Sprachliches Lernen mit digitalen Tools im Fachunterricht

Sprachliche Kompetenzen sind eine wesentliche Voraussetzung, um dem Unterricht folgen zu können. Viele Schülerinnen und Schüler verfügen jedoch nicht über ausreichende sprachliche Kenntnisse. Darauf müssen angehende Lehrerinnen und Lehrer vorbereitet sein, nicht nur im Fach Deutsch. Gleichzeitig ist die Digitalisierung in der Schule angekommen. Wie können Lehrkräfte digitale Tools für das sprachliche Lernen einsetzen? Wie lässt sich das gut im Studium vermitteln? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Podcasts.

Anhand des Seminars „Digitaler Content für den sprachsensiblen Fachunterricht“ sprechen Dr. Till Woerfel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln und Lara Bäuml, Lehramtsstudentin, über ihre Haltung zur Digitalisierung, Erfahrungen aus dem Seminar und nützliche Tools für sprachliches Lernen. Das Seminar ist Teil des Moduls „Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte“ an der Universität zu Köln, das für alle Lehramtsstudierenden verpflichtend ist und grundlegende Kenntnisse über sprachliche Bildung vermittelt. Das Gespräch moderiert Anna Niewerth, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation am Mercator-Institut.

Bildbeschreibung (1 - 3 Wörter)Abb. 1: Ablauf des Seminars (CC BY ND 4.0 DE i-gelb/Christopher Kienecker/Mercator-Institut)

 

Zur Audio-Version des Interviews im e-teaching.org-Podcast.


Interview

Hinweis: Es handelt sich um das Transkript des Podcasts in voller Länge.

Sprachliche Kompetenzen sind eine wesentliche Voraussetzung, dem Unterricht folgen zu können. Viele Schülerinnen und Schüler jedoch verfügen nicht über diese ausreichenden sprachlichen Kenntnisse und angehende Lehrerinnen und Lehrer müssen darauf vorbereitet sein – und das nicht nur im Fach Deutsch. Gleichzeitig ist die Digitalisierung in den Schulen angekommen und in Zeiten von Corona – wir zeichnen am 26. März 2020 auf – umso mehr. Die Frage ist daher: Wie können Lehrkräfte digitale Tools für das sprachliche Lernen einsetzen und wie lässt sich das gut im Studium vermitteln? Darüber wollen wir in diesem Podcast sprechen, der Teil des Themenspecials „Digitale Medien im Lehramtsstudium“ auf e-teaching.org ist. Mein Name ist Anna Niewerth, ich leite die Stabsstelle Kommunikation am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität Köln und ich spreche heute mit Dr. Till Woerfel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator-Institut, und mit Lara Bäuml, die an der Universität zu Köln Lehramt mit den Fächern Musik und Französisch studiert. Und da auch wir derzeit „remote“ arbeiten, zeichnen wir den Podcast digital auf und sitzen uns nicht gegenüber. Lara, ich würde gern mit einer Frage an dich starten, und zwar wird Lehramtsstudierenden häufig bescheinigt, dass sie keine Enthusiasten der Digitalisierung sind. Wie siehst du das?

Lara Bäuml: Ich finde, das kommt total auf die Studierenden an. Also ich persönlich finde Digitalisierung klasse und ich beschäftige mich auch sehr gerne damit. Ich habe aber auch leider sehr viele Kommilitonen, die da wirklich kein Interesse dran haben und teilweise auch wirklich noch Angst vor den digitalen Medien haben.

Und was nutzt du selbst beim Lernen oder bei der Vorbereitung?

Lara Bäuml: Ich persönlich habe mittlerweile gar kein Papier mehr, also ich mache alles über Tablet oder Laptop. Ich habe jetzt dieses Semester erstmalig kein Blatt Papier mehr nach Hause genommen, weil ich mir die Arbeitsblätter der Dozierenden immer eingescannt habe und die Ausdrucke dann weitergereicht habe. Also ich hatte wirklich gar kein Papier dieses Semester. Das hat mir dann einfach sehr viel, sage ich mal, Tragemüll erspart und auch sehr viel leerere Ordner jetzt bei mir zu Hause.

