Lernmanagement-Systeme

In der vom Leibniz-Institut für Wissensmedien durchgeführten Studie zum Thema LMS zeigte sich unter anderem, dass die Mehrheit der Befragten positiv gegenüber Lernmanagement-Systemen eingestellt ist. Einzeltools außerhalb von LMS werden darüber hinaus nicht unbedingt als Gegenpol zum LMS-Einsatz wahrgenommen, sondern als sinnvolle und integrierbare Ergänzung. Diese und weitere Ergebnisse finden Sie auf der folgenden Seite.

Was das Wissen um den aktuellen Stand der Diskussionen zum Thema LMS betrifft, so stimmten ungefähr 41% der hierauf Antwortenden folgender Aussage voll und ganz (bzw. überwiegend) zu: „Zum Thema LMS bin ich auf dem aktuellen Stand der Diskussionen“. Im Vergleich zu den Themen MOOCs (55%), Mobiles Lernen (36%), Open-Educational-Resources (34%), Vorlesungsaufzeichnungen (28%) und Learning Analytics (26%) belegt das Thema LMS diesbezüglich den zweiten Platz hinter dem Thema MOOCs. Insgesamt nur etwa 15% der Teilnehmenden stimmten obiger Aussage überhaupt nicht (bzw. überwiegend nicht) zu.

Der Aussage „Solange dies durch geeignete Rahmenbedingungen abgesichert ist, würde/werde ich als Lehrende/r auch weiterhin auf LMS setzen“ stimmten ungefähr 72% der Teilnehmenden voll und ganz (bzw. überwiegend) zu. Damit liegt das Thema LMS im Vergleich zu den anderen Themen sogar auf dem ersten Platz (Open-Educational-Resources: 70%, Mobiles Lernen: 58%, Vorlesungsaufzeichnungen: 56%, MOOCs: 46% und Learning Analytics: 41%). Lediglich 5% stimmten dieser Aussage überhaupt nicht (bzw. überwiegend nicht) zu.

In der Umfrage gab es zudem die Möglichkeit, Pro- und Contra-Argumente zum Thema LMS hinsichtlich Positionierung und Überzeugungsstärke zu bewerten. Das Pro-Argument mit den höchsten mittleren Überzeugungsratings (M = 5.13, SD = 1.14 auf einer 6-stufigen Skala mit den Endpunkten 1 und 6) lautete: „Zeit- und Ortsunabhängigkeit sowie die Unterstützung verschiedenster Dateiformate sind wichtige Vorteile von Lernmanagement-Systemen. Und wie auch immer man zu Lernmanagement-Systemen stehen mag: Im Vergleich zu klassischen Semesterapparaten bzw. unvollständigen Kopiervorlagen haben LMS die Nase vorn. Material kann mit LMS jederzeit angepasst, abgerufen und geteilt werden.“. Geringere mittlere Werte (M = 3.42, SD = 1.47) hinsichtlich der Überzeugungsstärke erreicht diesbezüglich das folgende und am besten bewertete Contra-Argument: „Kleinere Tools (z. B. zum kollaborativen Bearbeiten von Dokumenten) sind einfacher zu bedienen und zu erlernen als überdimensionierte ‚Allround‘-Lernmanagement-Systeme. Bewährte Einzeltools sind für ihren Anwendungskontext optimiert. Sie sind einfach zu erlernen und Studierende erwerben Anwendungswissen, welches auch außerhalb der Veranstaltungen und im späteren Berufsleben einsetzbar ist.“.

Dass ein Entweder-oder von LMS und Einzeltools von einigen Teilnehmenden zugunsten eines sich ergänzenden Miteinanders infrage gestellt wurde, zeigte sich nicht zuletzt in den Freitext-Anmerkungen. Die Möglichkeit, Anmerkungen und Kommentare zu verfassen, wurde von n = 47 Teilnehmenden genutzt. Von diesen Teilnehmenden verfassten n = 21 (45%) solche Anmerkungen, die sich als Pro-LMS-Argumente klassifizieren lassen (z. B. zentrales LMS als „Lernheimat“, Verbesserungen bei modernen LMS, Verlässlichkeit und Medienkompetenzförderung). Hingegen verfassten nur 6 der 47 Kommentierenden (13%) Anmerkungen, die gegen LMS argumentierten (z. B. geringe Usability, veraltete und starre LMS, zu aufwendig, auf Lehrende zentriert und die Lehre automatisierend, keine Cloud-Fähigkeit). Und auch nur 9 der 47 Kommentierenden (19%) verfassten Anmerkungen, die sich gegen Einzeltools richteten (z. B. mit Verweis auf Gamification-Tendenzen, auf Datenschutz und Datensicherheit, Fragmentierungstendenzen, die Problematik des mit einer Vielzahl von Einzeltools einhergehenden Aufwands, die eventuell erhöhte Unübersichtlichkeit und das damit verbundene schwierigere Handling). Demgegenüber äußerten jedoch 17 der 47 Kommentierenden (36%) die Sichtweise, dass LMS und Einzeltools sich einander nicht ausschließen, sondern durchaus ergänzend und integrierend nutzbar sind.

