LMS-Wechsel an der PHBern

Teil 1: Interview mit Sonia Coiro, Leiterin der „Medien und Informatik Grundausbildungen“ – eines Bereichs der Verwaltung der PHBern, welcher Dienstleistungen für alle Angehörigen der PH erbringt – und ILIAS-Administratorin an der PHBern
Sonia Coiro (PHBern)

Frau Coiro, Sie sind die zentrale Verantwortliche für ILIAS, das strategische LMS an Ihrer Hochschule. Die Migration von Moodle auf ILIAS haben Sie in Ihren damaligen Rollen als E-Learning Beraterin und Vorstandmitglied der Vereinigung der Assistierenden, also der Doktorandinnen und Doktoranden sowie der wissenschaftlichen Mitarbeitenden begleitet.

Wie haben Sie das Migrationsprojekt erlebt? Was ist ihnen positiv, was negativ in Erinnerung geblieben?

Sonia Coiro: Da sollte ich etwas ausholen. Die Vorgeschichte dazu ist, dass Moodle an der PHBern im Jahr 2007 auf Initiative verschiedener Early birds der Hochschule in Betrieb genommen wurde. Eine strategische Entscheidung für Moodle war an sich nie getroffen worden. Damit gab es weder eine konsistente Planung noch ein entsprechendes Budget für das LMS, so dass keine Ressourcen für Weiterentwicklung vorhanden waren.

ILIAS hingegen war eine strategische Entscheidung der PHBern mit allen positiven Konsequenzen wie beispielsweise das notwendige Budget, um die Entwicklung von Schnittstellen zum Hochschulverwaltungssystem umzusetzen oder dem darauf folgenden Entscheid, das LMS flächendecken in der Lehre einzusetzen.

Ich würde den Wechsel von Moodle auf ILIAS daher weniger als Migrationsprojekt bezeichnen. Aus meiner Sicht bedeutete der Wechsel eher, die Struktur des LMS für die PHBern vorzubereiten und, darauf aufbauend, ILIAS zu konfigurieren. Die Migration als solche, also die Daten von Moodle in ILIAS migrieren, beschränkte sich auf das Herunterladen der Daten von Moodle und das Hinaufladen in ILIAS oder das Verteilen der Inhalte in die verschiedenen Objekte. Dabei traten kaum technische Schwierigkeiten auf.

Die Befürchtung, dass man technisch gar nicht migrieren könne, hat sich insofern bewahrheitet, als dass unsere Mitarbeitenden einige Arbeiten manuell verrichtet haben. Der Aufwand hielt sich jedoch in Grenzen, da im Rahmen des Studienplanwechsels in Realität nur wenige Daten manuell übertragen werden mussten.

Der große Vorteil am Wechsel auf ILIAS für mich war, dass wir ja durch ein Unternehmen unterstützt wurden, das die Schnittstellen von den Systemen der PHBern zu ILIAS gebaut hat. Das hat den Dozierenden administrativen Aufwand erspart. Zudem war es ein wenig wie bei einem Umzug; viel Ballast konnte abgelegt werden, und mit dem neuen LMS sind wir dann in neuem Kleid leicht gestartet.

Können Sie eine positive und eine negative Erfahrung mit dem alten LMS Moodle vor der Umstellung auf Ihr neues LMS ILIAS beschreiben?

Sonia Coiro: Wir hatten früher keine finanziellen oder personellen Ressourcen für die Entwicklung von Moodle, darum hatten wir auch keine Möglichkeit, die Entwicklung mitzubestimmen. Außerdem war es schwierig, sich in der großen Moodle-Community einzubringen, oder sich zu orientieren, wer die Keyplayer sind, an die man sich halten kann. Diese Community ist so groß, dass ein einzelnes Institut sich gar nicht wirksam Gehör für eigene Anliegen und Anforderungen verschaffen kann.

