Qualität im E-Learning

Qualitätsentwicklung stellt einen wichtigen Faktor bei E-Learning Aktivitäten an Hochschulen dar. Es müssen sowohl die technischen Werkzeuge, die Lehrszenarien, die Didaktik wie auch die Organisation und Administration einer Qualitätsprüfung unterzogen werden.

Qualität von E-Learning-Angeboten lässt sich prozessorientiert oder produktorientiert betrachten. Es geht zum einen also um den Ablauf und die Durchführung und zum anderen um die im Bildungsprozess verwendeten Lehr-Lernprodukte. Da E-Learning noch mehr als andere Bildungsangebote eine Individualisierung des Lehr-Lernprozesses ermöglicht, sollte, was die Qualität angeht, hier insbesondere der Anwender / Lerner im Zentrum stehen sowie der Kontext berücksichtig werden. Zwar können Standards und Spezifikationen die Rahmenbedingungen für Qualität sicherstellen, allerdings wird Qualität letztendlich „erst im Prozess des Lernens von den Lernenden selbst hergestellt“ (Zimmer Psaralidis 2000, 265).

Qualität von Bildungsangeboten lässt sich auf verschiedenen Ebenen betrachten:

  • Auf der Ebene von Studiengängen mit E-Learning-Anteilen sichern Akkreditierungsverfahren die Qualität. Mehr zu diesem Prozess und zum Thema erfahren Sie im Kapitel Akkreditierung.
  • Auf der Ebene von Lehr- und Lernprodukten werden Maßnahmen zur Evaluation und Qualitätssicherung in der Kategorie Didaktisches Design vorgestellt.
  • Für die Qualität der Technik ist die Berücksichtigung technischer Standards wichtig. Diese werden in einem eigenen Kapitel beschrieben.
  • Auch die Schulung der Mitarbeiter/-innen trägt zur Sicherung der Qualität von E-Learning-Angeboten bei. Mehr zum Thema Kompetenzentwicklung sowie einen Überblick über Maßnahmen und Angebote verschiedener Hochschulen finden Sie im Portal.
  • Die Qualität aus Sicht der Studierenden spiegeln Plattformen wie MeinProf.de wieder, auf denen Studierende ihre Zufriedenheit und Unzufriedenheit mit Lehrveranstaltungen direkt rückmelden können.

Modelle und Spezifikationen für die Qualitätssicherung von Bildungsangeboten

DIN PAS 1032-1/2

Die PAS (Publicly Available Specification) 1032-1 und 2 zur Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning wurde im Februar 2004 vom Deutschen Institut für Normung e.V. (DIN) vorgestellt. Es werden darin Standards beschrieben, die den kompletten Entwicklungszyklus eines E-Learning-Angebots umfassen bis hin zum Vertrieb. Außerdem werden Kriterien zur Prüfung der Qualität von E-Learning-Produkten zur Verfügung gestellt.

  • DIN PAS 1032-1 "Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning. Teil 1: Referenzmodell für Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung; Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Bildungsprozessen und Bildungsangeboten"
  • DIN PAS 1032-2 "Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning. Teil 2: Didaktisches Objektmodell; Modellierung und Beschreibung didaktischer Szenarien": Die PAS enthält ein speziell auf den Lebenszyklus eines E-Learning-Angebotes zugeschnittenes Referenzmodell mit einem zugehörigen Beschreibungsschema, in dem die zentralen Prozesse der Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Bildungsprozessen dargestellt werden.

PAS 1032-1

Das Prozessmodell der DIN PAS 1032-1:2004 (Quelle: DIN PAS 1032-1:2004, S. 9)

PAS 1069

Die PAS 1069:2009 „Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von E-Learning- Leitfaden zum Referenzprozessmodell für Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung - Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Bildungsprozessen“ ist eine Handreichung zur Umsetzung der PAS 1032-1 mit zahlreichen Praxisbeispielen.

