Vorlesungsaufzeichnung

Multimedial aufbereitetes Vorlesungsmaterial bietet Studierenden die Möglichkeit, Inhalte im Hinblick auf eine zukünftige Veranstaltung vorzubereiten, bereits erlerntes Wissen nachzubereiten oder gezielt für Prüfungen zu wiederholen. Mit Hilfe der Vorlesungsaufzeichnungen kann den Studierenden Wissen sowohl auditiv als auch visuell vermittelt werden – egal ob es sich um einen einfachen Mitschnitt einer Veranstaltung handelt, oder die Videosequenz speziell zu Lehrzwecken aufgenommen und aufbereitet wurde. Je nach verwendetem Werkzeug bieten sich sehr unterschiedliche Möglichkeiten die Aufzeichnung aufzubereiten.

Rahmenbedingungen

  • Die Hochschule muss über ausreichend Personal mit technischen Kenntnissen und geeignete Hard- und Software verfügen, um videobasierte Vorlesungsaufzeichnungen erstellen.
  • Es müssen ausreichend Serverkapazitäten zur Verfügung stehen, um die Vorlesungsaufzeichnungen für die Studierenden online zugänglich zu machen. Alternativ kann hier auch auf externe Dienstleister zurückgegriffen werden, über deren Repositorien Vorlesungsaufzeichnungen bereitgestellt werden.
  • Die Studierenden müssen über ein technisches Endgerät mit Internetzugang und die passende Software zum Abspielen der Aufzeichnungen verfügen. Dabei sollten auch Formate zur Verfügung stehen, die das Abspielen auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets ermöglichen.

Lösung

Durch die Aufzeichnung von Vorlesungsinhalten oder das Erstellen eines Lehrfilms ergeben sich verschiedene Möglichkeiten der Gestaltung von Vorlesungen. Zum einen erhalten die Studierenden so die Möglichkeit, die Vorlesungsinhalte beliebig oft, in individueller Reihenfolge sowie im eigenen Lerntempo anzusehen und sich das dargestellte Wissen unabhängig von Vorlesungszeiten und Hörsälen anzueignen. Zum anderen ermöglicht der Einsatz videobasierter Veranstaltungsaufzeichnungen den Dozierenden, ihre Vorlesungen neu zu gestalten. Vorlesungsaufzeichnungen können hierbei zur Vorbereitung und Wissensvermittlung eingesetzt werden - die Präsenztermine/-vorlesungen stehen anschließend zur Diskussion, Reflexion und Vertiefung der Wissensinhalte zur Verfügung. Zudem ist es mit Hilfe von videobasierten Vorlesungsaufzeichnungen möglich, den Studierenden praxisnahe Zusammenhänge zu vermitteln. Besonders komplexe Vorgänge wie z. B. der Aufbau und das Durchführen von Versuchen bzw. Laborexperimenten, Nutzungsanleitungen für Software oder das Darstellen von Operationsschritten können den Studierenden durch Videosequenzen anschaulich dargestellt und erklärt werden.

Details

Die Videoaufzeichnungen der  Vorlesungen werden den Studierenden online über die Webseite der Hochschule  oder über externe Repositorien zur Verfügung gestellt. Wenn sie im RSS-Format zur Verfügung stehen, können sie  über das Internet abonniert, heruntergeladen und abgespielt werden  (mehr dazu siehe Vodcast). Hierbei steht es den Dozierenden offen, ob die Vorlesungsaufzeichnungen allen Interessierten oder nur für ausgewählte Gruppen von Studierenden (z. B. einzelne Kurse, Vorlesungen, Seminare etc.) zugänglich gemacht werden.

Videobasierte Vorlesungsaufzeichnungen können in verschiedene Formen unterteilt werden. Einfache Aufzeichnungen bestehen ausschließlich aus  bewegten bzw. animierten Bildern und Ton.
Bei Enhanced Webcasts hingegen, werden z. B. für das Thema relevante Links, Sprungmarken und/oder weitere Medien (zusätzlich eingeblendete Filmsequenzen, Bilder, Animationen, Schaubilder, usw.) in das Video eingebunden. Diese Arten von Vorlesungsaufzeichnungen ermöglichen damit eine interaktive Nutzung.