Dann fragen wir mal den Dozenten: Wie sieht es bei Dir aus?

Till Woerfel: Ich persönlich benutze immer noch Papier. In meinem Arbeitskontext tatsächlich nutze ich fast kein Papier mehr, aber umso mehr digitale Medien natürlich. Das stellt einen ganz großen Teil meiner Arbeit dar.

Und wie hast du die Studierenden wahrgenommen?

Till Woerfel: Vielleicht muss man erst nochmal sagen, diese Aussage „Lehramtsstudierende seien keine Enthusiasten der Digitalisierung“, das geht auf einen Bericht zurück, beziehungsweise auf eine Studie. Das ist der „Monitor digitale Bildung“ von 2016, wo man eben flächendeckend unter anderem auch Lehramtsstudierende zu ihrem Einsatz digitaler Medien befragt hat und dann eben zu dem Schluss kam, dass im Vergleich zu anderen Studierenden besonders den Lehramtsstudierenden bescheinigt wird, wenig digital affin zu sein. Das kann ich in meiner Erfahrung an der Uni Köln so nicht bestätigen. Es gibt solche Studierenden, die tatsächlich wenig digital affin sind und die auch keine großen Enthusiasten sind. Und es gibt aber eben den anderen Pool an Studierenden, die tatsächlich sehr viel mitbringen, auch tolle Ideen haben und für die, so wie Lara das eben geschildert hat, es Alltag ist, digitale Medien zu nutzen.

Du hast ja auch ein Seminarangebot mit dem Titel „Digitaler Content im sprachsensiblen Fachunterricht“. Zunächst mal: Was ist sprachsensibler Fachunterricht?

Till Woerfel: Das geht auf die Erkenntnisse der großen Bildungsvergleichsstudien der 2000er zurück, wo eben festgestellt wurde, dass besonders in Deutschland ein großer Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und sprachlichen Kompetenzen besteht und sich die Schule eben besonders schwer im Umgang mit sprachlich heterogenen Schülerinnen und Schüler tut. Egal, ob diese jetzt ein- oder zweisprachig aufgewachsen sind – es geht hauptsächlich darum, dass wenn ich einen geringen Zugang zu Bildung habe, mir häufig sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten fehlen, die notwendig sind, um die Lernziele und Kompetenzen in der Schule zu erreichen. Ein Rückschluss daraus ist: Sprachen und Lernen sind untrennbar miteinander verbunden. Fachsprachliche Fähigkeiten werden am effizientesten in dem Kontext erworben, in dem man sie braucht – das ist dann eben im Fachunterricht. Da knüpfen dann solche sprachsensiblen Unterrichtsansätze an. Erstmal ist sprachsensibler Unterricht ein Sammelbegriff, der für unterschiedliche Unterrichtsansätze steht. Alle haben im Endeffekt ein wesentliches Element: Die in den Unterricht integrierte gezielte sprachliche Unterstützung von Schülerinnen und Schülern.

Und was kann ich mir unter dem „digitalen Content“ vorstellen?

Till Woerfel: Das sind Unterrichtsinhalte, die mit digitalen Medien erstellt oder angereichert werden und sinnvollerweise im Unterricht didaktisch eingebettet sind. Die digitale Transformation bietet, was die Individualisierung von Lernprozessen betrifft, natürlich ein ganz besonderes Potenzial – zumindest versprechen wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler uns das davon, ebenso wie die Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker. Das ist natürlich im Hinblick auf sprachsensiblen Unterricht beziehungsweise die sprachliche Bildung besonders interessant. „Digitaler Content“ in diesem Zusammenhang bedeutet, dass wir uns überlegen: Wie können wir sinnvoll den Unterricht mithilfe digitaler Bildungstechnologien anreichern, sodass wir die Potenziale für die sprachliche Bildung nutzen.