ISO 19796 – 1/3

Der erste internationale Standard der internationalen Standardisierungsorganisation ISO für die Aus- und Weiterbildung mit E-Learning liegt seit 2005 vor. Der erste Teil der ISO „Informationstechnik - Lernen, Ausbilden und Weiterbilden - Qualitätsmanagement, -sicherung und -metriken -Teil 1: Allgemeiner Ansatz“ enthält das Prozessmodell der DIN-PAS 1032-1:2004 und bietet einen allgemeinen Rahmen für die Einführung von Qualitätsansätzen. ISO/IEC 19796-3:2009 „Informationstechnik - Lernen, Ausbilden und Weiterbilden - Qualitätsmanagement, -sicherung und –metriken – Teil 3: Referenz-Methoden und Metriken“ wurde 2009 veröffentlicht. Besonders hervorgehoben wird bei diesem Standard das ausgearbeitete Prozessmodell, das sowohl die Perspektive von Bildungsanbietern als auch Nutzern/Lernenden beinhaltet.

ISO 9241

Usability, die Benutzerfreundlichkeit, ist ein entscheidendes Qualitätskriterium für E-Learning-Werkzeuge. Sie definiert sich durch die Frage: "Wie schnell und wie erfolgreich erreichen bestimmte Nutzer eines Produktes in einem bestimmten Nutzungskontext ein vorgegebenes Ziel – und wie zufrieden sind sie dabei?" (nach ISO 9241 – 11). Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang die ISO 9241 "Ergonomie der Mensch-System-Interaktion". Sie thematisiert wichtige Punkte wie:

  • ISO 9241 – 110: Grundsätze der Dialoggestaltung
  • ISO 9241 – 11: Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit – Leitsätze
  • ISO 9241 – 12: Informationsdarstellung
  • ISO 9241 – 13: Benutzerführung
  • ISO 9241 – 14-17: Dialogführung
  • ISO 9241 – 210: Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme

Diese allgemeinen Normen zur Gebrauchsfreundlichkeit bei der Mensch-System-Interaktion können speziell auf E-Learning-Produkte angewendet werden, da die meisten E-Learning-Werkzeuge interaktive Systeme bezeichnen. In einem Langtext zur Usability haben wir diese und weitere Richtlinien zusammengefasst, die zur Optimierung von E-Learning-Anwendungen hilfreich sind.

PAS 1068

Die PAS 1068:2006 „Aus- und Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung von e-Learning - Leitfaden zur Beschreibung von Bildungsangeboten“ wurde von der bei der DIN gebildeten Arbeitsgruppe „Transparenz im E-Learning“ und der Qualitätsinitiative E-Learning in Deutschland (Q.E.D.) erstellt. Der Standard soll die Tranparenz für Nachfrager von Bildungsangeboten verbessern. Die PAS 1068 enthält ein Beschreibungsschema für die exakte Beschreibung von Bildungsangeboten Die Bildungsangebote sollen so vergleichbar werden. Der Leitfaden wurde auf der Grundlage des in der ISO/IEC 19796-1 und in der PAS 1032-1 enthaltenen Referenzprozessmodells für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung bei der Planung, Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Bildungsprozessen und Bildungsangeboten entwickelt. Beschreibungen von Bildungsangeboten sollten folgende acht Punkte enthalten: Allgemeine Informationen, Administration und Kosten, Organisatorisches, Funktionalität, Barrierefreiheit, Didaktik, Technik, Datenspeicherung.

PAS 1037 / QM STUFEN-MODELL®

  1. Ein ursprünglich als System zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung bildungsorientierter Wirtschaftsunternehmen entwickelter Standard, auf dessen Basis der Fachverband Forum DistancE-Learning und die RKW Berlin GmbH die „quality specifications for distance learning providers“ entwickelt haben. Das Modell ist prozessorientiert aufgebaut. Zentrale Punkte sind die Kundenorientierung und Kundenkommunikation. Die vier zentralen Prozesse sind
    1. Bildungsorganisationen einführen und entwickeln
    2. Mitarbeiter/-innen, Lehrende und Lerninfrastruktur bereitstellen und entwickeln
    3. Bildungsangebote konzipieren, durchführen und evaluieren
    4. Bildungsprozesse messen, analysieren und verbessern (Brückner & Girke 2005, 7).
    Umfangreiche Informationen zum Modell finden Sie bei Wikipedia