Die am einfachsten zu realisierende Form ist Mitschnitt einer Vorlesung. . Ein Vorlesungsmitschnitt zeigt den Vortrag des Lehrenden wobei dieser gegebenenfalls durch weitere Materialien wie Folien oder Bilder ergänzt wird. Die chronologische Abfolge der einzelnen Materialien wird durch den Vortragenden selbst gesteuert und kann von den Studierenden nicht beeinflusst werden. Im Mittelpunkt der virtuellen Vorlesung sollte jedoch immer der Vortrag des Sprechenden stehen, Materialien wie ppt-Folien nehmen dabei nur eine unterstützende Funktion ein.

Aufwändiger ist die Produktion eines Lehrfilms. Hierfür muss im Vorfeld ein Konzept/Drehbuch erstellt, Sprecher und/oder Akteure ausgewählt werden und die entsprechende technische Ausrüstung für die Aufnahme des Films zur Verfügung stehen. Ein Lehrfilm eignet sich besonders für die Darstellung komplexer Zusammenhänge (Versuche, Experimente, Arbeit im Labor, etc.) oder praxisbezogener Szenen aus dem Berufsalltag (Nachstellen von Kunden-/Verkaufsgesprächen, Ablauf von Operationsschritten, Bedienen technischer Geräte, etc.).

Screencasts unterstützen Studierende bei der Verwendung von Software indem diese direkt am Bildschirm eine virtuelle Gebrauchsanleitung – ähnlich einer Schulung – erhalten. Die Mausbewegungen des Lehrenden werden dabei mit aufgezeichnet und anschließend mit dessen Audiokommentaren oder mit Sprechblasen zur Erklärung des Dargestellten versehen. Diese Form des reinen Screencasts ermöglicht den Studierenden beispielsweise die Anwendungsschritte einer Software nachzuvollziehen und/oder ihre verschiedenen Funktionen kennenzulernen. Die Produktion eines Screencasts ist relativ unaufwändig, da es entsprechende Programme gibt, um Bildschirmaktionen aufzuzeichnen und mit Kommentaren zu synchronisieren (s. Werkzeuge).

Je nach verwendetem Werkzeug, lassen sich die Vorlesungsaufzeichnungen, also Bild und Ton um weitere Medien ergänzt. Z. B. können an ausgewählten Stellen Sprungmarken eingefügt um zwischen verschiedenen Sequenzen des Videos zu wechseln, Links zu weiteren Informationsquellen angegeben oder ein weiterführender Film bzw. Animationen zum Thema eingebunden werden. Die Grundlage bleibt im Allgemeinen das Video, es wird jedoch um die Möglichkeit der interaktiven Nutzung erweitert.
Als spezielle Variante der videobasierten Vorlesungsaufzeichnung können Videopodcasts (Vodcasts) genutzt werden, die dann – wie Audiopodcasts – von den Studierenden per RSS abonniert werden können. Ausführlichere Informationen dazu finden Sie in der Vertiefung Vodcast. 

