Bei der Bildschirmaufzeichnung (Sreencasts) werden die am Rechner
ausgeführten Operationen und Arbeitsschritte von einer speziellen
Aufnahmesoftware aufgezeichnet. Die Aufnahmen können anschließend im
Internet oder auf einem Datenträger verteilt werden. Grundsätzlich ist
zwischen zwei verschiedenen Verfahren zur Bildschirmaufzeichnung zu
unterscheiden, der kontinuierlichen und der gesteuerten
Bildschirmaufnahme.
Kontinuierliche Bildschirmaufnahme
Bei der kontinuierlichen Bildschirmaufnahme wird der gesamte
Bildschirm, ein Fenster oder ein definierter Ausschnitt fortlaufend
aufgenommen, d.h. jede Änderung am Bildschirm wird erfasst. Diese
Vorgehensweise ist vor allem dann wichtig, wenn Objekte oder Fenster am
Bildschirm bewegt werden. Bei der kontinuierlichen Aufnahme entstehen
allerdings sehr große Datenmengen. Wenn die Bildschirmaufnahmen
anschließend im Netz zur Verfügung gestellt werden sollen, kann es zu
langen Ladezeiten oder Engpässen in der Datenübertragung kommen. Web
2.0-Dienste zum Hochladen von Videodateien verkleinern zudem die
Auflösung und reduzieren die Darstellungsqualität, um kleinere
Dateigrößen zu erhalten. Der Qualitätsverlust kann kritisch sein, wenn z.B. eingegebene Zeichen nicht mehr entzifferbar
sind. Kommerzielle Anbieter, die auf hochwertige Qualität setzen,
bieten ihre Videoschulungen daher meist auf einer DVD an. Verschiedene
Hersteller vertreiben Video-Schulungen für die meisten
Standardsoftwareanwendungen wie
Photoshop
oder
PowerPoint.
Bei der Aufnahme kann eingestellt werden, wie viele Bilder pro Sekunde
aufgezeichnet werden sollen. Je mehr Bilder aufgezeichnet werden, umso
größer wird die anfallenden Datenmenge. Außer des Bildschirms kann auch
Ton aufgenommen werden und zwar sowohl Originalgeräusche der
Anwendungen wie auch ein gesprochener Kommentar. Dies macht die
Produktion sehr schnell und unkompliziert, da ein nachträgliches
Vertonen nicht zwingend nötig ist. Die
Schulungseinheiten lassen sich in einzelne Kapitel aufteilen,
die bequem nacheinander angesteuert werden können. Ein Wechsel zwischen
Anschauen der demonstrierten Funktionen und eigenem Ausprobieren ist
daher leicht möglich.
Einzelne Aufnahmen sollten nicht
länger als 3-5 Minuten dauern, damit die einzelnen Abschnitte leichter
von den Studierenden angesteuert werden können. Bei kurzen
Aufnahmezeiten ist es auch weniger problematisch, eine misslungene
Aufnahme zu wiederholen.
Für die Produktion eigener Video-Schulungen gibt es verschiedene Softwarepakete:
Gesteuerte Bildschirmaufnahme
Bei diesem Aufnahmeverfahren wird stets nur ein einzelnes Bild vom
Bildschirm aufgenommen. In der Regel wird eine bestimmte Taste auf der
Tastatur mit der Aufnahmefunktion belegt. Da sehr viel weniger Bilder
aufgezeichnet werden, reduziert sich die Datenmenge enorm, was vor
allem für eine Verbreitung über das Netz wichtig ist. Die einzelnen
Bildschirme werden zudem in hoher Auflösungsqualität aufgezeichnet, so
dass Details erhalten bleiben. Da die Aufnahme nicht kontinuierlich
erfolgt, können Sie auch kurze Pausen, die später nicht mehr bemerkt
werden, bei der Bedienung einlegen. Durch das Aufnehmen einzelner
Bildschirme werden zudem automatisch Sprungmarken zum vorwärts und
rückwärts Blättern innerhalb der Aufzeichnung eingebaut. Bei der
Wiedergabe der Bildschirmaufnahme wird die Bewegung des Mauszeigers
simuliert. Daher bewegt sich der Zeiger ruhig und gleichmäßig. Der
Zeiger wackelt auch nicht wenn er an einer Stelle stehen bleibt.
Bewegungsabläufe von Fenstern oder animierte Bildschirminhalte werden
allerdings nicht erfasst. Diese Aufzeichnungsart eignet sich daher
insbesondere für die Demonstration von Programmen oder Webseiten, auf
denen nur Formulardaten ausgefüllt werden müssen. Auch für die
Produktion dieser Aufnahmen gibt es verschiedene Anbieter:
Einzelne Softwareprodukte unterstützen einen Wechsel zwischen
gesteuerter und kontinuierlicher Bildschirmaufnahme. Die
aufgezeichneten Abläufe können in der Regel nachträglich mit
Audiokommentaren versehen werden.
Anreicherung der Bildschirmaufnahmen
Sowohl bei der kontinuierlichen wie auch bei der gesteuerten Aufnahme
des Bildschirms können nachträglich Annotationen auf dem Bildschirm
vorgenommen werden.
- Einzelne Bereiche oder Datenfelder können durch
Kästchen umrahmt und hervorgehoben werden, um so die Aufmerksamkeit des
Betrachters zu lenken.
- Über Sprechblasen können zudem zusätzliche
Kommentare und Informationen eingeblendet werden. Sprechblasen können
sogar den Audiokommentar vollständig ersetzen, was in beiden Formen der
Aufzeichnung zu einer Reduktion der anfallenden Daten führt. Die
Kommentierung durch Sprechblasen erfordert außerdem keine geschulte
Sprecherstimme.
Die rhetorische Qualität der gesprochenen Kommentare
hat großen Einfluss darauf, wie angenehm ein Schulungsfilm erscheint.
Allerdings sollten Sie die Ansprüche auch nicht zu hoch setzen. Selbst
kommerzielle Schulungsfilme haben oft keine professionellen Sprecher.
Mit ein bisschen Übung und einem grob vorformulierten Text lassen sich
annehmbare Filme produzieren.
Die Produktion der Schulungsfilme ist
meistens schneller als die Erstellung gedruckter Schulungsmaterialien
oder Anleitungen. Auch die Demonstration per Video ist anschaulicher
als ein Handbuch. Nur das Nachschlagen von Funktionen oder
Befehlsübersichten sind nicht so einfach möglich.