Newsletter 58 | Mai 2026
Liebe e-teaching.org-Community,
in meinem (schon recht lange zurückliegenden) Studium fand die Lehre eigentlich immer in klassischen Formaten wie „frontalen“ Vorlesungen oder Seminaren mit studentischen Referaten statt. Auf e-teaching.org geht es uns darum zu zeigen, dass Lernen – und Lehren! – auch anders geht. Dabei spielen neben digitalen Medien auch andere Aspekte eine wichtige Rolle. Solche Faktoren möchten wir in unserer dreiteiligen Online-Eventreihe im Juni etwas genauer betrachten.
Mit diesem Newsletter möchte ich herzlich zu den Veranstaltungen einladen. Zum Auftakt geht es am 1. Juni um 14 Uhr um „Lernen durch Projekte: Hochschullehre aktivierend gestalten“. Zu Beginn wird Franziska Preiß (HS Ravensburg-Weingarten) einen Überblick über die bildungswissenschaftliche Verortung projektorientierter Lehre sowie zentrale Strukturierungsansätze geben; anschließend veranschaulicht Prof. Dr. Thomas Glogowski (ebenfalls HS Ravensburg-Weingarten) anhand von Praxisbeispielen, wie der Ansatz das Lernen – und Lehren – verändert. Weitere Infos zu diesem und den weiteren Online-Events finden Sie im Newsletter und natürlich auch auf e-teaching.org.
Seit Ende März gibt es bei e-teaching.org einige Veränderungen. Mit dem Auslaufen mehrerer Projekte stehen bei uns aktuell einige Umstrukturierungen an; leider mussten wir auch Abschied von zwei Kolleginnen nehmen. Auf diesem Weg noch einmal sehr herzlichen Dank an Mareike Kehrer und Simone Mbak für ihre langjährige ideenreiche und fundierte Mitgestaltung unseres Portals – und viel Freude und Erfolg bei Euren neuen Tätigkeiten! Zugleich freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit unserem neuen Kollegen Marcus Müller, der am 15. Mai bei uns angefangen hat und sich im Newsletter kurz vorstellt.
Außerdem sind wir gespannt auf die Entwicklungen im Projekt AIS (Adaptives Intelligentes System), in dem seit November 2025 eine digitale, KI-gestützte Lehr- und Lernumgebung für die allgemeinbildenden Schulen in Deutschland entwickelt wird. Zwei Kolleginnen aus unserer Arbeitsgruppe sind seit April in diesem Projekt beschäftigt. Im Newsletter berichten sie darüber, wie sie unterschiedliche Zielgruppen in die Diskussion über die geplante Plattform einbeziehen wollen.
Darüber hinaus gibt der Newsletter einen Überblick über neue Portalinhalte und stellt aktuelle Entwicklungen in der Community vor, z. B. im Interview mit Dr. Ivo van den Berk von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre zum im März eröffneten „Transferkiosk“.
Wir wünschen Ihnen viele Anregungen bei der Lektüre!
Anne Thillosen
1 Einladung zur Eventreihe „Perspektiven und Methoden – digitale Medien in der Lehre“
Auch in diesem Sommersemester gibt es auf e-teaching.org wieder eine Online-Eventreihe, zu der wir herzlich einladen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie neue Methoden die Perspektive verändern: Was bedeutet es beispielsweise für die Durchführung von Lehrveranstaltungen, wenn anhand von Projekten gelernt wird? Oder: Was verbirgt sich hinter dem Raumkonzept SCALE‑UP? Wie wirkt sich eine veränderte Raumgestaltung auf das Lehren und Lernen aus? Last but not least geht es darum, wie eine Betrachtung aus wissenschaftssoziologischer Perspektive dazu beitragen kann, die Gründe dafür zu verstehen, warum manche Lehrende trotz vielfältiger Unterstützungsangebote kaum digitale Medien in der Lehre einsetzen – und andere Vorreiterrollen einnehmen.