In der ILIAS Community ist das insofern anders, als das Unternehmen, das uns betreut, dort ein wichtiger Player ist. Damit fliessen unsere Anliegen und Interessen hervorragend in die Community ein und es werden Dinge erreicht, die in unserem Interesse sind – so zum Beispiel die Weiterentwicklung der Data Collection, welche in die Core-Entwicklung fliesst. Das ist ein Vorteil, den wir mit Moodle nicht hatten.

An Moodle gefällt mir, dass standardmäßig vorgesehen ist, dass für die verschiedenen Aktivitäten wie zum Beispiel die Nutzung von Foren, Glossar oder Datenbank, die getrennte Nutzung für verschiedene Gruppen auf dem gleichen Objekt innerhalb eines Kurses einfach aktiviert werden kann. Mit ILIAS lassen sich diese Aktivitäten auch organisieren, jedoch braucht es dazu von den Dozierenden mehr Eigenleistung. Das heisst, für jede Gruppe eröffnen die Dozierenden einen eigenen Gruppenraum, in welchem sie dann die individuell benötigten Objekte erzeugen.

Gibt es Arbeitsschritte oder Tätigkeiten, die heute aufgrund des neuen LMS einfacher oder komplizierter sind als zuvor?

Sonia Coiro: Mit Moodle konnte in der Kursansicht bequem mit einem Klick die Sichtbarkeit der vorhandenen Objekte ein- und ausgeschaltet werden. Bei ILIAS erledigen wir das anhand mehrerer Klicks. Mit Moodle gab es standardmäßig kaum einen Weg, die Inhalte selber zu organisieren. Mit ILIAS hingegen hat man die Möglichkeit, dies unkompliziert und direkt auf dem Schreibtisch zu machen. Eine beträchtliche Vereinfachung brachte die Schnittstelle von ILIAS zum Verwaltungssystem, anhand welcher neue Kurse eingespielt und die Kursteilnehmenden wie auch die Dozierenden mühelos einem Kurs zugewiesen werden können. Damit ist das Bereitstellen neuer Kurse, wesentlich einfacher und schneller geworden. Überdies sparen die Dozierenden viel Zeit.

Der „Persönliche Schreibtisch“ im ILIAS der Pädagogischen Hochschule Bern

Worin sehen Sie die zentralen Vorteile beim Einsatz des neuen LMS in Ihrer heutigen Berufspraxis?

Sonia Coiro: Ein wertvoller Vorteil ist, dass wir nun bloß noch ein einziges LMS haben. Dass diese Vereinheitlichung einem Bedürfnis aller Beteiligten Nutzer des LMS entspricht, zeigen mir auch die vielen Rückmeldungen der Dozierenden unterschiedlichster Fachrichtungen. Diese erwähnen mir gegenüber oftmals, wie froh sie sind, dass sie nun nur noch mit einem zuverlässigen Tool arbeiten können. Außerdem ist das ILIAS-Design schlicht, angenehm fürs Auge, nicht verwirrend – das erhöht die Akzeptanz und Benutzerfreundlichkeit des Tools. ILIAS wird als LMS gerne und häufig verwendet. Positiv zu erwähnen ist ebenso, dass es auch die Studierenden schätzen, dass in allen Fächern das gleiche LMS eingesetzt wird. Schwieriger ist für sie, wenn nicht ausschließlich ILIAS, sondern obendrein noch andere Applikationen intensiv für die Lehre verwendet werden.

Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, dass ich als ILIAS-Administratorin der PHBern die Anforderungen der Hochschule an das LMS einbringen und umsetzen lassen kann, nämlich mit einem Auftrag an die Firma, die uns unterstützt oder an die ILIAS-Community. Damit brauchen wir Zusatzmodule, welche den Anforderungen der Hochschule entsprechen, nicht wie bei einem proprietären LMS zu erwerben und periodisch zu bezahlen. Mit ILIAS als Open-Source-Produkt kann die PHBern die Arbeiten, welche andere in das LMS stecken, mitnutzen. Gleichzeitig teilen wir unsere Arbeiten am LMS und stellen sie der Community zur Verfügung. Mit ILIAS profitiert die PHBern somit auch von den Vorteilen eines rein Open-Source-basierten Lernmanagementsystems.

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