Rezension Dittler (2011)

Rezension zu: Ullrich Dittler (Hrsg.) (3., komplett überarbeitete und erweiterte Auflage, 2011). E-Learning. Einsatzkonzepte und Erfolgsfaktoren des Lernens mit interaktiven Medien. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag.

Seit dem Erscheinen der 1. Auflage des Buches im Jahr 2002 und der überarbeiteten 2. Auflage im Jahr 2003 haben sich nicht nur E-Learning-Technologien und -Szenarien weiterentwickelt; vielmehr hat sich der Einsatz von E-Learning in Unternehmen und Bildungseinrichtungen – damals in der Regel noch Neuland – inzwischen mehr oder weniger etabliert. Entsprechend orientiert sich die Gliederung des neuen Bandes nicht mehr an den technischen Grundlagen der Einsatzszenarien, Computer Based Training, Lernplattformen usw. Stattdessen werden in drei Hauptabschnitten jeweils Projekte und Praxisbeispiele aus "institutionalisierten" Einsatzfeldern vorgestellt. Dabei bleibt der Schwerpunkt der vorherigen Auflagen, die betriebliche Aus- und Weiterbildung erhalten (Abschnitt III, 200 Seiten), wird jedoch erweitert um die Bereiche Hochschule (Abschnitt I, 120 Seiten) und allgemeine Erwachsenenbildung (Abschnitt II, 50 Seiten).

Allerdings prognostiziert der Herausgeber des Bandes, Ullrich Dittler, in seinem einleitenden Beitrag für die beginnende Phase der "Postmedialität" bereits umfassende gesellschaftliche und individuelle Veränderungen: Die jederzeitige Verfügbarkeit der weltweit vorhandenen Informationen führe zu einer erhöhten Bedeutung des informellen Lernens und damit perspektivisch zu einer veränderten Rolle der traditionellen Bildungseinrichtungen.

Die acht Beiträge im Bereich "Hochschule" stellen jedoch den derzeitigen Status quo dar und sind mit der einzigen Ausnahme Web 2.0 in der Hochschullehre (Schiefner & Kerres) Anwendungsfälle, die sich auf einzelne Hochschulen (Univ. Hamburg, ETH Zürich, Donau-Universität Krems) oder spezielle Programme, Projekte oder Software beziehen. Dabei sind die ausgewählten Beispiele durchaus interessant, jedoch nicht unbedingt exemplarisch. So wird z.B. im Kapitel über elektronisches Prüfen ausschließlich das mobile System Q[kju:] vorgestellt – sicher ein vielversprechender Ansatz, allerdings keineswegs die einzige und auch nicht die am häufigsten eingesetzte technische Lösung für dieses derzeit im Hochschulbereich viel diskutierte Thema.

Die drei Beiträge des Bereichs "allgemeine Erwachsenenbildung" sowie die 13 Beiträge im Bereich der "betrieblichen Aus- und Weiterbildung" illustrieren vor allem die Spannbreite der Einsatzkontexte (vom individuellen Lernen in der Freizeit oder am Arbeitsplatz bis zu konzernweiten E-Learning-Strategien), Themen (von Softskills und Changeprozessen bis zu Handhabungskompetenzen und Faktenwissen), didaktischen Konzepte (von Behaviorismus bis Konnektivismus) und eingesetzten Medienformate (von klassischen Web Based Trainings, dem Lernen durch Reflexion von eigenem, per Videos aufgezeichneten Verhalten bis zu kommunikationsorientierten oder explorativen Lernumgebungen). Lesende finden Anregungen zur Gestaltung von Lernmaterialien und -umgebungen, Schaffung von Motivation und Akzeptanz bei den Mitarbeitern und häufig auch Hinweise auf die „Lessons Learned“. Insgesamt steht die betriebliche Weiterbildung und Mitarbeiterfortbildung deutlich im Fokus, Beispiele für den Einsatz von E-Learning in der Ausbildung sind eher die Ausnahme.

Fazit: Die Stärke des Bandes liegt in der Fülle der durchwegs interessanten Projekte und der vielen unterschiedlichen Einsatzkonzepte (so ein Schlagwort des Untertitels) für das Lernen mit interaktiven Medien. Leider fehlt eine systematische Verortung dieser Fallbeispiele: Wie typisch sind sie im Gesamtkontext? Oder sind es beispielhafte Einzellösungen? Welche Alternativen gibt es? Auch eine Ableitung von verallgemeinerbaren Erfolgsfaktoren (so das zweite Schlagwort) über den Einzelfall hinaus bleibt den Lesenden selbst überlassen. Wer sich jedoch vor allem für die praktische Umsetzung von E-Learning interessiert, findet in den meist anschaulich und lebendig geschilderten Fallbeispielen vielfältige Anregungen.

Letzte Änderung: 08.04.2015

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