Die Erstellung von Videos für den Fremdsprachenunterricht als Türöffner zwischen Lehramtsstudium und Schulpraxis

Das Seminar „Innovative Lehr- und Lernszenarien mit Lernvideos fördern“ richtet sich an Lehramtsstudierende der Romanistik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und der Universität Heidelberg. In diesem Seminar werden in Zusammenarbeit von Lehramtsstudierenden und erfahrenen Lehrkräften didaktische Potenziale von Lernvideos erschlossen. Dr. Nicola Brocca, Leiter des Seminars, berichtet über die dadurch erfolgte Berufssozialisation der Studierenden und nimmt die Evaluation des Projektes auf Basis von Interviews mit den Projektteilnehmenden unter die Lupe.

Im Erfahrungsbericht werden Seminaraufbau (s. Abbildung 1) und Mehrwerte des Pilotprojekts geschildert. Im ersten Seminarmodul wurden medien- und fremdsprachendidaktische Inhalte an Lehramtsstudierende vermittelt. Anschließend erstellten die Studierenden in enger Absprache mit Lehrkräften Lernvideos für den Fremdsprachenunterricht. Diese Videos wurden von erfahrenen Lehrkräften im Unterricht eingebaut und eingesetzt. Der Mehrwert des Einsatzes der Videos liegt in der Differenzierung und in der Individualisierung des didaktischen Inputs. Außerdem ergibt sich die Möglichkeit, dass innovative digital gestützte Lehr- und Lernsettings erprobt werden können (z. B. Stationenlernen, kooperative Aufgaben). Für die angehenden Lehrkräfte ist der begleitete Kontakt durch die Schule und die erfahrenen Lehrkräfte ein Weg zur Professionalisierung.

Die erstellten Materialien wurden nach dem Durchlauf im Unterricht den Teilnehmenden des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) Heidelberg (SSDL) zur Diskussion gestellt, verbessert und schließlich auf dem YouTube-Kanal der Pädagogischen Hochschule Heidelberg als OER (Open Educational Resource) für alle Interessierten zur Verfügung gestellt. Hier zwei Beispiele für die Fächer Englisch und Französisch.

Seminarplan

Abbildung 1: Ablauf des Seminars

Insbesondere sind folgende Ergebnisse für die Studierenden anzumerken:

  1. Durch die vorangegangene Analyse des didaktischen Videos kann der Kontakt mit einer unbekannten Klassengemeinde in einem geschützten Raum vorbereitet werden und eine nachhaltige Lernerfahrung im Erstellen einer Inputphase gewährleisten.
  2. Die Generierung und Erweiterung von Medien- und mediendidaktischen Kompetenzen von angehenden Lehrkräften.
  3. Die erzeugten Materialien dienen als Grundlage zur Diskussion und Reflexion über videogestützte Techniken des Präsentierens sowie zu sprachdidaktischen Aspekten. Die Diskussionen und Reflexionen aktivieren Studierende, die am Peer-Feedback-Prozess beteiligt sind.

Die Verankerung der hochschuldidaktischen Veranstaltung im schulischen Raum birgt ein großes Innovationspotenzial. Die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Studierenden schlägt eine Brücke zwischen der Lehrerbildung und der schulischen Praxis und fördert dadurch einen wechselseitigen Kompetenzgewinn. Die dadurch gewonnenen Einsichten können die Gestaltung weiterer Lehrveranstaltungen mit Lehramtsbezug inspirieren und für die Aufwertung der behandelten Disziplinen (Fremdsprachendidaktik und Mediendidaktik) sowie zur Interdisziplinarität des Studiengangs insgesamt beitragen.

Über den Autor

Dr. Nicola Brocca arbeitet seit 2019 als Post-Doc am Institut für Fachdidaktik der Uni-versität Innsbruck, wo er im Bereich der Mehrsprachigkeit im Fremdsprachunterricht, der Didaktik der Pragmatik sowie Medien integrierender sprachdidaktischer Ansätze forscht und lehrt. Von 2016 bis 2018 forschte Nicola Brocca an der Heidelberg School of Education zu den Effekten von Lernvideos auf den lexikalischen Zuwachs und die Motivation im herkunftssprachlichen Unterricht in Kooperation mit dem Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration der Bezirksregierung Köln. Mit dem Erlangen der Projektförderung PLACE 2018 entwickelte und erprobte er ein innovatives Lehrkräftebildungsformat mithilfe von Videos an der Heidelberg School of Education.

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