Montag, 1. Juni 2026, 14-15 Uhr
Lernen durch Projekte: Hochschullehre aktivierend gestalten
Projektorientierte Lehre gilt als ein zentrales Element einer studierendenzentrierten Hochschuldidaktik und unterstützt den „Shift from Teaching to Learning“ hin zu selbstgesteuerten, handlungsorientierten Lernprozessen. Zu Beginn des Online-Events gibt Franziska Preiß einen Überblick über die bildungswissenschaftliche Verortung projektorientierter Lehre sowie zentrale Strukturierungsansätze; anschließend veranschaulicht Prof. Dr. Thomas Glogowski anhand von Praxisbeispielen, wie der Ansatz das Lernen – und Lehren – verändert.
Montag, 15. Juni 2026, 14-15 Uhr
Digitalisierung im Lehralltag – Handlungslogiken Lehrender verstehen
Digitale Hochschullehre zu verstehen und zu gestalten – das ist ein zentraler Anspruch von Personen, die professionell in der Hochschuldidaktik, Medienpädagogik und ähnlichen Bereichen arbeiten. Doch oft scheinen sich Lehrende und Hochschulentwicklung in parallelen Praxiswelten zu bewegen, die nur punktuell ineinandergreifen. Im Online-Event greift Dr. Aline Bergert (TU Dresden) diese Spannung auf und zeigt anhand empirischer Daten, wie Digitalisierung im Lehralltag entsteht und welche Muster das Handeln von Lehrpersonen prägen.

Dienstag, 30. Juni 2026, 14-15.30 Uhr
SCALE-UP – Lehren und Lernen und der Raum hilft mit
Das Lernraum- und Lehrkonzept SCALE-UP unterstützt aktivierendes und kooperatives Lernen in Hochschulveranstaltungen. In dem anderthalbstündigen Online-Workshop lernen die Teilnehmenden das SCALE-UP-Konzept, dessen Gelingensbedingungen und die konkreten Erfahrungen zweier Lehrender unterschiedlicher Hochschulen – Prof. Dr. Claudia Schäfle von der TH Rosenheim und Prof. Dr. Peter Riegler von der Ostfalia Hochschule – kennen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit zum Austausch über die Raumgestaltung und geeignete Aktivitäten für studentisches Lernen.
Alle Veranstaltungen der Reihe sind wie immer kostenfrei und ohne vorherige Anmeldung zugänglich. Für die Teilnahme an unseren Online-Events können Sie sich auch in diesem Sommersemester ein e-teaching.org Open Badge als Teilnahmebestätigung ausstellen lassen.
2 Neu im Portal
Seit dem vergangenen Herbst sind auf dem Portal zahlreiche neue Inhalte erschienen, insbesondere im Rahmen des Themenspecials „Curriculumentwicklung“. Aber auch darüber hinaus wurden weitere anregende Beiträge veröffentlicht, etwa neue Grundlagentexte und Praxisbeispiele, die wir im Folgenden vorstellen möchten.
2.1 Rückblick auf das Themenspecial „Curriculumentwicklung“
Von November 2025 bis Mai 2026 ging es im e-teaching.org-Themenspecial um „Curriculumentwicklung: Konzepte, Tools & Trends“. Dabei wurden sowohl grundsätzliche Fragen aufgegriffen als auch neue Entwicklungen in diesem Feld betrachtet. Im Fokus stand jedoch die Frage, wie die mit der Neu- oder Weiterentwicklung von Curricula verbundenen Prozesse gestaltet werden können, wer daran beteiligt ist – und was die aktuellen Veränderungen für den Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre bedeuten.
Das Special wurde in Kooperation mit dem Editorial Board der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e. V. (GMW) geplant. Herzlichen Dank an Dr. Reinhard Bauer (PH Wien) und Dr. Benno Volk (ETH Zürich) für die konstruktive Zusammenarbeit!
