 50 % der Lehre findet virtuell über Fernsehen, Web Based Training und Computer Based Training statt, 50 % als Präsenzlehre in Computerlabors oder Vorlesungsräumen.

Weitere Informationen:

Letzte Änderung: 26.01.2016
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