Online-Selbststudium in den Corona-Semestern – aus der Perspektive einer Studentin

Im Sommersemester 2020 begann Isabell Schlecht ihren Masterstudiengang „Multimediales Didaktisches Design“ an der Hochschule Ansbach – coronabedingt online, ohne ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen persönlich kennen zu lernen oder ihre Lehrenden vor Ort zu treffen. Trotzdem ist sie mit dem Start ihres Studiums weitgehend zufrieden und hat im Wintersemester 2020/21 bereits als Tutorin Erstsemester beim Einstieg ins Bachelorstudium begleitet.

Wie vielen anderen Studierenden erging es auch Isabell Schlecht, als sie im Frühjahr 2020 plötzlich vor der Herausforderung stand, ihr erstes Semester im Masterstudiengang „Multimediales Didaktisches Design“ an der Hochschule Ansbach komplett online zu absolvieren.

Im Interview mit e-teaching.org berichtet sie davon, welche Erfahrungen sie mit dem Selbststudium im Online-Semester gemacht hat, wie der Einsatz eines klassischen „analogen“ Lehrbuchs in einem E-Learning-Modul dazu führte, dass sie gerade dieses als besonders gewinnbringend empfand und welche Unterstützung Studienanfängerinnen und -anfänger beim Online-Studium benötigen.

Interview

Sie haben Ihr Masterstudium an der Hochschule Ansbach im Sommersemester 2020 begonnen, also im ersten coronabedingten Online-Semester. Wie war das für Sie: Ein Studienstart von zuhause aus, ohne Ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen zu kennen?

Isabell Schlecht: Die ungewohnte Struktur während des coronabedingten Online-Semesters hat sich zunächst weniger nach einem offiziellen Studium angefühlt, sondern mehr nach einer intrinsisch motivierten Weiterbildung von zuhause aus. Ich persönlich hatte jedoch den Vorteil, dass ich meinen Bachelor bereits an der Hochschule Ansbach absolviert habe und sowohl die Räumlichkeiten als auch die organisatorischen Abläufe bereits kannte, sodass ich leichter einen Bezug zur Hochschule herstellen konnte. Diese Hürde wurde den anderen Master-Erstsemester in einer virtuellen Einführungs- und Begrüßungsveranstaltung zu Semesterbeginn aber ebenfalls schnell genommen. Da wir mit vier Studierenden im Sommersemester 2020 ein vergleichsweise kleiner Erstsemesterjahrgang waren, hatten wir von Anfang an die meisten Module in einer festen Lerngruppe, so sahen wir uns entweder wöchentlich per Videokonferenz oder wir belegten dieselben asynchronen Module im Rahmen unseres Selbststudiums, sodass wir viele Möglichkeiten hatten, uns gegenseitig kennenzulernen.

Was hat Ihnen geholfen, Ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen besser kennenzulernen und das Gefühl einer Lerngruppe zu entwickeln?

Isabell Schlecht: Den ersten Kontakt nach der Einführungsveranstaltung hatten wir zunächst über ein Forum in einem Lernmanagement-System in einem asynchronen Modul, aber da wir schon zu Beginn Partner- und Gruppenarbeiten lösen sollten, sind wir schnell auf Kommunikation über WhatsApp umgestiegen, da wir hierbei etwas flexibler und persönlicher interagieren konnten. Besonders geholfen hat, dass die Abgaben verpflichtend waren und wir so gezwungen waren, miteinander in Kontakt zu treten und gemeinsam an einer Aufgabe zu arbeiten – der äußere Druck hat uns dabei also auch geholfen.

Parallel zu den asynchronen Fächern haben wir uns außerdem in wöchentlichen, synchronen Modulen per Videokonferenz getroffen. Besonders eine Dozentin hat dabei bereits zu Beginn viel Wert auf Austausch und Vorstellung der eigenen Person gelegt. Dadurch hatten wir leichter die doch etwas vorhandene Hemmung vor den anderen, noch „anonymen“ Mitstudierenden verloren und durch den Austausch der eigenen Meinungen konnten wir uns schneller ein Bild voneinander machen.