Das Thema Curriculumentwicklung stand im deutschsprachigen Raum lange eher im Hintergrund und gewann erst an Bedeutung, als mit der transnationalen Bologna-Reform seit 1999 im gesamten europäischen Hochschulraum umfassende Veränderungen der Studiengänge angestoßen wurden. Dabei ist den Beteiligten häufig nicht bewusst, wie stark das Verständnis von Curriculum von traditionellen kulturellen Unterschieden geprägt ist. Zugleich wird Curriculumentwicklung an vielen Hochschulen inzwischen als strategische Gestaltungsaufgabe und Instrument zur Profilbildung betrachtet und es haben sich Verfahren herausgebildet, die die Gestaltung dieses multidimensionalen und partizipativen Prozesses unterstützen. Im Themenspecial wurden viele dieser Aspekte aufgegriffen, grundsätzlich erklärt und anhand von praktischen Beispielen veranschaulicht.
Einen guten Überblick gibt die begleitende fünfteilige Online-Veranstaltungsreihe. Die Aufzeichnungen aller Events stehen auf e-teaching.org dauerhaft online zur Verfügung:
- Curriculumentwicklung: Einführung in das Themenfeld mit Prof. Dr. Tobias Jenert (Univ. Paderborn) und HS-Prof. Dr. Klaus Himpsl-Gutermann (PH Wien)
- Future Skills und Kompetenzen im Curriculum mit Prof. Dr. Ulf-Daniel Ehlers (DHBW) und HS-Prof. Dr. Reinhard Bauer (PH Wien)
- Micro-Credentials: Flexibilisierung und Personalisierung von Curricula mit Mag.a Christina Raab (Univ. Innsbruck) und Hon.-Prof. Ernst Kreuzer (TU Graz)
- Workshop: Curricula entwickeln mit KI und anderen Tools mit Priv.-Doz. Dr. Martin Ebner (TU Graz) und Prof. Dr. Manfred Pfiffner (PH Zürich / Univ. Graz); nachgeholter Workshopbeitrag GECKO – eine graphbasierte Plattform zur Erstellung von Curricula mit Mag. Dr. Stefan Pasterk (Univ. Klagenfurt)
- Podiumsdiskussion: Curriculumentwicklung zwischen Innovation und strukturellen Rahmenbedingungen mit Gernot Messinger (PH Wien), Dr. Sylvia Ruschin (HS Niederrhein) und Dr. Benno Volk (ETH Zürich)
Über die Online-Eventreihe hinaus sind im Rahmen des Themenspecials vier neue Beiträge auf e-teaching.org erschienen:
Grundlagentext: Curriculumentwicklung
An vielen Universitäten und Hochschulen ist Curriculumentwicklung zu einem Thema geworden, das nicht nur einzelne Studiengänge betrifft, sondern als strategische Gestaltungsaufgabe betrachtet wird. In ihrem neuen Grundlagentext erläutern HS-Prof. Dr. Reinhard Bauer (PH Wien) und Dr. Benno Volk (ETH Zürich) nicht nur zentrale Begriffe und Prinzipien, sondern gehen u. a. darauf ein, was es bedeutet, Curriculumentwicklung als Organisationsentwicklung zu betrachten und die digitale Transformation in diesen Prozess einzubeziehen; hier lauten die Stichworte beispielsweise „Curriculum 4.0“ und „Curriculum 5.0“. Der Beitrag schließt mit einem Überblick über unterschiedliche Methoden und Werkzeuge in der Curriculumentwicklung.
Interview: Curriculumwerkstatt – den Prozess der Curriculumentwicklung moderieren
Curricula haben eine besondere Bedeutung für das Profil einer Hochschule – doch ihre Entwicklung ist mit Herausforderungen und Aufwand verbunden. Zur professionellen Begleitung dieser Prozesse hat das Hochschuldidaktik-Team am Wandelwerk – Zentrum für Qualitätsentwicklung der FH Münster – das Konzept der Curriculumwerkstatt entwickelt, das seit mittlerweile fast 10 Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Im Interview berichten Dr. Jonas Lilienthal und Prof. Dr. Ines Sonnenschein über ihre Erfahrungen bei der Moderation dieser Prozesse – nicht zuletzt über den Balanceakt, den es teilweise erfordert, um die Partizipation aller Stakeholder zu unterstützen und gleichzeitig die Arbeitsfähigkeit des Entwicklungsteams zu gewährleisten.
