Bring Your Own Device

Bring Your Own Device (BYOD) heisst auf Deutsch soviel wie „Bringe Dein eigenes Gerät mit“. Bezogen auf Unterrichtskonzepte spricht man von einem BYOD-Konzept, wenn die Lernenden gebeten werden, ihre eigenen Geräte - sei es Smartphone, Tablet oder Laptop - mit an die Hochschule zu bringen, um damit mediengestützte Aufgaben in Lehrveranstaltungen zu bearbeiten.

Rahmenbedingungen und Lösung

Es kann davon ausgegangen werden, dass nahezu alle Studierenden ein mobiles Endgerät besitzen – sei es ein Smartphone, ein Tablet oder ein Laptop. Viele bringen dieses mit an die Hochschule und nutzen es für ihr Studium: um Notizen zu Vorlesungen zu machen, mit ihren Kommilitonen zu kommunizieren, das Studium zu organisieren, Material zu recherchieren oder Studienarbeiten anzufertigen. Das BYOD-Konzept sieht vor, dass Studierende ihre mobilen Geräte auch in Lehrveranstaltungen einsetzen. Gedacht ist dabei an Szenarien, in denen der Lehrende Aufgaben stellt, die auf dem Privatgerät bearbeitet oder gelöst werden sollen.

Details

  • Voraussetzung für BYOD-Konzepte ist, dass alle Studierenden ein mobiles Endgerät besitzen. Hier stellt sich die Frage, ob davon ausgegangen werden darf, oder an alternative Lösungen für Personen, die kein mobiles Endgerät besitzen, gedacht werden muss. Möglich wäre es, auf Hochschulseite Leihgeräte zur Verfügung zu stellen oder den Erwerb von Geräten zu unterstützen (z.B. über Leasing).
  • Wird der Einsatz mobiler Geräte an der Hochschule gewünscht und praktiziert, werden auf Seiten der Studierenden Erwartungshaltungen geweckt, dass auch andere Angebote der Hochschule für die mobile Nutzung – unabhängig von Gerätetypen und Betriebssystemen – optimiert sind (z.B. Webseiten und Lernplattformen).
  • Um die Arbeit an mobilen Geräten auch außerhalb des Unterrichts zu unterstützen, sollten ausreichend Arbeitsplätze mit WLAN-Zugang und Stromanschlüssen vorhanden sein.
  • Die Bandbreite an mobilen Geräten, die Studierende nutzen, ist groß. Dennoch sollten gleiche Lernvorrausetzungen gewährleistet werden. Im Idealfall sollten die Aufgaben auf allen mobilen Geräten in gleicher Weise und mit gleichem Aufwand bearbeitet werden können. Die Installation einer neuen Anwendung auf dem Privatgerät sollte, wenn möglich, vermieden werden. Leichter ist es, webbasierte Tools zu nutzen. Optimal ist es, wenn ein vielfältiger Zugang zu Diensten ermöglicht wird, wie z.B. bei einem Klicker, der sich per SMS, App oder Online bedienen lässt. Erfahrungen dazu gibt es beim  Abstimmungssystem Polleverywhere.
  • Für die Lehrenden sollte die Hochschule leicht zugänglichen Support zur Verfügung stellen, der Hilfestellung bei der Auswahl der Tools gibt, die in einem BYOD-Szenario eingesetzt werden können. Außerdem sollte technische Hilfestellung verfügbar sein, falls doch auf einzelnen Geräten der Studierenden Probleme auftreten.

Stolpersteine

Die Nutzung von verschiedenen Privatgeräten im Lehrkontext birgt verschiedene Herausforderungen. Die Medientechnik der Hochschule muss die Sicherheitsrisiken beim BYOD-Konzept ins Auge fassen. Für Lehrende bleibt immer ein gewisses Restrisiko, ob die gewählte Anwendung auf allen Geräten reibungslos funktioniert. Falls nicht, wird von den Studierenden direkte Hilfestellung erwartet.

Vorteile

  • Für den Lehrenden bietet das BYOD den Vorteil, dass er neue mediengestützte Lehr-Lernformen ausprobieren kann, ohne sich um die Verfügbarkeit von Geräten kümmern zu müssen. Die Hochschule kann sich damit Anschaffungskosten sparen.
  • Die Studierenden kennen sich auf ihren Privatgeräten aus und können die private Arbeitsweise im Unterricht fortführen. Über die Geräte haben sie Zugriff auf ihre sozialen Kontakte und ihr Netzwerk und können auch dieses im Lernprozess nutzen (DINI, 2013).
  • Die Studierenden können, was im Unterricht ausprobiert wurde, leicht zu Hause fortführen oder wiederholen.