Lara, du studierst Musik und Französisch. Welchen digitalen Content hast du im Rahmen des Seminars erarbeitet? Wie konntest du diese Themen für deine Fächer verknüpfen?

Lara Bäuml: Ich habe mit drei Kommilitonen zusammen eine sprachsensible Unterrichtseinheit im Musikunterricht geplant, in dem wir uns mit Charakterisierungen von verschiedenen Figuren zum Thema „Die Zauberflöte“, also zu der Oper, beschäftigt haben. Wir haben dabei festgestellt, dass man beim Musikunterricht genau überlegen muss, wo das geht mit den digitalen Medien, weil man ja prinzipiell ein digitales Medium immer dann im Musikunterricht einsetzt, wenn man Musik abspielt. Da ja der Musikunterricht wirklich sehr praktisch orientiert ist, macht da Arbeit mit digitalen Medien wenig Sinn, weil es da natürlich auch weniger um Textinhalte geht als um praktisches Erfahren oder auch Produzieren von Musik. Und da haben wir festgestellt, wenn es um Charakterisierungen geht im Musikunterricht, dann kann man da sehr viel Unterstützung durch die digitalen Medien beziehen.

Wie sieht das ganz konkret aus?

Lara Bäuml: Wir haben mithilfe der Lernplattform ILIAS, die es bei der Universität zu Köln gibt, ein Lernmodul entwickelt, mit dem dann die Schülerinnen und Schüler durch eine Unterrichtseinheit geführt werden. Die Lehrkraft wird in dem Sinne als Begleiter und Betreuer dieser Einheit angesehen, die die Schüler bei den technischen Fragen unterstützt oder auch wenn es inhaltliche Fragen gibt, aber die Lerneinheit ersetzt das quasi und dadurch können die Schüler in ihrem individuellen Tempo in Gruppen zusammen lernen.

Till, vielleicht nochmal an dich die Frage: Wie hast du aus Dozentensicht die Studierenden dabei begleitet diese eigenen Lerneinheiten zu entwickeln oder wie war das Seminar aufgebaut?

Till Woerfel: Das Seminar ist nach einem Blended Learning-Konzept aufgebaut (vgl. Abb. 1), das heißt, dass die Studierenden selber auch erfahren wie es ist, wenn sie sich Wissen selbst aneignen müssen, wenn die Wissensvermittlung ausgelagert ist. Da gab es verschiedene Formen, also ich habe zum Beispiel auch ILIAS benutzt. Da haben die Studierenden dann zum Beispiel ein Lernmodul zu Mehrsprachigkeit durchlaufen, dass ich erstellt habe, wo unterschiedliche Texte zur Verfügung gestellt wurden und Videos, zu denen die Studierenden Aufgaben virtuell erledigen mussten. Es gab auch Phasen, die daran angeknüpft haben. Das sind dann solche Inverted Classroom-Ansätze, die ich verwendet habe. Das heißt, dass wir dann in der anschließenden Präsenzsitzung das angeeignete Wissen angewendet haben. Die Studierenden haben häufig in Kleingruppen zusammengearbeitet, haben sich beispielsweise mit der Analyse von authentischen Schülertexten auseinandergesetzt und haben nach und nach gelernt, wie man eine sprachsensible Unterrichtsstunde konzipiert. Andererseits gab es aber eben auch solche Sitzungen, die ausschließlich online stattgefunden haben, wo es dann keine Präsenzveranstaltungen gab. Das war in zwei Sitzungen der Fall. Parallel haben die Studierenden sich selber vorbereitet, nämlich wenn es darum ging, ihre digitalisierungsbezogenen Kompetenzen zu erweitern. Das führt ein bisschen zurück zur Seminarkonzeption. Das war nämlich eine mehrstufige Zusammenarbeit an der Uni Köln, einmal mit mir als Dozent und dem DaZ Modul, das am Mercator-Institut verortet ist und der AG Digitale Lehre vom Zentrum für Lehrer*innenbildung. Die haben mich unterstützt, einmal in der Konzeption des Seminars, aber auch in der Auswahl von sogenannten Selbstlerneinheiten aus dem Universitätsverbund für Digitales Lehren und Lernen in der LehrerInnenbildung, kurz digiLL. Das sind kurze 20 bis 25-minütige Selbstlernmodule, die die Studierenden absolviert haben, vier bis fünf Stück waren das insgesamt, zum Beispiel zur Vielfalt digitaler Medien oder zum kritischen Umgang mit digitalen Medien im Unterricht. Im Laufe des Semesters mussten die Studierenden diese Lernmodule eigenständig durchlaufen und das hat sie darauf vorbereitet und ihnen auch Hinweise und Ideen geliefert, wie sie in der dreiwöchigen Gruppenphase dann selber digitalen Content angewandt haben. Zum anderen haben wir aber auch während der einzelnen Sitzungen Ideen ausgetauscht, wie die im Seminar angewendeten Blended Learning-Szenarien eben für den zukünftigen Lehrerberuf nützlich sind: Wie kann man sowas anwenden, wo bietet es sich beispielsweise an, Wissen auszulagern in Bezug auf die verschiedenen Anforderungsbereiche, wo vielleicht nicht, und was kann man auslagern und was hat eher Platz im Präsenzunterricht.