Interview: Inklusive Curriculumentwicklung
Was bedeutet es, inklusiv zu lehren? Und wie setzt man besten an, um einen ganzen Studiengang inklusiv zu gestalten? Um diese Frage ging es in dem internationalen Projekt „Enhance IDM“ (Enhanced Programm Leadership for Inclusion and Diversity Management in Higher Education). Es adressierte vor allem Akteurinnen und Akteure, die in ihren Hochschulen direkten Einfluss auf die Entwicklung und Anpassung von Studienprogrammen haben. Im Interview stellen FH-Prof.in Mag.a Dr.in Silke Preymann (FH Oberösterreich) und Prof. Dr. Frank Linde (TH Köln) das Projekt – und die dort entwickelten frei zugänglichen Trainingsprogramme – vor und gehen dabei vor allem auf Inklusion und Diversitätsmanagement in der Curriculumentwicklung ein.
Erfahrungsbericht: Curriculumentwicklung an der PH Wien: Future Skills in der Lehrkräftebildung
Das Institut Sekundarstufe Berufsbildung (I:SBB) an der PH Wien bildet angehende Lehrkräfte für Berufsschulen aus. Nachdem das österreichische Bildungsministerium 2024 das Hochschulrechtspaket verabschiedete, das u. a. eine grundlegende Neukonzeption der Lehramtsstudien vorsieht, nahm das I:SBB diese Reform zum Anlass, das Curriculum der Lehramtstudien neu zu denken und sich zugleich intensiv mit dem Thema Future Skills auseinanderzusetzen. Die zentrale Frage dabei lautete: Welche (Zukunfts-)Kompetenzen brauchen angehende Lehrkräfte, um ihre Schülerinnen und Schüler gut auf die Zukunft vorzubereiten – und wie lassen sich diese Kompetenzen in das Curriculum integrieren? In einem videobasierten Erfahrungsbericht berichten Studierende und Mitarbeitende darüber, was ihnen besonders wichtig ist.
2.2 Weitere neue Portalinhalte
Neben den Inhalten zum Themenspecial sind auf e-teaching.org in den letzten Monaten weitere Beiträge zu sehr unterschiedlichen Themen online gegangen:
Neuer Portalbereich: Projektlernen
Projektlernen gilt als besonders lernförderlich, steigert die Motivation Studierender und kann zu tieferen Lernergebnissen führen. Welche weiteren Vorteile das Lehr-Lernszenario bietet und worauf Lehrende achten sollten, wenn sie eine projektbasierte Lehrveranstaltung planen, beschreiben Prof. Dr. Christian Faubel und Holger Müller (beide TH Köln), Franziska Preiß (HS Ravensburg-Weingarten) und Lena Sielaff (JGU Mainz) in einem neuen Portalbereich unter drei zentralen Überschriften: Projektlernen (Grundlagen), Projektphasen und Prüfungsformate. Die Texte sind im Rahmen eines Content-Sprints entstanden.
Neuer Grundlagentext: Diskriminierungssensible Lehre
Diskriminierungssensible Lehre eröffnet die Chance, institutionalisierte Ungleichheitsdynamiken zu unterbrechen und zugleich, neue (Selbst-)Erkenntnisse zu gewinnen. Was genau unter einer diskriminierungssensiblen Lehrgestaltung zu verstehen ist, welches Wissen Lehrende dafür benötigen und wie Gender- und intersektionale Perspektiven dabei unterstützen können, haben Dr. Jana Gerlach (FU Berlin) und Judith Schütze (HU Berlin) auf einer neuen Portalseite für uns zusammengestellt.
