Digitalisierungsstrategien für effektives Lehren und Lernen (DISTELL)

Welche Vorstellungen und Meinungen haben die unterschiedlichen Akteure einer Hochschule zum Thema digitales Lehren und Lernen? Welche digitalen Lernelemente und Lehrformate können die digitale Hochschulbildung unterstützen? Wie lassen sich diese mit den unterschiedlichen Bildungsverständnissen der Beteiligten verbinden? Das Forschungsprojekt DISTELL erforscht aus sozialwissenschaftlicher Perspektive die Veränderungen des Lehr- und Lernalltags durch die Digitalisierung am Beispiel der Hochschule Esslingen. Im Erfahrungsbericht nutzt das Projektteam die Möglichkeiten des Erklärvideos, um die eigene Arbeit und die Forschungsergebnisse vorzustellen.

Das Forschungsteam

Das Forschungsteam rund um die Leiterin Prof. Dr. Verena Ketter von der Hochschule Esslingen besteht aus den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Josephina Schmidt, Athanasios Tsirikiotis, Michaela Gerds, Nadine Ober und Manuel Mattner. Das Projekt ‚DISTELL‘ ist eines von zehn Projekten, die im Rahmen des Förderprogramms "Digital Innovations for Smart Teaching - Better Learning" vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg gefördert werden.

Hintergrund

Kritiker sehen in der Digitalisierung der Hochschullehre den Beginn eines schleichenden Rationalisierungsprozesses sowie die Gefahr einer Verantwortungsverschiebung im Bildungsprozess. Die Gegenseite argumentiert mit einer Flexibilisierung der Lernmöglichkeiten, neuen Chancen für ein selbstbestimmtes und individualisiertes Lernen und einer Erweiterung der didaktischen und methodischen Handlungsoptionen. Wie so oft bei medientechnologischen Neuerungen stehen sich also Skeptiker und Enthusiasten kritisch gegenüber. Das Projekt DISTELL hat sich zum Ziel gesetzt, den kontroversen Diskurs um einen empirischen Beitrag zu erweitern. Mittels einer sozialwissenschaftlichen, rekonstruktiven Methodik wurde an der Hochschule Esslingen der Kenntnisstand von Lehrenden und Studierenden im Bereich digitale Lernelemente und Lehrformate (DLL) erhoben und das individuelle Bildungsverständnis von Lehrenden und Hochschulangehörigen eruiert. Anknüpfend daran wurden Themen zur Digitalisierung der Hochschullehre ausgewählt, die in verschiedenen Qualifizierungsmaßnahmen an Lehrende und Studierende weitergegeben wurden.

Forschungsfragen

Das Forschungsteam versteht unter Medienbildung mehr als nur Medienkompetenz mit den Dimensionen Medienkunde, -nutzung, -kritik und -gestaltung (Baacke 1996). Vielmehr geht es um digitale Hochschulbildung als autonomen Bildungsprozess, als „selbstbestimmte Gestaltung der Beziehung des Menschen zu [...] sich selbst“ und zur sozialen Umwelt (Spanhel 2011:104). Die „komplexen, selbstreflexiven Lern- und Orientierungsprozesse“ der Medienbildung, die Identitätsbildung implizieren, stellen die Grundlage für die Bewältigung des Lebensalltages, „Gestaltung des eigenen Lebens“, soziale und kulturelle Partizipation dar (Marotzki/Jörissen 2010:19f). Ausgehend von diesem Verständnis knüpft das Forschungsprojekt DISTELL an die bereits vorhandenen E-Learning-Erfahrungen der Akteure der Hochschule Esslingen an und intendiert die digitale Hochschulbildung weiterzuentwickeln. Dabei werden nicht nur Chancen, sondern auch Grenzen digitalen Lehrens und Lernens in den Blick genommen. Dementsprechend lauten die Forschungsfragen: 1. Was bedeutet die digitale Hochschulbildung aus der Perspektive verschiedener Akteure (Studierende, Lehrkräfte, Organisation)? 2. Welche digitalen Lernelemente (digitale Medien, einzelne Medientechnologien und Lehrformate (Prinzipien digitaler Medien integriert in die Didaktik) können die digitale Hochschulbildung unterstützen? 3. Wie können digitale Lernelemente und Lehrformate die digitale Hochschulbildung fördern?