Stolpersteine

  • Damit Studierende optimal mit einer Vorlesungsaufzeichnung lernen und ihr Wissen durch gezieltes Wiederholen festigen können, sollten die Videos über eine Suchfunktion verfügen. So kann der Lernende spezielle Inhalte und Themengebiete schnell finden und wird bei der Auswahl der für ihn wichtigen Informationen unterstützt. Vorlesungsaufzeichnungen sollten, wie auch alle anderen Unterrichtsformen, einem didaktischen Grundkonzept folgen, damit sie sich positiv auf den Lernprozess der Studierenden auswirken können.
  • Wird eine Veranstaltung mit einer fest installierten Kamera mitgeschnitten, kann eventuell nicht das komplette Bewegungsfeld des Akteurs eingefangen werden. Bewegt sich beispielsweise der Sprecher aus dem Bildausschnitt, so ist er anschließend in der Videosequenz nicht mehr zu sehen. Soll die Kamera die vortragende Person verfolgen, muss hierfür eine spezielle Ausrüstung bzw. ein Kameramann eingesetzt werden. Dies kann sehr teuer und zeitaufwändig sein.
  • Wird eine einfache Frontalvorlesung ohne jegliche Bewegung des Sprechers aufgezeichnet, bietet sich hierfür eher das Format einer reinen Audioaufzeichnung (Vorlesungspodcast) an. Die Darstellung eines solchen statischen Vortrages in Form eines Videos lenkt die Lernenden eventuell von den eigentlich wichtigen Inhalten der Vorlesung ab.

Vorteile

  • Die Studierenden haben dank der Aufzeichnungen die Möglichkeit, Vorlesungsinhalte vor- bzw. nachzubereiten und diese vor Klausuren zu wiederholen. Zusätzlich wird ein nahezu zeit- und ortsunabhängiges Lernen ermöglicht.
  • Die Lehrenden haben mit Vorlesungsaufzeichnungen die Gelegenheit, ihre Veranstaltungen umzustrukturieren und neue Veranstaltungsformen einzusetzen: so bieten sich beispielsweise die Videos zur selbstgesteuerten Aneignung des Wissens durch die Studierenden an, während eine anschließende Diskussion in der Präsenzveranstaltung zur Wissensvertiefung oder das Bearbeiten von Aufgaben zur Wissensüberprüfung dienen soll.
  • Mit Hilfe von Vorlesungsvideos können den Studierenden komplexe und praxisbezogene Zusammenhänge erklärt, theoretisches Wissen für die Anwendung in der Praxis deutlich gemacht und Situationen aus dem Berufsalltag nachempfunden werden.
  • Videobasierte Vorlesungsaufzeichnungen können über Bild und Ton nicht nur den Inhalt einer Lehrveranstaltung sondern auch Zwischenfragen von Studierenden, verschiedene Interaktionen und Präsentationsformen des Lehrenden, Reaktionen und Diskussionen der Anwesenden etc. einfangen.
  • Dozierende können anhand von videobasierten Aufzeichnungen ihre eigene Lehre evaluieren, reflektieren und gegebenenfalls verbessern. (vgl. Schiefner, 2008)
  • In videobasierten Vorlesungsaufzeichnungen werden den Studierenden die Lerninhalte zur gleichen Zeit als auditives und visuelles Material zur Verfügung gestellt. Eine nach didaktischen Prinzipien strukturierte, synchrone Aufbereitung des Lernmaterials hat dabei positive Auswirkungen auf die Lernmotivation der Studierenden.
  • Aufzeichnungen, die annotiert oder um Medien ergänzt werden können Zusammenhänge zwischen benachbarten Themengebieten herstellen und die Lernenden auf weitere, für das dargestellte Thema wichtige Informationen und Quellen aufmerksam machen.