Neuer Grundlagentext: Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten
Die Begleitung wissenschaftlicher Arbeiten von Studierenden erfordert eine bewusste Planung und eine sorgfältige Auswahl der eingesetzten Methoden und Werkzeuge. Wie können Lehrpersonen Studierende beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten bestmöglich unterstützen? Welche Aufgaben gehören dazu und wie verändert sich die Begleitung durch digitale Tools und KI? Auf diese Fragen geht Angelina Stratmann (HS Bochum) in einem neuen Text auf e-teaching.org näher ein.
An der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde ein Portal entwickelt, das Angebote und Services zur Unterstützung digitaler Lehre und digitalen Studierens abteilungsübergreifend bündelt, und den Angehörigen der Universität eine problemorientierte und zielgruppengerechte Suche und Filterung im bestehenden Angebotsportfolio ermöglicht. Jaqueline Schulz, Projektleiterin für den universitären Marktplatz, stellt in diesem Erfahrungsbericht das Vorgehen zur Konzeption, Entwicklung und Umsetzung des Portals und der Redaktionsprozesse vor.
Neue Praxisbeispiele in der Digital Learning Map
Auf der Digital Learning Map stellen Lehrende aus dem deutschsprachigen Hochschulraum Lehr-Lern-Szenarien mit digitalen Medien aus verschiedenen Fachrichtungen vor. Die strukturierten Beschreibungen gehen beispielsweise darauf ein, wie digitale Medien eingesetzt werden können, um Problemen in der Lehre – etwa heterogenes Vorwissen der Studierenden oder geringe Lernmotivation – zu begegnen. So wird in jedem Beispiel gezeigt, welche Medieneigenschaften – etwa Adaptivität oder Selbststeuerung – den Lernprozess unterstützten.
In den letzten Monaten sind drei neue Praxisbeispiele erschienen, die zeigen, wie XR (Extended Reality)-Technologien praxisnahes Lernen in der Hochschule unterstützen können:
- Mit dem Paderborn Elektrotechnik AR Laborpraktikum (PEARL) bietet die Universität Paderborn ein Mixed-Reality-basiertes Lernangebot zur Vorbereitung auf Laborpraktika an, das den Einstieg in die Gerätebedienung erleichtert.
- Ein weiteres Praxisbeispiel zeigt die Berliner Hochschule für Technik (BHT): Dort nutzen Studierende die virtuelle Lernanwendung „Mozzarellaversuch – Biotechnologische Verfahren in der Produktion“, um komplexe Laborversuche beliebig oft immersiv und interaktiv durchzuführen.
- Die Bergische Universität Wuppertal wiederum hat einen virtuellen Lernraum entwickelt, in dem Studierende ihre architektonischen Entwürfe präsentieren, immersiv erfahren und diskutieren können.
3 Neues aus dem Umfeld von e‑teaching.org
Unser Portal e-teaching.org ist ein Angebot des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM), das sich mit der Nutzung digitaler Medien in sehr unterschiedlichen Bereichen befasst, nicht nur im Hochschulkontext. So ist das IWM im Projekt AIS an der Entwicklung einer KI-gestützten Lernumgebung für Schulen beteiligt und unser Kollege Prof. Dr. Garvin Brod bereitet soeben eine Studie zur Smartphone-Nutzung von Kindern vor. Diese Projekte stellen wir im Folgenden vor – und gratulieren dem Institut schon einmal zum 25. Jubiläum. Außerdem stellt sich unser neuer Kollege Marcus Müller vor, der sowohl für e-teaching.org als auch für das IWM-Schulportal schule-mal-digital.de arbeiten wird.
3.1 Neues Teammitglied bei e‑teaching.org

Neu in den Portalen e-teaching.org und schule-mal-digital ist seit Mitte Mai Marcus Müller. Die Mitarbeit in beiden Portalen ermöglicht einen umfassenden, phasenübergreifenden Blick auf die Bildungsarbeit und entsprechende Synergieeffekte für die Entwicklung der Kommunikationsstrategien.
