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Architektur virtueller Labore
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Sie möchten ein virtuelles Labor einrichten? Diese Vertiefung bietet Ihnen einen groben Überblick über die technischen Voraussetzungen.
3-Schichten-Architektur
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Die Studierenden sollten zur Nutzung virtueller Labore nur einen
Internetbrowser
benötigen. Als Grundlage für die leichte Handhabung
eignet sich besonders eine so genannte 3-Schichten-Architektur: Sie
besteht aus einem
Client
-Rechner – dem Arbeitsplatz des Studierenden – und einem
Applicationserver
sowie einer
Datenbank
im Rechenzentrum des Projekts. Der notwendige Datenbestand
ist in der Datenbank gespeichert. Stark vereinfacht funktioniert ein
virtuelles Experiment so, dass der Client – der Studierende – über das
Internet eine Anfrage an den Server stellt.
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Dieser führt nun unter Verwendung der Datenbank die erforderlichen
Berechnungen aus und meldet das Ergebnis an den Client zurück. Für die
Kommunikation zwischen den einzelnen Komponenten werden in der Regel
Protokolle,
Skripte
oder eine
Middleware
verwendet.
Einen speziellen Fall stellen die
remote
Labore dar, in denen sich reale Geräte über das Internet steuern
lassen. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Maschinen und Roboter über
geeignete
Schnittstellen
verfügen, um durch einen Server gesteuert zu werden.
Gegebenenfalls müssen sie nachgerüstet werden. Grundsätzlich ist es
sinnvoll, dass Sie die eigentlichen Inhalte von der technischen Umgebung
getrennt halten. Das ermöglicht zum Beispiel der Dokumentenstandard
XML. Dieses Verfahren erleichtert die Nachnutzung der technischen
Architektur von anderen Autoren wie auch anderer Fachbereiche. Deshalb
stellt sich in diesem Zusammenhang außerdem die Frage: Kaufen oder selbst
Entwickeln?
Beispiele
Mittel für die technische Umsetzung
In der Praxis gibt es eine Vielzahl technischer Lösungen zur Einrichtung
virtueller Labore. Sie entspricht nahezu der Zahl an fachspezifischen
Fragestellungen, denen in Laboren nachgegangen wird. Im Folgenden finden Sie
einige Komponenten und Werkzeuge, die in der Entwicklung häufig eingesetzt
werden:
-
Webserver
: Als Standard-Webserver dient häufig ein
Apache. Für einige Laboranwendungen kann ein
FTP
-Server erforderlich sein.
-
Editor
: Ein Editor ist für die Entwicklung eines Labors
unabdingbar.
-
Datenbank
: Für die Verwaltung der Datenbestände können Sie
beispielsweise das
Open-Source-Produkt
MySQL
verwenden. Alternativ können Sie
XML
für die
Datenhaltung einsetzen.
-
XML
: Lehrmaterialien verfügen über verschiedene Formate (XHTML,
HTML,
PDF, DOC). Sie können ebenfalls die Dokumentenbeschreibungssprache XML
nutzen, um alle notwendigen Dateien aus einer Quelle zu generieren.
-
CMS
: Ein Content-Management-System erleichtert
die Erstellung, Wiederverwertbarkeit, Organisation und Pflege von
Inhalten.
-
Java
: Mit der Programmiersprache Java erstellte Programme lassen sich
als
Applet
leicht in Internetbrowser einbinden. Java ist an Hochschulen
und in der Industrie weit verbreitet. Über ein
Servlet
ermöglicht sie die dynamische Generierung von Webseiten
entsprechend den Eingaben der Studierenden.
-
Skriptsprachen
: Mit
PHP
lassen sich datenbankgestützte, dynamische Webseiten erzeugen, mit
Perl
zum Beispiel
CGI
-Skripte für virtuelle Testate.
-
Autorenwerkzeuge
:
Interaktive,
animierte
Übungen lassen sich mit so genannten
Autorenwerkzeugen erstellen. Bekannte Beispiele sind
Macromedia Direktor/Shockwave
oder
Flash.
-
Grafikprogramme: Für die Erstellung wie Bearbeitung digitaler Grafiken
und Bilder benötigen Sie spezielle Programme. Eine Auswahl finden Sie in
der Rubrik
Produkte.
-
Webcams
: Zur Beobachtung
telematischer
Versuche werden steuerbare Kameras eingesetzt. Sie
übermitteln die reale Laborsituation an den Nutzer. Hierfür gibt es
spezielle, kommerzielle Softwares. Ein Beispiel ist Webcam32.
-
Streaming
-Technologien: Für Audio- und Videoübertragungen muss das
vorhandene Material digitalisiert werden. Sie haben die Wahl, ob Sie Ton
und Video als
Download
oder
Stream
anbieten. Für
Letzteres brauchen Sie zusätzlich einen Streaming-Media-Server.