Da wir alle neugierig auf unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen waren und uns natürlich auch gegenseitig kennenlernen wollten, fingen wir an, für Partner- oder Gruppenarbeiten zu telefonieren oder uns außerhalb der Vorlesung per Videochat zu treffen. Zu Beginn des Semesters waren diese virtuellen Treffen noch etwas verhalten und drehten sich primär um die zu bearbeitende Aufgabe, aber im Laufe des Semesters wurden unsere Online-Treffen immer persönlicher und wir lernten uns besser kennen.

Richtig „live“ getroffen haben wir uns dann alle zum ersten Mal zu unserer schriftlichen Prüfung an der Hochschule, was ein wirklich eigenartiges Erlebnis war, weil wir das Gefühl hatten, die anderen bereits lange zu kennen. Da zu dem Zeitpunkt die Corona-Situation etwas besser war, hat sich unsere kleine Gruppe von Erst- und Zweitsemestern nach der Prüfung zum gemeinsamen Eisessen verabredet, damit wir uns noch etwas besser kennenlernen konnten, aber die Atmosphäre war bereits sehr vertraut und freundschaftlich. Wir waren alle überrascht, wie schnell uns Menschen, die wir noch nie persönlich getroffen haben, rein über virtuelle Kommunikation ans Herz wachsen können.

Eine Online-Lehrveranstaltung, die Sie besucht haben, war mit einem Buch als Grundlage organisiert. Diese Veranstaltung haben Sie als besonders positiv in Erinnerung: Wie haben Sie da gearbeitet?

Isabell Schlecht: Das Modul gehörte zum Bereich Mediendidaktik und beschäftigte sich mit der Konzeption und Implementierung digitaler Lernformate. Es war asynchron getaktet, der einzige synchrone Teil in diesem Modul bestand aus einer Videokonferenz vor der Prüfung, bei welcher Raum für Fragen geboten wurde.

Als Grundlage für die Wissensvermittlung diente ein gedrucktes Buch, nämlich das Grundlagenwerk „Mediendidaktik“ von Michael Kerres. Dieses konnten wir uns aus der Bibliothek ausleihen oder selbst kaufen. Da es für unseren Studiengang eine grundlegende Lektüre ist und mir das Lernen persönlich auch leichter fällt, wenn ich wichtige Inhalte markieren kann, habe ich mich für einen Kauf entschieden.

Wir sollten jede Woche ein Kapitel zur Wissensvermittlung durcharbeiten und parallel dazu wurde eine neue Lerneinheit in einem Lernmanagementsystem freigeschaltet, welche aus einem Übungs- und Vertiefungsteil bestand. Dort gab es jeweils eine Lernzielkontrolle mit automatischer Auswertung und Hinweisen der Dozentin zu verschiedenen Lösungsmöglichkeiten. Dieses Quiz beinhaltete exemplarische Prüfungsfragen und diente auch der Selbstkontrolle.

Es gab außerdem verschiedene Aufgaben in unterschiedlichen Formaten in einem Forum. Dies konnte eine Einzelaufgabe sein, z. B. eine Stellungnahme oder einen Erfahrungsbericht zu schreiben und mit den anderen zu teilen; manchmal wurde auch auf weiterführendes, digitales Material wie einen Podcast oder einen Artikel verwiesen, welcher Grundlage für die Aufgabenbearbeitung war. Feedback gab es hier im Forum durch die anderen Kommilitonen und Kommilitoninnen, denn wir waren angehalten, regelmäßig zu kommentieren, was stark motivierend wirkte. Aber auch unsere Dozentin kommentierte die Beiträge und fasste die wichtigsten Erkenntnisse und für die Prüfung notwendigen Inhalte am Ende einer Lerneinheit zusammen, sodass wir während der Prüfungsvorbereitung alle wichtigen Informationen gebündelt vorfanden.

In den meisten Lerneinheiten war außerdem eine Partnerarbeit integriert, bei welcher die Partnerinnen und Partner bereits durch die Dozentin manuell zugewiesen waren. Diese Arbeitspartnerinnen und -partner wechselten jede Woche, damit wir immer mit anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen in Kontakt kamen. Auch hier konnten die Aufgaben sehr unterschiedlich ausfallen, z. B. waren Aufgaben aus dem Buch dabei, die wir auch alleine hätten bearbeiten können, sodass der Fokus auf die Diskussion gelegt wurde, oder auch Aufgaben, bei welchen wir im Team eine Konzeption erstellen sollten. Feedback und einen kommentierten Lösungsvorschlag bekam jede Gruppe nach der Abgabe von der Dozentin per E-Mail. Gerade diese individuellen Kommentare habe ich als Wertschätzung der geleisteten Arbeit als sehr positiv wahrgenommen.