Weitere in den Freitext-Anmerkungen thematisierte Aspekte waren unter anderem: Datenschutz allgemein, Kenntnisstand der Lehrenden sowie Fortbildung und Support, die (geforderte und einem Fall auch abgelehnte) Verbindlichkeit einer institutionell beschlossenen LMS-Nutzung für die Lehrenden, neue und z. T. ungenutzte Open-Source-Perspektiven, die Notwendigkeit hochschulübergreifender Vernetzungen, didaktische Aspekte, persönliche Lernumgebungen sowie Kollaboration/Kooperation von Lernenden, umfragespezifische Anmerkungen und die Frage nach der Praxisrelevanz einer Pro-und-Contra-Umfrage im LMS-Kontext (d. h. nutzen Hochschullehrende überhaupt LMS und wenn ja, für mehr als nur für File-Sharing?).

Thematisiert wurde vereinzelt auch die Perspektive der Studierenden, die nicht in jedem Fall die datenschutzrechtlichen Bedenken von Lehrenden teilen, andererseits jedoch auch nicht zur Anmeldung bei Social-Media-Tools gezwungen werden sollten. In Bezug auf die Studierenden wurde außerdem angemerkt, dass es deren mehrheitlicher Wunsch sei, dass die „ganze Hochschule für alle LVA ein einheitliches LMS nutzt“. Ein Teilnehmender vermerkte außerdem, dass immer auch Inhalte außerhalb von LMS genutzt werden sollten, denn „es gibt zu vielen Themen wirklich gute Bücher, die nicht digital zur Verfügung stehen“.

Zur Methodik der Studie

In unserer Meinungsrubrik gab es die Möglichkeit, verschiedene Pro- und Contra-Argumente zu den Themen MOOCs, Mobiles Lernen, Learning Analytics, Vorlesungsaufzeichnungen, Open Educational Resources (OER) und Lernmanagement-Systeme (LMS) zu betrachten, zu bewerten und Fragen zu diesen Themen zu beantworten. Hier präsentieren wir einige Ergebnisse der Umfrage zum Thema LMS. Diese Umfrage begann am 22. Juli 2016 vor dem Hintergrund des LMS-Themenspecials und wurde bis zum 6. April 2017 durchgeführt. Die Zahl der Teilnehmenden übersteigt mit bis zu n = 293 auswertbaren Antworten pro gestellter Frage deutlich die Teilnehmendenzahlen der vorherigen Umfragen. An dieser Stelle bedanken wir uns deshalb noch einmal ausdrücklich für das große Interesse und die Bereitschaft zum Mitmachen!

Zunächst werden die Antwortmuster zu (a) einer eher wissensbezogenen Frage und (b) zu einer eher meinungsbezogenen Frage grafisch veranschaulicht. Danach folgen die Ergebnisse zu den Bewertungen von 14 Pro- und Contra-Argumenten hinsichtlich Überzeugungsstärke und Positionierung. Die Zustimmung zu den ersten beiden exemplarisch dargestellten Fragen (Items) konnte auf einer 6-stufigen Skala angegeben werden (1 = Stimmt überhaupt nicht bis 6 = Stimmt voll und ganz). Die Bewertungen der Überzeugungsstärke sowie der Positionierung der Argumente erfolgten ebenfalls mittels 6-stufiger Skalen (1 = Überhaupt nicht überzeugend bis 6 = Sehr stark überzeugend bzw. 1 = Sehr stark contra bis 6 = Sehr stark pro). Zur besseren Veranschaulichung wurden die Kategorien 1 und 2, 3 und 4 sowie 5 und 6 in den Grafiken jeweils zusammengefasst.

Wir sind uns bewusst, dass unsere Umfrage „alleine durch die Teilnahme meist interessierter Personen im Bereich E-Learning wohl beeinflusst sein“ könnte, wie ein Teilnehmender der Umfrage zum Thema Vorlesungsaufzeichnungen korrekt angemerkt hat. Unter anderem deshalb wurden beispielsweise zu den Themen Mobiles Lernen und MOOCs auch Befragungen unter Studierenden durchgeführt, deren Ergebnisse denen der e-teaching.org-Nutzenden gegenübergestellt wurden.

Verantwortlicher Wissenschaftler: Dr. Jens Jirschitzka (Dipl.-Psych). Bei Fragen oder Anregungen wenden Sie sich bitte an: j.jirschitzka@iwm-tuebingen.de.