Mitgebracht hat er dafür ein Studium der Philosophie und Medienwissenschaft, wobei seine Schwerpunkte in den Bereichen Medienpädagogik und Wissenschaftskommunikation lagen. Viele Jahre war er als studentische Hilfskraft für die International Computer Information Literacy Study (ICILS) in Paderborn tätig. Zudem hat er für die Fachzeitschrift Medien und Erziehung (merz) medienpädagogische Beiträge für Print und Web publiziert. Praktisches Wissen über die Bildungsarbeit hat er sich durch die Beratungsarbeit im Informationsbereich der Stadtbibliothek Paderborn angeeignet.
Bei e-teaching.org liegt der Fokus von Marcus Müller auf dem Social-Media-Bereich. Besonders schätzt er, wie e-teaching.org seriöse Wissenschaftskommunikation und einen vorbildlichen Umgang mit Social Media vorlebt: „Ich freue mich, diese Kommunikationsarbeit mitgestalten zu dürfen und denke, dass hier nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell ein wichtiger Beitrag in der Wissenschaftskommunikation geleistet wird.“
3.2 Neues Projekt AIS

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) ist Teil eines Konsortiums aus Forschungseinrichtungen und Unternehmen, das seit Ende 2025 ein „Adaptives Intelligentes System“ (AIS) für die Schulen in Deutschland entwickelt. Im Auftrag der 16 Bundesländer und finanziert über den DigitalPakt Schule entsteht eine KI-gestützte digitale Lehr- und Lernumgebung für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, die individuelles Lernen unterstützen und Unterrichtsvorbereitung erleichtern soll. Bis Dezember 2026 soll eine erste Version des AIS für eine Klassenstufe, zwei Fächer und zwei Schulformen zur Verfügung stehen. Die Leitung der Umsetzung des Gesamtprojekts liegt bei dem Softwareunternehmen Assecor und dem gemeinnützigen Unternehmen „KI macht Schule“. Koordiniert wird die Entwicklung des AIS durch das FWU (Medieninstitut der Länder).
Das Team des IWM übernimmt im Projekt eine Schnittstellenfunktion: Es richtet einen virtuellen Dialog- und Resonanzraum ein, der Forschung, schulische Praxis sowie Technologieentwicklung miteinander verbindet und die Entwicklung des AIS in grundlegenden Fragen unterstützt. Wissenschaftliche Expertise stellt das IWM auch im Rahmen einer von Dr. Christina Matschke durchgeführten Studie zu Learning Analytics in der Schulbildung zur Verfügung. Die Projektleitung am IWM haben Prof. Dr. Ulrike Cress, Dr. Anne Thillosen und Apl. Prof. Dr. Joachim Kimmerle.
Resonanzraum auf schule-mal-digital.de: Austausch und Information zum Unterrichten und Lernen mit adaptiven Technologien
Mit schule-mal-digital.de hat e-teaching.org seit dem Jahr 2024 ein Partnerportal am IWM, das praxisnah und forschungsbasiert innovative Lehr- und Lernszenarien in der schulischen Bildung in den Blick nimmt. Dr. Kathrin Nieder-Steinheuer und Tamara Schilling, die in den letzten Jahren schule-mal-digital.de mit aufgebaut haben, werden das Portal nun um den Resonanzraum zum Unterrichten und Lernen mit adaptiven Technologien erweitern. Dazu werden neue Formate entwickelt (z. B. Communityfragen zu digitalen Innovationen in der Schule) und für das AIS zentrale Themen – beispielsweise die Nutzung von Learning Analytics – in den Fokus gerückt. Für das AIS wesentliche Perspektiven werden hier kuratiert und Forschungsergebnisse allgemeinverständlich zur Verfügung gestellt. So sollen unter anderem Bedingungen für die Akzeptanz tutorieller Systeme im schulischen Kontext ermittelt und pädagogische bzw. didaktische Anforderungen an die Gestaltung adaptiver Lernwege im Kontext bildungspolitischer und organisatorischer Rahmenbedingungen diskutiert werden.
