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Open Educational Resources

Das Szenario das vorsieht, dass Lehrende und Lernende Materialien nach eigenem Gusto aus einem Katalog auswählen und kombinieren können, motiviert viele Forscher sich mit Open Educational Resources auseinanderzusetzen. Im folgenden Artikel sollen die wichtigsten Aspekte rund um die Produktion, den Austausch und die Wiederverwendung von Lehr-Lernmaterialien dargestellt werden.

Vom Austausch und der Wiederverwendung von Lehr-/Lernmaterialien erhofft man sich Zeitersparnis, die Vermeidung von Doppelentwicklungen sowie eine Unterstützung der Lehrenden und Studierenden bei der Materialverwaltung. Außerdem bietet die Veröffentlichung von Lehr-Lernmaterialien auch eine Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit: Für die Hochschule als Ganzes aber auch für den Lehrenden an sich. Insbesondere im Kontext des Lebenslangen Lernens besteht für Hochschulen die Möglichkeit über die freie Bereitstellung von Lernmaterialien Studierende auch noch als Alumni an sich zu binden.

Meilensteine der OER-Bewegung

Eine wichtige Rolle in der Diskussion um OER spielt der Begriff des „Open Content“. Dieser wurde 1998 von David Wiley geprägt. Dabei wurden die Prinzipien der Open Source Software Bewegung auf Inhalte übertragen, mit dem Ziel, auch für Inhalte ein Lizenzmodell zu entwerfen, das den freien Zugriff und die Bereitstellung regelt (Wiley, 2006). Die Bewegung, die die freie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Informationen – in der Regel Publikationen – im Internet vorantreibt, wird auch als Open Access Bewegung bezeichnet. Mehr zum Thema Open Access und Open Content.

Der Begriff OER wurde erstmals auf einem Forum der UNESCO 2002 diskutiert, bei dem es darum ging, vor allem für Entwicklungsländer den Zugang zu Bildung zu verbessern. Die UNESCO formulierte in diesem Zusammenhang als Ziel “the open provision of educational resources, enabled by information and communication technologies, for consultation, use and adaptation by a community of users for non-commercial purposes”. 2001 gründete das MIT die OpenCourseWare-Initiative, bei der erstmals eine Hochschule den freien Zugriff auf ihre Lehr- Lernressourcen gewährte. Allerdings bedeutet die Bezeichnung Open Educational Resources nicht immer, dass der freie und offene Zugang garantiert ist (Downes, 2007).

Definition von OER

Die Definition von OER wird viel diskutiert. Im Allgemeinen wird darunter digitalisiertes Lehr-/Lernmaterial verstanden, das im Internet zur freien Verfügung steht. Neben dem leichten Zugang zählt zur Offenheit der Lehr-/Lernmaterialien für manche auch, dass diese sich für verschiedene Lehr-/Lernzwecke eignen, geprüft wurden und erschwinglich sind (Daniel, 2006). Was als Lehr-/Lernmaterial bezeichnet werden darf, darüber gibt es bisher keine eindeutige Regelung. Ein Entscheidungskriterium kann sein, ob die bereit gestellten Materialien bereits in einem - formellen oder informellen - Lehr-/Lernkontext zum Einsatz kamen und sich somit in der Praxis bewährt haben (OECD, 2007).



Quelle: In Anlehnung an OECD, 2007, S. 31

Als OER können demnach ganz unterschiedliche Formen wie Kurse, Kursanwendungen, Kursmodule, aber auch (Hyper-)Textdateien, Bilder, Audio, Video, Simulationen usw. verstanden werden. Eingeschlossen sind auch Tools wie Lernmanagementsysteme oder Trainingsmaterialien zur Verwendung oder Qualitätssicherung von OERs. Insgesamt können OERs zum einen nach dem Materialientyp (Software, Publikationen, Kurse usw.) und zum anderen auf Grund ihrer Medienformate (Webseiten, CD-ROM usw.) unterschieden werden.