Auf die Frage, was davon man mit in die Schule nehmen kann würde ich Lara gerne gleich auch noch befragen. Vorab noch eine Frage zum Uni-Kontext: Gibt es viele solcher Seminare, die Du schon besucht hast, die sich auf diese Art und Weise mit Digitalisierung auseinandersetzen?

Lara Bäuml: Ehrlich gesagt war es das erste Seminar, das ich in dem Kontext gesehen habe, was sich mit Digitalisierung überhaupt beschäftigt. Deswegen wollte ich das auch unbedingt besuchen, weil ich das super spannend fand und finde, dass man sowas auf jeden Fall für die Zukunft braucht. Aber die meisten Veranstaltungen sind eher nicht so. Ich glaube, das einzige, was ich noch weiß: Es gab eine Online-Vorlesung, die komplett online stattgefunden hat an der Uni Köln. Aber mir persönlich ist jetzt noch kein Kurs in meinen Fächern begegnet, der damit gearbeitet hat.

Da scheint es also noch Nachholbedarf zu geben. Jetzt warst du ja glückliche Teilnehmerin dieses Seminars. Was hast du denn daraus mitgenommen in Vorbereitung auf deine spätere Tätigkeit an der Schule?

Lara Bäuml: Ich kann das jetzt einfach mal rekapitulieren, was wir in diesem Lernmodul damals gemacht hatten. Wir hatten da einmal Mentimeter benutzt, wo man verschiedene Sachen mit machen kann. Dann gibt es generell so Programme mit denen man „Drag and Drops“ macht. Die Schüler müssen verschiedene Sachen miteinander verbinden müssen und das System kontrolliert dann automatisch, ob sie richtig liegen oder nicht. Das gab es in der Lernplattform ILIAS. Dann generell, was auch für Musiker relevant ist, Audacity, ein Programm mit dem man bestimmte Musikfiles schneiden kann. Was haben wir noch gemacht… PowerPoint, das Mittel der Wahl, wo man einfach ganz viel dran zeigen kann. Speziell fällt mir auch noch die Dokumentenkamera ein, die auch im Praxissemester dann doch so einiges gerettet hat, weil man damit besser arbeiten kann als mit dem Overhead-Projektor.

Ich stelle die Frage dann auch noch mal an Till, um noch mal auf das Thema sprachliche Bildung zurückzukommen. Gibt es da aus deiner Sicht besondere Einsätze, wie man digitale Medien speziell zur Vermittlung sprachlicher Aspekte nutzen kann?