3.3 IWM-Studie SMARTKIDS: Familien für Forschung zum ersten eigenen Smartphone gesucht
Wann ist der richtige Zeitpunkt für das erste Smartphone? Und was macht ein eigenes Smartphone eigentlich mit Kindern? Diese Fragen beschäftigen viele Familien, doch belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse dazu sind bislang rar. Mit der Studie SMARTKIDS möchten unsere Kolleginnen und Kollegen am IWM diese Lücke schließen und fundierte Einblicke in die Auswirkungen früher Smartphone-Nutzung gewinnen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich der Besitz eines eigenen Geräts auf das Wohlbefinden, die Entwicklung und das Lernen von Kindern auswirkt. Die von Prof. Dr. Garvin Brod geleitete Studie verfolgt dabei einen bisher einmaligen Ansatz: In einem randomisiert-kontrollierten Studiendesign – also einer Art Experiment – wird untersucht, welche Effekte der Zeitpunkt der Smartphone-Anschaffung hat. Dazu werden die teilnehmenden Kinder zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 erhält von ihren Eltern zum Beginn des nächsten Schuljahres ein Smartphone, Gruppe 2 erst zum darauffolgenden Halbjahr im Februar 2027.
Gesucht werden nun rund 500 Familien mit Kindern, die im kommenden Schuljahr die 4., 5. oder 6. Klasse besuchen und deren Eltern bereits planen, ihren Kindern demnächst ein eigenes Smartphone zur Verfügung zu stellen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die teilnehmenden Familien über ein Jahr hinweg durch mehrere Online-Befragungen begleiten; ergänzend werden anonymisierte Nutzungsdaten mit einer Studienapp erfasst.
Mit ihrer Teilnahme leisten Familien einen wichtigen Beitrag zu einer gesellschaftlich hochrelevanten Fragestellung. Als Dankeschön erhalten sie Gutscheine in Höhe von bis zu 75 Euro und auf Wunsch eine individuelle Rückmeldung zur Smartphone-Nutzung des Kindes.
Weitere Informationen zum SMARTKIDS-Projekt gibt es auf der IWM-Webseite.
3.4 25 Jahre IWM – das Leibniz-Institut für Wissensmedien feiert Jubiläum
Seit 25 Jahren erforscht das IWM, wie Menschen mit digitalen Medien und in digitalen Umgebungen lernen, kommunizieren und Wissen erwerben. Als ältestes Projekt des IWM freuen wir uns ganz besonders, unserem Institut zu diesem Meilenstein zu gratulieren. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums wird es im Oktober 2026 auch einen Festakt in Tübingen geben, bei dem die zentrale Frage im Fokus steht: Wie können digitale Umgebungen so gestaltet werden, dass sie Verstehen, Austausch und Teilhabe ermöglichen? Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem informellen Lernen in Museen. Höhepunkt des Festakts ist die Eröffnung des neuen MuseumLab am IWM: ein Reallabor, in dem künftig Lernen, Aufmerksamkeit und Erfahrung in museumsnahen Settings erforscht werden.
4 Ausblick
4.1 Veranstaltungen unter Beteiligung von e‑teaching.org
Die sechste Ausgabe des University:Future Festivals (U:FF) bietet vom 22. bis 24. Juni 2026 wieder viele Möglichkeiten zum Austausch. Das dreitägige Hybrid-Event steht unter dem Motto „Under Pressure“ und wird vom Hochschulforum Digitalisierung, der Stiftung Innovation in der Hochschullehre und dem Stifterverband organisiert. e-teaching.org beteiligt sich nicht nur wieder als Netzwerkpartner, sondern auch mit einem virtuellen Stand.