Was hat Ihnen an dieser Arbeitsweise so gut gefallen?

Isabell Schlecht: Besonders gut hat mit während des digitalen Semesters – und vor allem in einem asynchronen Modul wie diesem – die örtliche und zeitliche Flexibilität gefallen. Dadurch, dass wir nicht vor Ort sein mussten, habe ich mir nicht nur die Zeit zum Pendeln zur Hochschule gespart, sondern auch das Geld für Benzin und Verpflegung in der Mensa.

Ich konnte mir außerdem mehr Zeit für die einzelnen Aufgaben und die Durcharbeitung des Buchs nehmen, da ich mein individuelles Lerntempo selbst bestimmen konnte und nicht an feste Uhrzeiten gebunden war. So konnte ich mich viel intensiver und auch länger mit dem Inhalt des Moduls beschäftigen und gegebenenfalls auch eigenständig weiterrecherchieren, da die Lernzeit nicht durch einen Raum- oder Fächerwechsel unterbrochen wurde und ich mich bereits in das Thema eingearbeitet hatte.

Ging es anderen Studierenden ähnlich?

Isabell Schlecht: Diese flexible und zeitsparende Lernweise kam vor allem Studierenden, die nebenbei arbeiten, sehr entgegen, da der Lernstoff auch nach der Arbeit gut zu lernen war. Diese Erfahrung haben auch andere Studierende gemacht, jedoch gehört vor allem zu Fächern, in denen der äußere Druck durch eine festgelegte Lernzeit wegfällt, eine gute Selbstorganisation und Disziplin. Durch die Taktung des Moduls in Unterkapitel kann sich jedoch jede/r selbst leichter eine Routine und Struktur schaffen.

In der Zusammenarbeit mit anderen Studierenden ist mir allerdings aufgefallen, dass manche mit dem Lernstoff nicht so gut nachkamen und Lücken aufbauten, da sie mit der Bearbeitung länger brauchten, nicht genug Zeit dafür eingeplant hatten oder nicht genug Motivation oder Konzentration aufbringen konnten. Jedoch ist eine Taktung in einem asynchronen Fach wie diesem dennoch einer individuellen und freien Lernorganisation vorzuziehen, da so die Gruppenarbeiten besser organisiert werden konnten, wir alle zu einem ähnlichen Zeitpunkt auf einem ähnlichen Wissensstand waren und wir uns bei Fragen auch mal leichter an Kommilitoninnen und Kommilitonen wenden konnte.

Wie sind Sie selbst vorgegangen, um das Selbststudium zu organisieren und sich zum Lernen zu motivieren, nicht nur in diesem Modul?

Isabell Schlecht: Ich persönlich habe mir immer ein festes Lernziel gesetzt und mir auch feste Zeiträume für das asynchrone Modul eingeplant. Da das Modul wöchentlich getaktet war, war jede Woche ein ähnlicher Workload zu bewältigen, jedoch gab es natürlich Wochen, in denen ich mehr oder weniger Zeit hatte. Gerade deshalb hat es mir geholfen, in Wochen, in denen ich mit dem Stoff gut durchkam, etwas vorzuarbeiten, um mir ein wenig Druck rauszunehmen. So bin ich auch in anderen Modulen vorgegangen, indem ich mir den Lernstoff durch Struktur- und Lernpläne selbst gegliedert habe und genug Phasen für Puffer oder freie Tage eingeplant habe. Zusammenfassungen habe ich immer bereits bei der Bearbeitung des Abschnitts erstellt, was besonders vor Prüfungen von großem Vorteil war, da ein Großteil des Lernstoffs bereits gelernt war und nur noch wiederholt werden musste. Das spart natürlich nicht nur Zeit und Nerven in der Klausurenphase, sondern ist auch durch die verschiedenen Wiederholungsphasen effektiver.