Till Woerfel: Das passiert zum Beispiel im Deutschunterricht über QR-Codes, die auf einem Arbeitsblatt zum Verfassen eines Unfallberichts platziert werden, worüber dann die Schülerinnen und Schüler zusätzliche Hilfestellung bekommen. Das müssen sie einfach mal abscannen mit einem mobilen Endgerät, wenn sie das brauchen. Die, die es nicht brauchen, machen das nicht, die die es brauchen, machen das und kriegen dann Beispielsequenzen vorgespielt, wie ein Unfallbericht aussieht – über Audio oder auch einem Beispieltext – und sie können sich darüber auch sprachliche Hilfestellung abholen. Das ist jetzt nichts Neues, QR-Codes werden schon flächendeckend im Unterricht eingesetzt, aber mit Bezug auf die sprachlichen Hilfen stellt das noch mal eine Alternative beispielsweise zu analogen Formen dar (wenn die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel einfach nach vorne zum Lehrer gehen und sich eine Wortkarte abholen, wo noch mal ein Begriff, ein Fachbegriff zum Beispiel, erklärt wird). Das können sie dann für sich individuell machen und das kriegt dann auch niemand mit. Ein schönes Beispiel aus dem sprachsensiblen Sportunterricht sind Erklärvideos zu sprachbildenden Mitteln. Da hat die Gruppe zum Thema „Pritschen im Sportunterricht“ eine sprachsensible Unterrichtsstunde in Form eines Parkour-Laufs konzipiert und haben dort Erklärvideos eingebunden, wo die Schülerinnen und Schüler sich dann einerseits die für das Pritschen notwendigen Bewegungsabläufe anschauen können und gleichzeitig über Untertitel, die die Studierenden eingefügt haben, das ganze auch sprachlich begleitet wird, hier mit einem Fokus auf Wechselpräpositionen. Und auch noch ein schönes Beispiel, vielleicht noch als letztes: da wurde das Tool „Prezi“ eingesetzt zum Verfassen einer Bildbeschreibung im sprachsensiblen Kunstunterricht. Das ist dann ein bisschen analog zu der PowerPoint. Aber Prezi bietet auch die Funktion, beispielsweise in ein Gemälde, was in der Prezi platziert ist und Gegenstand der Unterrichtsstunde ist, rein zu zoomen und sich zu bestimmten Gegenständen noch mal Begriffe anzeigen zu lassen oder auch zusätzliche Erklärungen oder eben diese angesprochenen sprachlichen Hilfen zum Verfassen einer Bildbeschreibung.

Wir kommen tatsächlich jetzt so langsam auch schon zum Ende des Podcasts. Ich würde euch beiden gerne aber noch eine Frage zum Schluss stellen. Dich, Lara, würde ich gerne fragen, wie du weitermachst mit dem Thema Digitalisierung für deinen späteren Beruf als Lehrerin.

Lara Bäuml: Ich habe fest vor, wenn ich in die Schule gehe, dass ich sehr viel digital arbeiten möchte. Gerade im Französischunterricht fände ich es sehr wichtig, das mit einzubeziehen. Denn es gibt so viele Arten und Weisen, das digitale Lernen zum Vokabellernen, zum Textlernen oder ähnlichem zu nutzen. Und auch im Musikunterricht gibt es so viele schöne Varianten, wie man digitale Medien einbringen kann, um den Schülern einfach sehr viel Kreativitätsfreiraum zu geben und auch einfach den Unterricht ansprechender zu gestalten, als wenn man immer nur weiter Info-Texte zum Beispiel im Musikunterricht zu den Komponisten austeilt, als wenn wirklich versucht, zum Beispiel Komponisten greifbar zu machen, in dem man digitale Medien zur Unterstützung einsetzt.

Und Till, hast du schon Ideen, wie du die Lehre für dich weiterentwickelst?

