Neue Ausgabe bildungsforschung zum Thema "Reflexives Lernen"

18.12.2008: Die Ausgabe "Reflexives Lernen" (hrsg. von Prof. Dr. Thomas Haecker, Wolf Hilzensauer & Prof. Dr. Gabi Reinmann) ist erschienen.
Aus dem Editorial:

"Reflexives Lernen als Grundlage Lebenslangen Lernens ist nicht nur aus pädagogischer Sicht interessant, sondern auch aus historischer, philosophischer, psychologischer und praktischer Perspektive. [...] [D]ie thematische Breite der Artikel zeigt, dass das Thema eine hohe Relevanz in aktuellen Bildungsbereichen hat und ein Bedarf an konkreter Auseinandersetzung mit reflexivem Lernen von theoretischer und praktischer Seite vorhanden ist. Die Beiträge bewegen sich [...] im Spannungsfeld zwischen theoretischen und praktischen Auseinandersetzungen mit Reflexion und deren Bedeutung in unterschiedlichen Bildungskontexten."

Zur Anregung der Leserinnen und Leser hier die Anmoderation der einzelnen Artikel (auch aus dem Editorial):

Der Beitrag vonIngeborg Schüßlerthematisiert die „Irritation als Lernanlass“ und beschreibt die methodische Umsetzung in Form provokativer Interventionen. Diese bewusst angestoßenen Provokationen lösen interne Dilemmata aus, welche wiederum nur durch Reflexion bearbeitet bzw. gelöst werden kann. Eine Untersuchung von Führungskräften skizziert exemplarisch unterschiedliche reflexive Lernformen und macht deutlich, dass man Lernprozesse am besten begleiten kann, indem man Differenzerfahrungen und deren reflexive Verarbeitung ermöglicht.

Tobias Jenertzeigt in seinem Beitrag anhand des Studienprogramms Begleitstudium Problemslösungskompetenz, dass offene Lehr-/Lernformen auch zu negativen Lernerfahrungen führen können, wenn man zu wenig über die persönlichen Lernprozesse weiß und/oder wenn Selbstlernkompetenzen fehlen. Er zeigt, dass und wie man diese Hürden des selbstorganisierten Lernens durch Reflexion nehmen kann. In den Ausführungen werden drei Ebenen der Reflexion aufgezeigt und theoretisch untermauert, die für ein ganzheitliches Reflexionsverständnis von wesentlicher Bedeutung sind. In dem beschriebenen Beispiel des Begleitstudiums an der Universität Augsburg wurde diese ganzheitliche Reflexion methodisch auf einer breiten Ebene implementiert.

Der Beitrag vonWolf Hilzensauergibt einen Überblick über Theorien, Konzepte und Methoden der Reflexion und zeigt auf, dass weder theoretische noch methodische Handlungsanleitungen ausreichende Hinweise zu Reflexionsprozessen im Allgemeinen und Reflexion über das Lernen im Besonderen geben. Gerade die methodischen Anleitungen lassen eine nur ungenügende Differenzierung des Reflexionsprozesses zu. Selbst so genannte reflexiven Lernmethoden wie Portfolio und/oder E-Portfolio scheinen sich nur oberflächlich mit der Reflexion des Lernens zu beschäftigen. Neben einer Auflistung bestehender Theorien und Konzepte zur Reflexion beschreibt er ein Modell, das eine Unterscheidung zwischen Lerngegenstand, Lernhandlung und Lernvermögen ermöglicht. Darüber hinaus werden Aspekten der Dialogischen Didaktik nach Urs Ruf als mögliches Modell zur Differenzieriung der Reflexionskompetenz skizziert.

Der Beitrag vonDaniela RottländerundBianca Rotersbeschäftigt sich mit der Erweiterung des Reflexionsbegriffs in der Lehrerbildung um eine pragmatische Sichtweise nach Dewey; damit wird auch die internationale Diskussion mit aufgenommen. Deweys Position ist für die Lehrerbildung besonders geeignet, weil diese traditionell auch darauf abzielt, die Verknüpfung von Theorie und Praxis zu reflektieren, um Handlungsmöglichkeiten zu erweitern und Handlungsqualität zu erhöhen. Die reflexive Haltung soll Unsicherheiten entgegenwirken und u. a. konstruktive Selbstkritik ermöglichen und fördern. Im vorliegenden Beitrag sind neben einer sprachlichen Differenzierung drei konkrete Aspekte des „reflektierenden Lernens“ beschrieben und zum Zwecke einer umfassenden Reflexionsdiskussion „pragmatisch kommentiert“.

Corinne Wyssgeht in ihrem Beitrag ausgehend von aktuellen Diskussionen zur „Ouput-Orientierung“ in der Schule auf unterschiedliche Wissensebenen des professionellen Lehrerwissens ein. Dabei beschreibt sie Forschung, Kommunikation und Reflexion als die zentralen Merkmale einer professionellen Lehrperson. Unter Zuhilfenahme des Modells von Schön (mit den beiden Ebenen der ‚Reflexion in der Handlung’ und der ‚Reflexion über die Handlung’) postuliert sie zwei weitere Ebenen der Reflexion: die offene und die geschlossenen Reflexion. Auf Basis dieser Erkenntnisse skizziert sie ein Forschungsprojekt, das die Reflexionsfähigkeit von Lehrpersonen auf unterschiedlichen Ebenen untersucht.

Der Beitrag vonDirk Blotzheim, Svenja KamperundRalf Schneidergeht der Fragestellung des „Wissens und Handelns in der Sportlehrerausbildung“ nach: Dort herrscht teilweise eine Kluft zwischen theoretischem Wissen und praktischem Handeln, was sich gerade bei Sportlehrern negativ auswirken kann, wenn die Fähigkeit einen Sport praktisch auszuüben gleichgesetzt wird mit der Fähigkeit, dieses Wissen auch zu vermitteln und weiterzugeben. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wird der Ansatz des Forschenden Lernens als zentraler Bestandteil reflexiven Lernens in der Sportlehrerausbildung zur Vermittlung der notwendigen metakognitiven Kompetenz angestrebt.

Alle Artikel sind ab heute kostenlos und frei unterhttp://bildungsforschung.orgzugaenglich.

Gepostet von: mschmidt
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