Welche der Möglichkeiten, die Sie während der letzten Semester kennengelernt haben, haben Sie als besonders motivierend für Ihr Selbststudium erlebt?

Isabell Schlecht: Gerade wenn so viel Eigenverantwortung wie im Selbststudium aufgebracht werden muss, war die Motivation und Wertschätzung der geleisteten Aufgaben durch die Lehrperson in den individuellen Feedback-E-Mails von großer Hilfe. Auch die digitalen Lernzielkontrollen wirkten motivierend, da so der eigene Lernstand besser eingeschätzt werden konnte. Verpflichtende Abgaben und vorgeschriebene Gruppenarbeiten gaben hier außerdem die richtige Menge an sozialem Druck, um den Selbstlernprozess zu unterstützen.

Bereits im Wintersemester 2020/21 haben Sie als Tutorin Erstsemester beim Einstieg ins Bachelorstudium begleitet. Welche Schwierigkeiten haben Sie bei den Studienanfängerinnen und -anfängern beobachtet?

Isabell Schlecht: Besonders auffallend war für mich, dass viele den Unterschied zwischen Schule und Studium noch nicht richtig einschätzen konnten. Aus der Schule kannten gerade die jüngeren Studienanfängerinnen und -anfänger einen festen Stundenplan mit betreuender Lehrperson und vorgegebenem Lernstoff, der bis zur nächsten Unterrichtseinheit gelernt werden musste. Im Studium ist die Eigenverantwortung wesentlich größer und der Lernstoff wird in der Regel erst in der Klausur am Ende des Semesters abgefragt. Deshalb wussten viele zunächst nicht, wie viel sie während des Semesters mitlernen sollten und konnten schwer einschätzen, ob sie zu viel oder zu wenig lernten. Ich wurde häufiger nach Lerntipps und Strategien zur Selbstorganisation gefragt, da viele Erstsemester merkten, dass die Lernstrategie aus der Schule nicht mehr funktionierte, auch die Anforderungen an die zu erbringende Leistung in der Klausur war noch nicht klar.

Und wie haben Sie das Tutorium gestaltet?

Isabell Schlecht: Das Tutorium fand als wöchentliche, freiwillige Video-Sprechstunde zu einem festen Termin statt. Inhaltlich legte ich viel Wert darauf, vor allem Themen zu behandeln, die für die Erstsemester relevant waren. So fragte ich regelmäßig über Tools wie das Whiteboard nach Inhalten, die sie interessieren oder individuellen Wünschen für das Tutorium und holte mir regelmäßig Feedback ein. Diese Wunschthemen arbeitete ich dann für die nächste Woche aus und überlegte mir, wie ich eine Gruppenarbeit mit Breakout-Sessions integrieren könne, um die Aktivität und den Austausch anzuregen.

Auffallend war hierbei vor allem, dass viele der Studierenden ihre zuvor deaktivierte Videokamera in den Breakout-Sessions anschalteten. Da für mich der persönliche Kontakt wichtig war, orientierte ich mich natürlich vermehrt an den wohl eher extrovertierten Teilnehmenden, die ihre Videokamera aktiviert hatten, was aber auch dazu führte, dass die Kamera im Verlauf des Semesters bei persönlichem Austausch immer öfter eingeschaltet wurde. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass sich die Erstsemester immer besser untereinander kannten und sich etwas wohler fühlten mit aktivierter Kamera. Ich finde aber, es ist eine wichtige Aufgabe des Lehrenden oder Tutoren, eine solche persönliche Umgebung zu schaffen.

Wie konnten Sie die Erstsemester beim Studieneinstieg konkret unterstützen? Und was konnten Sie als studentische Tutorin leisten, was Lehrende nicht hätten leisten können?