-
Groupware: Möglichkeiten für den Austausch mit den Studierenden müssen
implementiert werden. Dafür eignen sich Videokonferenzen,
Chat,
E-Mail,
Diskussionsforen, schwarze Bretter,
Mailinglisten,
Newsgroups
oder ein
Whiteboard. Shared Workspaces wie
BSCW
schaffen das Umfeld für eine angeschlossene Lernumgebung und
kooperative Arbeitsszenarien.
-
(W-)LAN
: Um den Studierenden jederzeit den komplikationslosen Zugang
zu virtuellen Versuchen gewähren zu können, sollte die Hochschule mit
einem leistungsfähigen (W-)LAN ausgestattet sein. In diesem Zusammenhang
wirken Innovationen nicht selten als Katalysator für die gesamte
IT-Struktur einer Einrichtung.
-
Fachspezifische Software: Virtuelle Labore sollten sich an
existierenden Strukturen orientieren. Wenn Sie fachspezifische Softwares
einsetzen, verwenden Sie am besten Produkte, die mit der späteren
Arbeitswelt von Wissenschaftlern und Ingenieuren korrespondieren. Dies
macht die Studierenden bereits während der Ausbildung mit der Praxis
vertraut. In mathematisch ausgerichteten Bereichen kann es sich hierbei
zum Beispiel um
MAPLE
oder
MATLAB
handeln.
Weitere Hinweise zu technischen Aspekten bei der Entwicklung virtueller
Lernumgebungen finden Sie in der Rubrik Mediengestaltung unter
Aufbereitung. Über diverse Software-Lösungen – auch
lizenz- und kostenfrei – informieren Sie die
Produktsteckbriefe.
Technik auf Seiten der Studierenden
Laborexperimente sind die Basis für eine praxisorientierte Ausbildung im
Fachbereich. Deshalb sollten Sie den Zugang zu virtuellen Versuchen für die
Studierenden so einfach wie möglich gestalten. Neben einem aktuellen
Internetbrowser
sollte ein Computer mit Standardausstattung zur Nutzung
ausreichen. In einzelnen Fällen kann jedoch die Installation kleinerer
Zusatzprogramme notwendig sein. Hierbei sollten Sie kostenlose Angebote
bevorzugen. In virtuellen Laboren werden häufig folgende Produkte verwendet,
weil sie sich schnell über die Homepage des Anbieters herunterladen
lassen.
-
Java Runtime Environment
: Die Ausführung von
Java-Applets
ist nur mit einem Java Runtime Environment (JRE) möglich.
Die meisten Webbrowser haben bereits ein JRE an Bord.
-
Player:
Animationen,
Simulationen, Ton- und Videodokumente erfordern spezielle
Abspielprogramme.
Quick-Time
ist ein Beispiel für Multimedia-Formate. Für Tondokumente
sind der
RealMedia
-Player oder der Media-Player von Windows weit verbreitete
Anwendungen.
-
Plug-In
: Plug-Ins erweitern Internetbrowser um zusätzliche
Funktionen. Zum Abspielen von
Flash
-,
Shockwave
- oder
VRML
-Dateien müssen gesonderte Plug-Ins installiert werden.
-
PDF
: PDF-Dateien können mit dem kostenlos erhältlichen
Acrobat Reader
geöffnet werden.
-
Sonstiges:
JavaScript
und
Cookies
sollten aktiviert sein.
Gestaltungstipps
Damit virtuelle Labore als Lernanreiz und Motivationsschub funktionieren,
sind einige gestalterische Gesichtspunkte zu beachten:
- Gliedern Sie die
Webseite
des Labors klar und
verständlich. Benötigen die Studierenden zur Nutzung zusätzliche
Komponenten, geben Sie diese idealerweise gleich mit dem entsprechenden
Download
-Link an. So verschwenden die Studierenden keine
kognitiven Ressourcen auf die Orientierung.
-
Wenn Sie mehrere Module anbieten oder die Umgebung sehr komplex ist,
halten Sie Design und
Navigation
einheitlich. Das sorgt für
Transparenz. Der Widererkennungseffekt unterstützt ferner den ökonomischen
Einstieg in die weiteren Module.
-
Im Gegensatz zum Präsenzlabor ist in virtuellen Laboren das
Lehrpersonal nicht direkt ansprechbar. Daher sollten Sie umfassende,
didaktisch aufbereitete Lehrmaterialien über das Internet zur Verfügung
stellen. Das kostet zwar mehr Zeit in der Vorbereitung, rentiert sich aber
letztendlich durch die Lernerfolge.
-
Überprüfen Sie, ob die Länge der Texte angemessen ist und ob sie leicht
zu erschließen sind. Achten Sie darauf, dass die Termini eindeutig sind
und der Sprachstil durchgehalten wird.
Letzte Änderung:
28.02.2008
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