Nachteile

  • Studierende, die im Unterricht kein Gerät verfügbar haben, oder bei denen die Anwendung auf dem eigenen Gerät nicht funktioniert, sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Das kann bei den Betroffenen zu Frustration führen.
  • Lehrende sehen sich beim BYOD-Konzept mit vielen verschiedenen Endgeräten konfrontiert, mit deren Bedienung sie sich nicht auskennen.
  • Für Lehrende ist es schwierig einzuschätzen, ob die von ihnen präferierten Werkzeuge und digitalen Lehr-/Lernangebote auf allen Geräten gleichermaßen angezeigt und genutzt werden können.
  • Mit der Nutzung von privaten Geräten im Netzwerk der Hochschule gehen IT-spezifische Risiken einher. Die Sicherheit für die privaten Geräte, aber auch das Hochschulnetzwerk sollte bestmöglich sichergestellt werden. Im Hinblick auf die Sicherung von Privatgeräten können nur Empfehlungen (z.B. für Virenschutzprogramme) gegeben, aber keine Vorgaben durchgesetzt werden.
  • Über die privaten Geräte können Studierende während des Unterrichts leicht auf Anwendungen zugreifen, die vom Lernen ablenken können, wie soziale Netzwerke, Spiele und andere Internetangebote.

Beispiele

  • Die an der TU Graz eingesetzten Interaktionssysteme sind nicht an Gruppengrößen gebunden und können auf allen internetfähigen Endgeräten eingesetzt werden. Das Tool Backchannel ermöglicht es Studierenden anonymisiert vor Ort Lehrenden laufend ein Stimmungsbild über die stattfindende Veranstaltung zu geben . Über realfeedback.tugraz.at können Lehrende (vorbereitete) Fragen mit Antwortmöglichkeiten an ihr Auditorium stellen, die anonymisierten Antworten sofort anzeigen und gegebenenfalls auch speichern. Die Entwicklung LIVE fördert durch gezielte, teils automatisierte Interaktionsaufforderungen die Aufmerksamkeit von Studierenden, die via Live-Streaming einer vortragenden Person folgen.
  • Beim Klicker Polleverywhere wird ein vielfältiger Zugang ermöglicht. Erfahrungen beschreibt ein Artikel der englischen E-Learning-Organisation ALT.
  • Um das Problem des Datenschutzes zu lösen, bietet sich wie an der Uni Münster praktiziert, eine Desktopvirtualisierung (VDI) an. Hierbei wird jedem Anwender eine individuelle Systemumgebung bereitgestellt, die sich wie ein lokaler Computer verhält. Das private Gerät (z. B. Tablet) dient nur als Anzeigegerät, die Daten liegen sicher auf einem Server. Auch die Jade Hochschule stellt ihren Mitarbeiter/innen einen virtuellen Desktop zur Verfügung über den unabhängig von Zeit, Ort und Raum auf das PC-Verbundsystem der Jade Hochschule zugreifen, alle auf dem Campus angebotenen und lizensierten Software Produkte nutzen können und eine vom Endgerät unabhängige Arbeitsumgebung vorfinden.
  • Um Sicherheitslücken bei BYOD-Konzepten zu schließen bietet das Rechenzentrum der Hochschule Augsburg Studierenden die Installation einer Antivirus-Software an. Die Hochschule Meseburg empfiehlt ein frei verfügbares Virenschutzprogramm.

Weitere Informationen

  • Eine DFN-Veröffentlichung thematisiert rechtliche Probleme von BYOD und gibt Handlungsempfehlungen.
  • In zehn Kurzvideos beantwortet die Seite pb21 der Bundeszentrale für politische Bildung die wichtigsten Fragen zu BYOD (hier im Schulkontext).
  • Die Hochschule Worms hat unter Studierenden und Mitarbeiter/innen eine Umfrage zum Thema BYOD durchgeführt. Der Fragebogen und die Ergebnisse sind online zugänglich.
  • Im Blog zum Thema BYOD der TU München werden Informationen, BYOD-Anwendungsbeispiele und geeignete Tools vorgestellt und diskutiert.
  • Projekterfahrungen mit BYOD im Schulkontext beschreibt die Seite des Projekts School IT Rhein Waal der Universität Duisburg-Essen.
Letzte Änderung: 08.03.2016
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