Im Kontext von Lernmaterialien werden Softwareanwendungen und Standards benötigt, die die Entwicklung, die Verwendung und Wiederverwendung der Lerninhalte unterstützen. OER sind für Menschen jeden Alters und aller Interessensgebiete denkbar: Dementsprechend groß sind auch die Unterschiede was den Inhalt, die Qualität und den Umfang betrifft. Ordnungssysteme und Richtlinien sind daher wichtig, um den Nutzern das Auffinden der passenden Ressource zu erleichtern.

Rechtliche Aspekte & Standardisierung

Der Verwaltung von OERs in Datenbanken (Repositories), Lernmanagementsystemen oder Communities stellt eine große Herausforderung dar und ist ein zentrales Problem der OER-Initiativen. Insbesondere scheuen viele den Zeitaufwand, der benötigt wird, um Material für die Aufnahme in eine Datenbank vorzubereiten. Zum einen muss eine Qualitätsprüfung nach festgelegten Kriterien stattfinden, zum Beispiel in Form eines Peer Review. Dazu gehört die Prüfung von Lehrmaterialien in Bezug auf Copyright-Verstöße bzw. das „Freikaufen“ von geschütztem Material. Innerhalb des MIT-Projekts zeigte sich allerdings, dass viele Autoren auf Geldzahlungen verzichten und es begrüßen, wenn im Netz auf ihre Materialien verwiesen wird. Allerdings kann es wie z.B. bei Hollywood-Filmen auch vorkommen, dass Material nicht frei gegeben wird (Baumgartner, 2006). Lizenzen regeln die freie Nutzung sowie - je nach Lizenz - auch die Bearbeitung und kommerzielle Wiederverwendung von Lerninhalten. Die meisten OER-Initiativen verwenden dabei die Creative-Commons-Lizenzen. (Mehr zum Thema Lizenzierung.)

Soll nicht nur die Wiederverwertung sondern auch die Bearbeitung der Lehr-/Lernmaterialien erlaubt werden, ist es notwendig, dass technische Formate verwendet werden, die die Bearbeitung erlauben bzw. erleichtern. Statt Flash und PDF sollte vielmehr auf Formate wie HTML, ODF, RTF oder SVG gesetzt werden (OECD, 2007).

Weiterhin kann die Verschlagwortung bzw. die Ausstattung des Lernmaterials mit Metadaten viel Zeit in Anspruch nehmen. Dieser Aufwand stellt ein zentrales Problem dar, für das die OER-Bewegung bis heute keine wirklich befriedigenden Lösungen anbieten kann.

Die Standardisierung von Lernobjekten wurde insbesondere vorangetrieben, um die Kosten zu reduzieren und eine Interoperabilität der Daten, Software und Dienste zu erreichen (Downes, 2007). Bereits seit 1994 wird die Standardisierung von sogenannten „ Learning Objects Metadata “ (LOM) diskutiert. Zu den bekanntesten Standards gehören ARIADNE, IMS, IEEE LTSC/ LOM und SCORM. Eine eigene Vertiefung zu zum Thema Learning Objects folgt.

Weitere Hürden

Die Frage der Finanzierung ist und bleibt auch eine entscheidende Hürde beim Aufbau und Betrieb von OER-Datenbanken. Auch die Angst vor kritischen Rückmeldungen kann ein Grund für die Zurückhaltung vieler Lehrender sein, Lehrmaterialien in OER-Datenbanken einzustellen, obwohl davon ausgegangen wird, dass sich mehr Transparenz im Bereich der Lehre auch positiv auf deren Qualität auswirkt (Wiley, 2006).