Isabell Schlecht: Ich habe den Erstsemestern hauptsächlich bei Fragen zur Studiumsorganisation geholfen und ihnen Einblicke in spätere Module gegeben, sodass sie mehr Überblick hatten, welche Inhalte für sie besonders relevant sind. Außerdem habe ich eigene Erfahrungen aus meinem Semester mit ihnen geteilt und Lerntipps gegeben, sodass sie besser einschätzen konnten, wie hoch der Lernaufwand in welchem Fach sein sollte. Besonders wichtig war hier auch der Punkt der Motivation, da sich die Erstsemester durch die hohe Eigenverantwortung, die geringere Betreuung durch die Dozierenden in der Vorlesung im Vergleich zur Schule und die fehlenden Präsenzphasen durch das Online-Semester etwas alleine gelassen gefühlt hatten. Gerade deswegen habe ich mithilfe von verschiedenen Übungen in Break-Out-Sessions Wert auf den Austausch und das Kennenlernen der Studierenden untereinander gelegt und stand als Ansprechpartnerin bereit, an die sich die Studierenden auch im Vertrauen privat wenden konnte. Ich habe häufig Nachrichten bekommen, die von Fragen zur Prüfungsanmeldung bis hin zu Empfehlungen zu einem Grafiktablett reichten.

Gerade dieser persönliche und individuelle Kontakt auf Augenhöhe passt eher in das Aufgabengebiet eines Tutors oder einer Tutorin, da die Leistungen der Studierenden nicht bewertet werden und eine größere Flexibilität im Vergleich zu einem festen Lernstoff vorliegt. Außerdem wirken Tipps und Erfahrungsaustausche natürlich immer authentischer, wenn sie von einer nicht sehr viel älteren Person kommen, die selbst erst vor kurzem in der Situation war und von ihren eigenen Herausforderungen berichten kann.

Unser aktuelles Themenspecial auf e-teaching.org trägt den Titel „Das Selbststudium mit digitalen Medien unterstützen“, und Sie selbst studieren im Masterstudiengang „Multimediales Didaktisches Design“. Trotzdem haben Sie in vielen Ihrer Antworten eher „nicht-digitale“ Aspekte hervorgehoben, und auch die Lektüre eines analogen Buchs als besonders wertvolle Erfahrung genannt. Deshalb zum Abschluss die Frage: Welche Rolle spielen digitale Medien für Sie als Studentin bei der Unterstützung des Selbststudiums? Oder sind andere Faktoren dabei eigentlich viel wichtiger?

Isabell Schlecht: Ich finde, digitale Medien sind eine tolle Möglichkeit zur Unterstützung des Selbststudiums – gerade im Bereich der Flexibilität, z. B. durch das Lernen mit Tablets, oder für eine intensivere Beschäftigung mit Inhalten. So kann z. B. die Auseinandersetzung durch Veranschaulichungen wie Bilder, Videos, Simulationen etc. gefördert werden oder die soziale Interaktion zwischen Lernenden durch Lernplattformen angeregt werden. Gerade zu Beginn wirken professionell ausgearbeitete, digitale Lernmedien natürlich auch moderner und motivierender, auch, wenn es im Endeffekt viel mehr auf die Ausarbeitung des Moduls und die didaktische Gestaltung durch die Lehrperson und weniger auf das Medium ankommt. Ich würde eben deshalb nicht sagen, dass analoge Medien wie ein gedrucktes Buch schlechter sind oder nur noch „moderne“ digitale Medien verwendet werden sollten, denn die Potenziale von digitalen Medien kommen vor allem dann zur Geltung, wenn das Lernangebot auch angemessen didaktisch aufbereitet wurde, da Lernprozesse durch ausgefeilte Technologien lediglich optimieren werden können und nicht automatisch erzeugt werden.

Das gilt natürlich auch für die Organisation im Selbststudium, denn im Endeffekt sind und bleiben die Lernenden selbst für ihren Lernfortschritt verantwortlich, sodass ich es für viel wichtiger halte, dass die Lernenden und Lehrenden Medien richtig einsetzen. Deshalb hat auch das Arbeiten mit einem analogen Buch so Spaß gemacht. Dieses war zwar nicht so „cool“ wie digitale Medien, aber wir wurden individuell betreut, haben kooperativ gearbeitet – was natürlich auch durch digitale Medien ermöglicht wurde – und konnten unseren Lernfortschritt durch Lernzielkontrollen selbst einschätzen, was das ganze Modul trotz des analogen Mediums als Grundlage sehr abwechslungsreich und effizient gestaltet hat. Gerade in diesem didaktisch gut ausgearbeiteten und motivierend gestalteten Konzept sehe ich den eigentlichen Mehrwert.

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