Qualitätmanagementsysteme auf Organisationsebene

Es gibt zwar einige Modelle und Standards zur Qualitätssicherung auf Organisationsebene wie die ISO 9000 ff., das EFQM- oder LQW-Modell, allerdings muss jede Organistion prüfen, inwiefern diese auf die eigenen Organisationsspezifika anwendbar sind. Alternativ lässt sich ein eigenes Modell zum Qualitätsmanagement - ein so genanntes "Hauskonzept" - entwickeln, in dem Prozesse und Verfahren festgelegt werden. Vorteile: Zum einen können Organisationsmitglieder bei der Entwicklung mit einbezogen werden, zum anderen lässt sich dieses evtl. einfacher an laufende Veränderungen anpassen.

Weitere Informationen und Beispiele:

  • Ein Bericht des Forum Neue Medien Austria setzt sich mit E-Learning Qualitäts-Evaluationstools (PDF) auseinander.
    In ihm werden Institutionen und Netzwerke, die Zertifizierungen als Maßnahme zur Qualitätsentwicklung für E-Learning durchführen, erfasst und analysiert. Auf Basis der Analyse wurde ein eigenes Web-basiertes Selbstevaluationstool, das eLearning QualitätsEvaluationstool (eLQe), entwickelt.
  • Das Wiki des TEC eCDF E-Learning Standards und Guidelines Projekt (Milne & Suddaby, 2005) stellt Richtlinien für die Qualität von E-Learning dar. Die Fallstudien beinhalten jeweils eine Beschreibung des Kontexts, der Change Agents, Hintergründe, Ergebnisse, Nachhaltigkeitsfaktoren, einen Ausblick sowie die für die Fallstudie relevanten Richtlinien für Qualitätsentwicklung.

Qualität sichtbar machen: E-Learning Label und Zertifikate

Ein Ansatz um die Qualität von E-Learning-Produkten oder -Veranstaltungen intern zu sichern und nach Außen kenntlich zu machen ist die Zertifizierung oder Vergabe eines Labels. Wichtig dabei ist, dass die Kriterien transparent gemacht, sachgemäß angewendet und in ihrer Einschlägigkeit empirisch belegt werden. Allerdings werden bisher hauptsächlich Angebote, die kommerziell vermarktet werden mit Zertifikaten oder Labeln versehen.

Beispiele:

  • Die TU Darmstadt hat für ihre E-Learning Veranstaltungen ein E-Learning Label eingeführt. Weitere Informationen finden Sie im Erfahrungsbericht von Dr. Julia Sonnberger vom e-learning center der TU Darmstadt.
  • E-Learning-Zertifikate werden außerdem Lehrenden für die Erlangung von E-Learning Kompetenz verliehen, wie zum Beispiel in der Workshopreihe der Goethe-Universität in Frankfurt oder an der Uni Freiburg.

Ranking als Qualitätsindikator

Um Studieninteressierten Einblick in die Qualität der Hochschulen zu gewähren werden von Zeit zu Zeit Rankings verfasst. Einen Überblick über einmalige und regelmäßig stattfindende Hochschulrankings erhalten Sie hier.

Weitere Informationen:

  • Ulf-Daniel Ehlers und Jan Pawlowski haben ein Buch zum Thema E-Learning Qualität herausgegeben: Handbook on Quality and Standardisation in E-Learning. Heidelberg: Springer 2006.
  • Die European Foundation for Quality in E-Learning (EFQUEL) ging aus einem EU Projekt hervor. Ziel der Organisation ist es, die Qualität des E-Learning an Hochschulen, Schulen wie auch in der beruflichen Weiterbildung in Europa voranzubringen sowie in diesem Bereich Dienstleistungen bereit zu stellen. der einen Rahmen zur Begutachtung von Qualitätskriterien in Organisationen darstellt.
Letzte Änderung: 17.07.2015

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