Veranstaltungsplanung

Jedes Seminar oder Projekt, in dem forschend gelernt werden soll, beginnt mit der Veranstaltungsplanung. Die Orientierung am Forschungszyklus kann bei der Gestaltung des organisatorischen und zeitlichen Rahmens Klarheit bringen.

Wer forschendes Lernen in einer Lehrveranstaltung umsetzen will, kann sich bei der Planung an typischen Phasen des Forschungszyklus orientieren. Je nach Disziplin sind einzelne Phasen durchaus unterschiedlich ausgeprägt; zudem gibt es je nach Verlauf des Forschungsprozesses Sprünge (versus lineare Abfolge). Im Großen und Ganzen aber bietet der Forschungszyklus eine gute Möglichkeit, um etwa Ressourcen und Zeiten zu planen, die bei einem Forschungsvorhaben etwa im Verlauf eines Semesters erforderlich sind. Der Forschungszyklus ist folglich der Rahmen, den es nun fachspezifisch auszugestalten gilt.

Phasen eines Forschungsprozesses
Abb. 2: Phasen eines Forschungsprozesses (Huber & Reinmann 2019: S. 92), © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Obschon mit der Definition forschenden Lernens festzustehen scheint, was zu tun ist bei der Planung einer Lehrveranstaltung, gibt es doch noch zahlreiche didaktische Gestaltungsspielräume: Zu entscheiden ist, wie viel und welche Unterstützung Studierende an welchen Stellen erhalten sollen, wie man Projektgruppen zusammensetzt, welche inhaltlichen Grenzen gesteckt werden (oder auch nicht) und in welcher Form digitale Medien wofür genau zum Einsatz kommen sollen.

Für die Planung ist die Zielgruppe von besonderer Bedeutung. Handelt es sich um Studienanfänger_innen, die gerade erst das Methoden-Pflichtmodul absolviert haben, oder um Masterstudierende, die bereits für ihre Bachelorarbeit geforscht haben? Handelt es sich um eine homogene Gruppe oder nehmen Studierende aus verschiedenen Semestern mit unterschiedlichen Vorkenntnissen teil? Handelt es sich um eine fachwissenschaftliche oder interdisziplinär zusammengesetzte Gruppe? Je nach Antwort auf diese Fragen, können und müssen die Antworten unterschiedlich ausfallen (vgl. Huber & Reinmann 2019: S. 171 ff.).

Auf Lehrende kommt beim forschenden Lernen die große Herausforderung zu, zwei Dinge in Balance zu halten: Sie müssen ein Lehreangebot zum forschenden Lernen auf der einen Seite sehr gut planen (z.B. orientiert am Forschungszyklus), ggf. Forschungsphasen organisieren, mögliche Schwierigkeiten vorwegnehmend simulieren und vorbereitet sein. Auf der anderen Seite nehmen sie im Prozess selbst vor allem eine anregende und begleitende Rolle ein und müssen damit rechnen, trotz aller Planung auf viele Unwägbarkeiten zu stoßen, mit denen sie flexibel umzugehen haben. Motivierung, Feedback und bedarfsgerechte Unterstützung spielen eine wichtige Rolle (Sonntag et al. 2016: S. 21).

Weitere Informationen

  • Bei der Veranstaltungsplanung kann das digitale Doppelradmodell helfen: Dabei handelt es sich um ein Werkzeug, mithilfe dessen die eigenen didaktischen Entscheidungen etwa bezogen auf die Autonomie- bzw. Freiheitsgrade auf Lehrenden- und auf Studierendenebene bestimmt und reflektiert werden können.
  • Eine Sammlung mit vielen Lehrmustern speziell zum forschenden Lernen gibt es von der Ruhr-Universität Bochum
Die Texte zur Rubrik "Forschendes Lernen" wurden durch das Projektteam von FideS erstellt - herzlichen Dank für diesen Gastbeitrag! Das Verbundprojekt FideS (2015 bis 2018) untersuchte im Rahmen der Begleitforschung zum „Qualitätspakt Lehre“ Umsetzungsformen und Gelingensbedingungen von Forschungsorientierung in der Studieneingangsphase. Im weiterführenden Projekt FideS-Transfer (bis 2020) werden Ergebnisse aus der ersten Projektphase für die Community einfach zugänglich gemacht, u.a. durch die hier bereitgestellten Informationen, die im Dezember 2019 veröffentlicht wurden. Spätere Ergänzungen und Aktualisierungen erfolgen durch das Redaktionsteam von e-teaching.org.
Letzte Änderung: 08.01.2020

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