Forschungsphase 1:
Einstellungen zu und Erfahrungen mit DLLs

Im Februar 2017 wurde eine Online-Befragung von Lehrenden und Studierenden durchgeführt. Dabei wurden die Erfahrungen im Umgang mit digitalen Lernelemente und Lehrformaten (DLLs) abgefragt sowie die Bereitschaft diese einzusetzen erhoben. Darüber hinaus wurden grundsätzliche Einstellungen und Bewertungen von DLLs unter Studierenden und Lehrenden ermittelt. Die wiederkehrenden Antworten ließen sich zu drei idealtypischen Einstellungstypen zusammenfassen. Dem Typus der „Skepsis“ stehen der Typus „Pragmatischer Optimismus“ und „Konkreter Optimismus“ gegenüber.

Transfer der Forschungsergebnisse:
Qualifizierungsangebote

Ziel des Projektes ist es nicht nur, Wissen über die Verwendung von DLLs zu generieren, sondern dieses auch an Lehrende, Studierende und die Hochschulöffentlichkeit weiterzugeben. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Qualifizierungsangebote konzipiert, deren Inhalte sich aus den Erkenntnissen der erhobenen Daten speisen, darüber hinaus aber zusätzlich auch noch auf die Erfahrungswerte des hochschulzentralen Referates Lehre zurückgreifen. Zu den bereits durchgeführten Veranstaltungsformaten gehörten Workshops und Lessons Learned. Geplant sind für das Sommersemester 2018 sodann Online- Qualifizierungsveranstaltungen sowie die  Informationsvermittlung über die Ausgabe von digitalen Handreichungen.

Forschungsphase 2:
Bildungsverständnis von Hochschulakteuren

Aktuell befindet sich das Projekt im Abschluss der zweiten Forschungsphase. Hier ging es darum, das individuelle Bildungsverständnis unterschiedlicher Hochschulakteure zu erforschen. Zu diesem Zweck wurden Gruppendiskussionen mit Lehrenden, Beschäftigten in Verwaltung und Bibliothek und des Rechenzentrums durchgeführt sowie Gruppendiskussionen und Einzelinterviews mit Studierenden. Ergänzt wurde dieses methodische Instrumentarium um teilnehmende Beobachtungen im Rahmen von Lehrveranstaltungen. Die Daten wurden sodann nach gemeinsamen Orientierungsmustern untersucht in Hinblick auf Vorstellungen davon, was Hochschulbildung bedeutet. Ziel dieser Forschungsphase ist es, Möglichkeiten zu schaffen, die verschiedenen didaktischen und methodischen Bildungsverständnisse mit den Handlungsoptionen der DLLs in Beziehung zu setzen.

Blick hinter die Kulissen:
Wie die Videos dieses Beitrags produziert worden sind

Zeit und Geldmangel, fehlende technische Voraussetzungen und Produktionskenntnisse: Gründe gegen die Erstellung von Erklärvideos sind schnell bei der Hand. Dass es trotz aller Bedenken auch Laien relativ einfach möglich ist, Videos für die Lehre zu produzieren, hat das Projekt DISTELL mit den hiesigen Videos gezeigt. Perfektion spielt dabei eine untergeordnete Rolle; im Vordergrund steht vielmehr das praktische Handeln und die Idee, auch mit einfachen Mitteln jederzeit selbst ein Video produzieren zu können. Das Video im letzten Teil des Erfahrungsberichtes blickt hinter die Kulissen und gibt praktische Produktionshinweise, die zum Nachahmen einladen.

Über dieses Projekt

Das Projekt ‚„Digitalisierungsstrategien für effektives Lehren und Lernen (DISTELL)" ist eines von zehn Projekten, die im Rahmen des Förderprogramms „Digital Innovations for Smart Teaching - Better Learning" vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) des Landes Baden-Württemberg gefördert werden. Nähere Informationen zum Förderprogamm, sowie eine detaillierte Beschreibung des Projektes finden Sie auf der Portalseite des Förderprogramms hier auf e-teaching.org.
Zudem gibt das Projektteam mit regelmäßigen Einträgen in ein projektbegleitendes, digitales Forschungsjournal Einblick in den aktuellen Projektverlauf und bietet die Möglichkeit, über das Projekt in Austausch zu kommen.

Kontakt

Prof. Dr. Verena Ketter
Josephina Schmidt, Soz. Päd. Soz. Arb. M. A.
Athanasios Tsirikiotis, Soz. Päd. Soz. Arb. M. A.
Hochschule Esslingen
Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
Flandernstraße 101
73732 Esslingen
distell@hs-esslingen.de oder verena.ketter@hs-esslingen.de