Navigation

Wenn Sie ein Fachbuch zur Hand nehmen, geben Cover, Titel, Autor und womöglich noch ein zusammenfassender Klappentext erste Hinweise auf das Thema. Wenn Sie das Buch interessiert, werfen Sie vermutlich einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis. Ist die Benennung treffend und die Gliederung schlüssig, wissen Sie nun grob, worum es in der Publikation geht und welche Inhalte sie wo finden.
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Bei telemedialen Medien verhält es sich ähnlich: Beispielsweise vermittelt das Logo einer Website den Nutzern einen ersten Eindruck, wo sie gelandet sind. Die Homepage beinhaltet eventuell auch eine Art „Klappentext“, der mehr Informationen über das Angebot bietet. Und dann gibt es die Navigation, die wie eine Art Inhaltsverzeichnis durch den Hypertext leitet.

Die Navigation leistet allerdings mehr als ein Inhaltsverzeichnis: Sie dient zum einen der Orientierung und ist zum anderen ein Auswahl-Werkzeug, mit dem sich Nutzer einen Weg durch die hypermediale Umgebung bahnen.

Lost in Hyperspace ?

Das Thema der Navigation wird in enger Verbindung mit der von Conklin (1987) aufgestellten These diskutiert, dass sich Benutzer angesichts der Vielfalt der Informationen im virtuellen Raum verlieren können, ein Risiko, das mit dem Schlagwort "lost in hyperspace" umschrieben wurde.

Eine Alternativhypothese zum "lost in hyperspace" wird als "serendipity - the gift of making delightful discoveries by pure accident" (Webster Dictionary) bezeichnet: Zuweilen werden Nutzer bei der gezielten Suche nach Information von einer anderen Information so in Anspruch genommen, dass das ursprüngliche Ziel irrelevant erscheint. Dies bezeichnet man als "Serendipity-Effekt" (Kuhlen, 1991).

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Egal welche Position Ihnen aus Ihrer eigenen medialen Erfahrung heraus schlüssiger erscheint, ein durchdachtes Navigationskonzept ist bei der Gestaltung virtueller Lernarrangements unverzichtbar. Sonst droht dem Nutzer die unangenehme Erfahrung, in der Hypertextbasis "im Kreis zu laufen". Vermeiden Sie bei der Gestaltung:

    • Identische Links, die unterschiedlich benannt sind,
    • Fehlende Orientierungshilfen,
    • Vage oder fehlende Bezüge des Linkzieles zum Ausgangstext.



Gestaltungskriterien

Gestaltungskritierien, die die Benutzerfreundlichkeit eines Lernangebots maßgeblich bestimmen, sind die Art und Weise, wie der Lernende in seinen Entscheidungen und Handlungen unterstützt wird. Eine gelungene Navigation sollte auf die Fragen "Wo bin ich?", "Wo komme ich her?", "Was kann ich hier tun?" und "Wie komme ich weiter bzw. zurück?" Antworten liefern. Wenn Sie ein multimediales Angebot erstellen, bedenken Sie, dass Ihre Adressaten mit den Materialien umgehen, um Ziele zu erreichen oder Probleme zu lösen. Das Design – insbesondere die Navigation - sollte sie in ihren Entscheidungen und Handlungen unterstützen (Wirth, 2002).

Weitere Informationen

      • Kurzüberblick: In unserer Checkliste haben wir für Sie Kriterien für eine gelungene Navigation zusammengestellt.
      • Hauptnavigation: Je nachdem, ob Nutzerinnen Inhalte intuitiv finden oder durch das Angebot geführt werden sollen, sind verschiedenen Arten der Navigation geeignet. Die Vertiefung Hauptnavigation erläutert, wie verschiedene Menüstrukturen aufgebaut werden
      • Navigationsmetaphern: Metaphern können einen sinnstiftenden Zusammenhang für die Vielfalt von Informationen herstellen. In der Vertiefung Metaphern finden Sie eine Übersicht und viele Beispiele.
      • Navigationshilfen: Je komplexer die hypertextuelle Strukturierung Ihres Lernangebotes ist, desto wichtiger sind spezifische Funktionen, die als Leitsystem durch die Webseite führen. Wie Sie diese Funktionen in der Praxis einsetzen können, machen wir in der Vertiefung Navigationshilfen anhand konkreter Beispiele deutlich.
      • Hyperlinks: Links machen den Text zum Hypertext. Welche Form der Verlinkung für welches Lernarrangement geeignet ist, erläutert die Vertiefung Hyperlinks.
      • Veranstaltungshomepage: Zeitgemäße Lehrveranstaltungen werden durch eine Webpräsenz begleitet, die den Studierenden Informationen und Materialien bietet. Die Vertiefung Veranstaltungshomepage gibt Ideen und Tipps, welche Inhalte Sie online bereitstellen können.


 

Letzte Änderung: 31.03.2016
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Hauptnavigation

Bevor die Navigation erstellt wird, sollten Sie sich fragen, mit welcher Motivation die Nutzer Ihr Angebot aufsuchen. Wenn Sie eine Veranstaltungshomepage erstellen, können Sie davon ausgehen, dass die Studierenden hier auf der Suche nach ganz bestimmten Informationen sind und selbst bestimmen möchten, auf welcher Seite sie nach Antworten auf ihre Fragen stöbern. In einem multimedialen Lehrbuch möchten die Studierenden dagegen vielleicht lieber Lektionen durcharbeiten, die aufeinander aufgebaut sind.

Navigationshilfen

Hyperleser sehen sich immer wieder mit Orientierungsproblemen konfrontiert. Die Möglichkeit einer selbst bestimmten, interessengeleiteten Lektüre ist untrennbar mit dem Verlust einer linear-hierarchischen und leicht nachvollziehbaren Repräsentation verbunden. Gerade bei hypertextuell organisierten Studienmaterialien ist es wichtig, dass die relevanten Informationen durch die Studierenden auch aufgefunden werden können. Wir stellen Ihnen daher einige Navigationshilfen vor, wie sie insbesondere in komplexen Hypertextsystemen zum Einsatz kommen:

Navigationsmetaphern

Der Einsatz von Metaphern ist bei der Gestaltung grafischer Benutzerschnittstellen weit verbreitet. Das wohl bekannteste Beispiel für Metaphern in Computer-Anwendungen ist die von Betriebssystemen verwendete Desktop-Metapher. Hier wird der Umgang mit dem System durch Analogien zwischen dem Gegenstandsbereich der Metapher und der Bedienoberfläche der Computeranwendung vereinfacht. Zum Beispiel wissen Benutzer, dass ein Papierkorb kein Ort für die Ablage ist, sondern Abfall beinhaltet.

Checkliste

In dieser Checkliste stellen wir Kriterien für eine gelungene Navigation zusammen.