Nachteile

  • Es besteht die Gefahr, dass das Lernen mit einer Vorlesungsaufzeichnung durch die Studierenden unterschätzt, d.h. nicht richtig ernst genommen wird. Indem sich der Lernende weniger stark auf die Inhalte konzentriert und zudem leichter von Umwelteinflüssen ablenken lässt, nimmt er das im Lehrfilm dargestellte Wissen nur beiläufig und oberflächlich wahr. (Schiefner, 2008)
  • Haben Studierende die Möglichkeit, auf den Mitschnitt einer Vorlesung zuzugreifen und diesen so oft wie gewünscht anzusehen, wird der Besuch der entsprechenden Vorlesung überflüssig. Zudem fällt die Notwendigkeit von Notizen während des Vortrags und deren positive Auswirkungen auf den Lern- und Merkprozess weg.
  • Beim Erstellen von verschiedenen Lernmedien sollten neben didaktischen Aspekten auch lernpsychologische Prozesse beachtet werden. Wird eine Vorlesung daher einfach nur live mitgeschnitten und aufgezeichnet, so handelt es sich hierbei nicht automatisch um ein effektiv aufbereitetes, multimediales Lehrmedium.
  • Die Videoaufzeichnung einer Vorlesung kann eine Präsenzveranstaltung nicht vollständig ersetzen und muss daher immer ausreichend betreut werden. In Präsenzveranstaltungen sollten Vorlesungsinhalte gemeinsam nachbearbeitet und diskutiert werden, um ein Verstehen des Gelernten und ausreichende Lernmotivation zu garantieren.
  • Im Falle einer Vorlesungsaufzeichnung gibt es keine Möglichkeit der direkten Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden. Bei Nachfragen müssen daher andere Plattformen zu diesem Zweck geschaffen werden (z. B. Foren, Präsenzveranstaltungen, Videokonferenzen etc.).
  • Werden die Aufzeichnungen nicht über eine geschlossene Plattform zur Verfügung gestellt, muss besonders auf die Einhaltung des Urheberrechts geachtet werden.

Beispiele

  • Vorlesungsmitschnitt: Die Abschiedsvorlesung „Was ich noch zu sagen hätte…“ von Prof. Dr. Schulz von Thun zeigt, dass in besonderen Fällen auch eine einfache Videoaufzeichnung einer Veranstaltung sehr aussagekräftig sein kann.
  • Vorlesungsmitschnitt: Am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung der LMU München steht die Vorlesung „ Einführung in die Allgemeine Pädagogik “ als Slidecast zur Verfügung.
  • Lehrfilm: Als Ergänzung zu Lehrbüchern, stellt die RWTH Aachen ihren Studierenden der Pathologie den Pathocast zur Verfügung: in kurzen Videosequenzen werden Krankheitsbilder und einzelne Operationsschritte anschaulich dargestellt.
  • Screencast: Die University Libraries bieten Anleitungen im Screencast-Format für unterschiedliche Programmanwendungen.
  • Enhanced Vodcast: Das Hochschulrechenzentrum (HRZ) der Justus-Liebig-Universität Gießen veranschaulicht in einem durch Folien und Sprungmarken ergänzten Videovortrag das allgemeine Vorgehen beim Erstellen von E-Lectures. Außerdem findet man hier weiteres Informationsmaterial, das Hilfestellung bei der Umsetzung von E-Lectures bietet.
  • Enhanced Vodcast: An der Fakultät für Psychologie und Pädagogik der LMU München bietet sich die Gelegenheit, Vorlesungsmitschnitte als Enhanced Vodcasts anzuschauen – z.B. aus dem WS 2006/2007 zum Thema „ Internet, pädagogisch-psychologische Nutzung und Forschung “.

Werkzeuge

Zur Produktion  einer Vorlesungsaufzeichnung müssen Videosequenzen aufgenommen, eventuell mit Ton unterlegt und geschnitten werden. Zum Erstellen einer Videosequenz direkt am Rechner bieten sich z.B. die Programme Quicktime (Bestandteil Mac OS X), Premiere Pro oder die Open-Source-Software VirtualDub (nur für Windows) an. Häufig eingesetzte Software zum Erstellen von Screencasts sind z.B. die kommerziellen Programme Camtasia Studio und Adobe Captivate oder die Freeware Jing. Je nach verwendetem Programm können die  Videosequenzen um zusätzliche Medien, Links oder Sprungmarken ergänzt werden (z.B. mit Quicktime und Premiere Pro). Anschließend wird das Video der Vorlesung  in einem Repository veröffentlicht. Liegt es im RSS-Format vor, kann es von den Studierenden als Vodcast abonniert werden.

Weitere Informationen

Letzte Änderung: 07.08.2015
Druckansicht