Till Woerfel: Ja klar, aus gegebenem Anlass bin ich natürlich in diesen Quarantäne-Zeiten sehr gut aufgestellt, was das Seminar betrifft, weil ich nur so ein paar Sachen umstellen muss. Ich bin jetzt gerade dabei, die komplette Lehre auf ausschließlich online zu stellen (die wesentlichen Überarbeitungen können hier eingesehen werden), für dieses Seminar. Das heißt, dass einfach diese Präsenzphasen auch online stattfinden und ansonsten wird das Seminar auch weiterhin begleitet. Ich habe mit einer Kollegin Ilka Huesmann ein kleines Lehrforschungsprojekt und wir wollen das auch perspektivisch in der Praxis erproben. Das heißt, dass wir tatsächlich Ideen der Studierenden nehmen und das zum Beispiel im Praxissemester oder in Ferienschulen testen, weil das auch natürlich ein wichtiger Punkt ist, wie solche auf dem Blatt erstellten Szenarien tatsächlich dann auch in der Praxis umsetzbar sind und wie sie sich umsetzen lassen. Ein schöner Outcome aus dem Ganzen ist auch ein Lernmodul, das zu dem Seminar für den Universitätsverbund digiLL entstanden ist. Da können alle an der Digitalisierung Interessierten lernen, wie man im DaZ-Modul oder im universitären Kontext ein Blended Learning-Konzept erstellt und sprachbildungs- und digitalisierungsbezogene Kompetenzen gemeinsam vermittelt. In dem Zusammenhang erstellt eine Gruppe, nämlich die Musikgruppe, auch ein Lernmodul, das dann zukünftig in dem Seminar als Beispiel dienen wird. Das heißt zukünftige Studierende lernen von ehemaligen Studierenden und lassen sich inspirieren. Das finde ich eine ganz tolle Geschichte und das möchte ich zukünftig auch weiterverfolgen, dass solche Lernmodule dann auch von Studierenden entstehen, die dann dort ihre Gruppenbeispiele präsentieren und die dann als Inspiration für alle Interessierten gelten.

Ja, ich denke das sind doch ganz gute Aussichten, auch in diesem herausfordernden Zeiten, für die digitale Lehre. Ich danke euch beiden sehr für das Gespräch.

Über die Autoren

Dr. Till Woerfel

Dr. Till Woerfel ist seit 2017 Post-Doc am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache in der Abteilung Sprache und Bildungssystem. Er verantwortet dort den Arbeitsbereich Wissen! Was wirkt? und leitet das BMBF-Projekt „Einsatz digitaler Schreibtools im Fachunterricht der Sekundarstufe“ (EdToolS). Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Deutsch als Fremdsprache der Ludwig-Maximilians-Universität München und wurde 2016 zum Einfluss von Sprachdominanz und sprachspezifischen Mustern bei bilingualen türkisch-deutschen und türkisch-französischen Kindern promoviert. Till Woerfel forscht zu Mehrsprachigkeit und sprachlicher Bildung und interessiert sich in diesem Zusammenhang für digitalisierungsbezogene Themen.

Lara Bäuml

Lara Bäuml studiert im Master of Education Musik und Französisch an der Universität zu Köln und der Hochschule für Musik und Tanz Köln, sowie in Lille. Ihr Interesse gilt seit dem Studium dem Einsatz digitaler Medien in Lernfeldern, insbesondere an Schulen.

Anna Niewerth

Anna Niewerth hat Kommunikations- und Politikwissenschaft in Münster, Berlin und Lyon studiert. Während des Studiums hat sie Praxiserfahrungen im Deutschen Bundestag, bei Kommunikationsagenturen und im Stiftungs- und Non-Profit-Sektor gesammelt. Nach dem Studium arbeitete sie in der Kommunikationsabteilung der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Berlin, wo sie die Kommunikation für Projekte im Bildungssektor betreute. Im Mercator-Institut leitet sie die Stabsstelle Kommunikation und ist Ansprechpartnerin für Presseanfragen.

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