Als größte inhaltlich spezialisierte Fachtagung rund um Learning Analytics, Artificial Intelligence und Data Mining in der Hochschulbildung im deutschsprachigen Raum geht es für die Learning AID dieses Jahr am 1. und 2. September 2026 in die inzwischen fünfte Runde. Die Veranstaltung wird vom Projekt KI:edu.nrw organisiert und findet an der Ruhr-Universität Bochum statt. Auch hier ist e‑teaching.org wieder als Partner mit dabei.
Viele weitere Veranstaltungshinweise finden Sie im e-teaching.org-Veranstaltungskalender.
4.2 Kurz vorgestellt: Der Transferkiosk der StIL
Im März 2026 ging der Transferkiosk der Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) online. Das Motto der Plattform lautet: „Wissen teilen. Inspiration finden. Lehre gemeinsam verändern“. Unter den zahlreichen Beispielen, die dort vorgestellt werden, ist übrigens auch das e-teaching.org-Projekt AuftAkt, das von der StIL bis März 2026 gefördert wurde.
Im Interview mit e-teaching.org erläutert der Initiator der Plattform, Dr. Ivo van den Berk, was der Transferkiosk bietet.

e-teaching.org: Wie würdest Du kurz und knapp die zentrale Idee des Transferkiosk beschreiben – was bietet er interessierten Personen?
Ivo van den Berk: Das ist nicht leicht, weil wir vieles damit wollen. Zentral ist sicher die Idee, dass das Wissen, das in den vielen von der Stiftung geförderten Projekten erarbeitet worden ist, für Interessierte zur Inspiration und zur Weiterentwicklung eigener Konzepte zur Verfügung steht. Sie also bei der Entwicklung auf den Erfahrungen aufbauen können und – das ist wohl das Wichtigste – nicht in die gleichen Fettnäpfchen treten müssen.
e-teaching.org: Die StIL fördert eine sehr große Anzahl von größeren und kleineren Projekten. Wie finden die Nutzenden des Transferkiosk genau das, was sie gerade brauchen?
Ivo van den Berk: Wir haben uns viel Mühe gegeben, dass Nutzende leicht und schnell das finden, was sie suchen. Dafür steht ihnen erstens eine Volltextsuche zur Verfügung, wichtiger erscheinen mir jedoch die vielen Filtermöglichkeiten, d. h. jede/jeder kann die Abfrage auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden. Ob man jetzt Publikationen zu einem spezifischen Thema, Kontakt zu Projekten und Personen in der Nähe sucht oder Lösungen aus fachverwandten Projekten, eher das Handlungsfeld Lehre oder gerade doch Lösungen für Projektmanagement sucht. All das kann man präzise einstellen. Und natürlich bieten wir auch vorgefilterte Suchen z. B. nach Fachdisziplinen als Sucheinstieg an. Insgesamt glaube ich, dass man sich schnell orientieren kann, was in Sachen Lehrentwicklung in den Projekten gerade bearbeitet wird.
e-teaching.org: Was war bei der Konzeption des Transferkiosk für Euch die größte Herausforderung? Und was gefällt Dir jetzt am Ergebnis besonders gut?
Ivo van den Berk: Für mich persönlich war es das Phänomen der eierlegenden Wollmilchsau. Wir können nicht alle Ideen sofort umsetzen, die uns eingefallen sind. Wir haben nun den Transferkiosk gestartet und wollen ihn gemeinsam mit der Community bedarfsorientiert weiterentwickeln. Zu schaffen macht uns auch, dass wir es mit zwei Gruppen zu tun haben: die Projekte, die dokumentieren, und die Suchenden, die sich für die Inhalte interessieren. Wir wollen beiden einen Mehrwert bieten.
Mein Highlight ist, dass es ihn jetzt gibt. Dass Erfahrungen breit geteilt werden können und systematisch zugänglich sind, dass man Personen finden kann, die Expertise in einem ganz spezifischen Bereich besitzen, dass man sich findet, um Ideen gemeinsam weiterzuentwickeln.