One size doesn’t fit all

Lehre ist weit mehr als die Bereitstellung eines Materialpools. Von Lehrenden und Lernenden erfordert die Auswahl von Materialien in besonderem Maße Medienkompetenz und im Speziellen die Kompetenz zur Auswahl und kritischen Beurteilung. Dabei muss beachtet werden, dass sich die Potenziale von Lernressourcen erst im passenden Kontext entfalten können, der Kommunikation und Interaktion mit einschließt (Wiley, 2006). Wichtig ist das Lernszenario innerhalb dessen die OER zur Anwendung kommt sowie das didaktische Design, in das die Lerneinheiten eingebettet werden. Eine besondere Herausforderung birgt der internationale Austausch von Lernressourcen der u. a. eine Übersetzung voraussetzt. Hierbei werden insbesondere auch kulturelle Unterschiede sichtbar werden. Die Wiederverwendung von Lerninhalten muss daher mit einer Rekontextualisierung einhergehen.
Auch in Bezug auf eine nachhaltige Qualitätssicherung muss einiges beachtet werden. Die Nachhaltigkeit kann in diesem Kontext als gleichbedeutend für die Wiederverwendbarkeit der Lernressource gesetzt werden. Dies hängt zum einen von technischen Faktoren, zum anderen von der Art des Inhalts ab. Die Anpassung des Lernmaterials und somit die Überprüfung der Datenbanken gestaltet sich demnach nicht trivial. Eine Form der Qualitätssicherung ist die Bereitstellung von Bewertungs- und Kommentierungsfunktionen für die Nutzer (Downes, 2007).

Offene Bildung im Web 2.0

Die OER-Bewegung erhält durch die Entwicklungen im Kontext des Web 2.0 neuen Antrieb und Aufschwung (Geser, 2007). Bei vielen Social Software Anwendungen steht die freie Nutzung sowie die Publikation von freien Inhalten im Vordergrund. Anwendungen wie Wikis und Weblogs machen eine schnelle und unbürokratische Veröffentlichung sowie die Wiederverwertung und Verknüpfung mit anderen Quellen einfach. RSS und ATOM erleichtern die Auffindbarkeit neuer Ressourcen im Netz. Podcasting, Screencasting und Videocasting ermöglichen die einfache und unkomplizierte Herstellung kleiner Lerneinheiten im Audio- oder Video-Format (Wiley, 2006).

OER bereitstellen

Jede OER-Bewegung braucht eine Community. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass sich gerade einmal 10% aktiv beteiligen, also im Falle von OER-Datenbanken Inhalte beisteuern (OLCOS, 2007). Die Motivation digitale Lehr-/Lernmaterialien anderen bereit zu stellen besteht in der Erwartung, dass sie von diesen genutzt oder sogar modifiziert und verbessert werden (Larsen & Vincent-Lancrin, 2005). Neben dieser Motivation bieten sich auch andere Anreize an, zum Beispiel indem Wertschätzung sichtbar gemacht wird oder Mitgliedern einer OER-Datenbank - je nach Aktivität - verschiedene Rollen zugeordnet werden. Um neue aktive Mitglieder zu gewinnen muss zum einen ein freier Blick auf die verfügbaren Ressourcen gewährt werden und zum anderen regelmäßig über neue Ressourcen informiert werden (z. B. durch Newsletter, RSS, E-Mail usw.)

Viele OER-Projekte starten Bottom-Up - zum Beispiel im Rahmen einer Fakultät - und nicht etwa auf Grund einer Vorgabe von Seiten der Hochschulleitung. Die Sammlung und Verwaltung von OER wird auf verschiedenen Ebenen realisiert. Lesen Sie mehr über OER-Datenbanken.

Weitere Informationen:
  • "Welcome to a worldwide learning network" so lädt die Seite http://oercommons.org/ Lehrende ein, die dort abgelegten Lehr-/Lernmaterialien zu nutzen. Die Seite wird redaktionell betreut vom "Institute for the Study of Knowledge Management in Education (IKSME)" und gefördert von der William and Flora Hewlett Foundation. Das Projekt arbeitet mit vielen internationalen Partnern zusammen.
  • eduCommons ist ein Content Management System, das die Erstellung von OER-Datenbanken erleichtern soll.
Initiativen, die die OER-Bewegung tragen und unterstützen:
  • Open E-Learning Content Observatory Services (OLCOS) Projekt
  • Im OpenCourseWare Consortium arbeiten über 100 Hochschulinstitutionen zusammen und stellen eine große Sammlung von Lehr-/Lernmaterialien zur Verfügung.

Letzte Änderung: 04.03.2008


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