Interview

Im Gespräch mit e-teaching.org erklärt Frau Dr. Aboling, was es heißt, eine Prüfung bei ihr abzulegen und warum wetterfeste Kleidung dabei von Vorteil sein kann – ein besonderes Experiment.

e-teaching.org: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen und welche Vorteile haben Sie sich von der neuen Form versprochen?

Aboling: Die Vorlesungen laufen zu großen Teilen nur sehr theoretisch ab. Aber gerade die Botanik bietet die Möglichkeit, sich auch praktisch mit den Pflanzen zu beschäftigen. Ich habe also überlegt, ob man das Ganze nicht auch anders gestalten könnte als nur im Hörsaal und mit Bildern das Wissen abzufragen. Mein Ziel war, dass die Studierenden auch in der "freien Wildbahn" erkennen können, mit welcher Pflanze sie es zu tun haben. Ich habe meinem Kollegen Dr. Jan Ehlers davon erzählt und er war sofort dafür zu haben. Auch bei Herrn Möbs von Codiplan lief ich offene Türen ein. Wir waren alle der Meinung, dass es Zeit für eine neue Stufe in der Prüfungstradition wäre. Und so ist die Idee entstanden.

e-teaching.org: Wie haben die Studierenden auf Ihr Vorhaben reagiert?

Aboling: Als ich ihnen am Anfang des Semesters von meinem Plan erzählt habe, waren sie ziemlich skeptisch, weil sie sich nicht vorstellen konnten, wie das Ganze ablaufen soll. Ich habe das aber nicht weiter mit ihnen besprochen. Ich habe sie lediglich abstimmen lassen, ob sie die Prüfung lieber elektronisch oder analog ablegen möchten. Die Mehrheit war für elektronisch.

e-teaching.org: Wie lief die Prüfung dann konkret ab?

Aboling: Es ist alles so abgelaufen, wie es sollte, was mich sehr gefreut hat. Wir hatten insgesamt zehn verschiedene Stationen an den Beeten im botanischen Garten aufgebaut. Die Studierenden mussten den "Parcours" in Fünfergruppen durchlaufen. Alle hatten einen Tablet-PC erhalten. Aus den fünf Antwortmöglichkeiten sollten sie dann die richtige anklicken. Wichtig war mir vor allem, dass sie die Pflanzen auch in die Hand nehmen mussten, damit etwas tun, sie anfassen, Fühlproben und Tastproben machen. Also beispielsweise die Inhaltsstoffe oder die Pflanzenfamilien bestimmen. Zeitmanagement war dabei alles. An den ersten acht Stationen hatten sie jeweils vier Minuten, an den letzten zwei 25 Minuten Zeit für die Bearbeitung. Wenn die Zeit um war, gab ein Helfer einen "Entenlockruf" aus einer Art Pfeife, die auch bei der Jagd verwendet wird. So wusste jeder, dass die nächste Station dran war. Das hat alles super geklappt. Wir hatten gut kalkuliert.

e-teaching.org: Wie lief die Prüfungsaufsicht ab und wie viele Leute waren vor Ort?

Aboling: Die Hochschulleitung hatte freundlicherweise einen Betreuer pro Station zur Verfügung gestellt. Außerdem gab es zirka eine Handvoll Leute, die für die Technik zuständig waren.

e-teaching.org: Gab es technische Schwierigkeiten beim Ablauf?

Aboling: Der Regen hat den Geräten scheinbar nichts ausgemacht. Ab und zu sah der Bildschirm bei manchen Studierenden etwas eigenartig aus. Auf sowas waren wir aber vorbereitet. In der Mitte des Gartens hatten wir ein großes Zelt aufgebaut, wo solche Probleme ganz schnell behoben wurden. Dort mussten dann auch alle ihre PCs abgeben, wenn sie fertig waren, sodass sie wieder "auf Null" gesetzt werden konnten für die nächsten Gruppen.

e-teaching.org: Welcher Aufwand war für die Realisierung nötig?

Aboling: Den Ablauf bis ins Detail zu planen war das Schwierigste. Da musste ja alles ganz genau auf die Minute stimmen. Davor hatte ich am meisten Angst: Dass es sich plötzlich an einer Station total staut und wir das nicht mehr kontrollieren können. Aber es war alles gut durchdacht. Insgesamt war ungefähr eine volle Woche mit acht Stunden Arbeit pro Tag für die Vorbereitung nötig. Um die ganze Technik hat sich aber Herr Möbs gekümmert.

e-teaching.org: Wie zufrieden waren Sie und die Studierenden mit der Durchführung?

Aboling: Es war ein Pilotprojekt und das Prinzip hat funktioniert. Es hat uns allen Spaß gemacht, obwohl ich sagen muss, dass es mir viel mehr um die Didaktik ging als um die technische Umsetzung. Die technische Seite war für mich nur ein Medium zum Ausprobieren, was ich aber durchaus als ersetzbar betrachte. Die eigentliche Herausforderung war wirklich die Didaktik. Die praktische Prüfung ist ziemlich gut ausgefallen, damit hatte ich nicht gerechnet. Zumal die Botanik-Vorlesung schlecht besucht wird. Das zeigt mir aber, dass sich die Studentinnen und Studenten auch außerhalb der Vorlesung mit den Pflanzen beschäftigt haben müssen, ansonsten wäre die Analyse so gar nicht möglich gewesen. Das ist natürlich ein Erfolg.

e-teaching.org: Was müsste Ihrer Meinung nach an dem Konzept verbessert werden? Werden Sie beim nächsten Durchgang etwas anders machen?

Aboling: Die Gruppen waren schon fast zu groß. Es ist relativ schwierig zu kontrollieren, ob sie sich nicht doch austauschen. Außerdem hatten die Studierenden die Möglichkeit, mit anderen Prüflingen Kontakt aufzunehmen, weil ja teilweise viele Stunden zwischen ihren Durchgängen lagen. Für diese E-Prüfung waren Multiple Choice-Fragen vereinbart. Vielleicht ist das aber auch zu einfach. Ich möchte deshalb gerne noch andere Sachen ausprobieren. Auf das E vor dem Wort Prüfung kommt es mir dabei gar nicht so sehr an.

e-teaching.org: Welche Tipps – außer wetterfester Kleidung – haben Sie für andere Lehrende, die dieses Konzept ausprobieren möchten?

Aboling: Ich habe zum Beispiel darauf geachtet, dass der Wert der Information, der in der Frage steckte, nicht nutzbar war. Also anstatt zu fragen „Welcher Pflanzenfamilie gehört die Zitronen-Melisse an?“ habe ich gefragt, „Zu welcher Familie gehört die Pflanze an Station Nr. 3?“ und dann mussten sie es selbst zuordnen, ohne dass die Pflanzenart in der Frage identifiziert wurde. Der Erfolg ist in erster Linie abhängig von der Art der Fragen und nicht so sehr von der Medientechnik. Wichtig war auch, Herrn Weiser als Chefgärtner des Heil- und Giftpflanzengartens in die Vorbereitungen so einzubinden, dass er und sein Team die Art der Prüfung akzeptieren. Also zu tolerieren, dass 240 Leute auf den Beeten herumlaufen und Pflanzenproben nehmen. In einem Garten, wo das alles natürlich verboten ist. Ich habe also genaue Vorgaben für das Sammeln gemacht, und mir schien das Sammeln auch ohne besonderen Schaden vonstatten gegangen zu sein. Aber ich muss noch mit den Gärtnern sprechen.

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