Lesetipp: Aktionsfelder der Hochschuldidaktik

27.01.2012: Da im Band „Aktionsfelder der Hochschuldidaktik“ viele auch in der E-Learning-Szene bekannten Autorinnen und Autoren vertreten sind, haben wir uns die Neuerscheinung etwas genauer angeschaut. Das Thema Mediendidaktik in der Hochschuldidaktik wird immerhin von zwei Autoren aufgegriffen.

Weil, Schiefner, Eugster, Futter (Hrsg.): Aktionsfelder der Hochschuldidaktik. Von der Weiterbildung zum Diskurs. Waxmann, 2011: Münster u.A.

Der Sammelband "Aktionsfelder der Hochschuldidaktik“ ist Peter Tremp gewidmet, der von 2004-2011 Leiter des Bereichs Hochschuldidaktik der Universität Zürich war. Er soll einen Überblick über die Konzeption von Hochschuldidaktik der Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik der Universität Zürich und Anregungs- und Reflexionspunkte für die zukünftige hochschuldidaktische Arbeit bieten. Gegliedert ist das Buch in vier Aktionsfelder, in denen die Hochschuldidaktik aktiv ist: Weiterbildungszentrum, Expertiseagentur, Diskursraum und Zukunftslabor. Zu Grunde liegt ein Verständnis von Hochschuldidaktik, „das Lehren und Lernen an der Hochschule in seiner Mannigfaltigkeit und Mehrperspektivität betrachtet und weniger das Lamentieren über unzureichende Strukturen[…]“.  Hochschuldidaktik sollte nach Meinung der Autorinnen  und Autoren dabei vor allem nicht auf ein reines Dienstleistungsverständnis verkürzt werden, sondern wissenschafts- und forschungsbasiert sein. Die zwei Pole Wissenschaftlichkeit und Praxistauglichkeit, die in der universitären Weiterbildung in Einklang gebracht werden müssen, thematisiert u.a. Mandy Schiefner (Rohs). In diesem Beitrag wie in vielen anderen enthalten ist der Hinweis auf die Reflexion als zentrales Prinzip hochschuldidaktischer Weiterbildung. Reflexion scheint insbesondere wichtig, da Lehrende keine Neulinge im Feld der Lehre sind, da sie Lehre ja schon als Studierende erfahren haben und durch diese geprägt wurden – dabei natürlich insbesondere durch die Lehrmethoden ihrer eigenen Fachkultur. Ein Programm zur hochschuldidaktischen Weiterbildung, das insbesondere auf die Reflexion abzielt, beschreibt Kathrin Futter. Das Projekt „Teaching Skills“ der Uni Zürich wurde in enger Zusammenarbeit mit den Fakultäten für den wissenschaftlichen Nachwuchs konzipiert und kann mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Wichtig war es den Entwicklern, dass sich damit sehr individuelle Lehrkompetenzen entwickeln können. Wichtiger Baustein des Programms ist die „Kollegiale Hospitation“ – und auch die muss erlernt werden. Zum Programm gehört außerdem in gleichen Teilen Lehrtätigkeit und der Besuch von Kursen. Weiterer Baustein des Programms ist die Reflexion in einem Lehrportfolio.

Im Kapitel „Expertise Agentur“ wird u.a. das Problem thematisiert, dass in der Hochschuldidaktik Fachexperten auf  (fachliche) Laien treffen. Didaktik wird beschrieben als „Wissenschaft, die in den Revieren anderer mittut und (deshalb) zugleich um den Status als Wissenschaft bemüht sein muss“. Koni Osterwalder fragt in seinem Beitrag kritisch, ob eine Verwissenschaftlichung der Hochschuldidaktik wirklich der Sache dienen kann. Zum Thema, welche Potenziale sich durch ein Nebeneinander von allgemeiner Hochschuldidaktik und dem Diskurs um neue Lehr-/Lerntechnologien ergeben, schreibt Osterwalder: „Das Potenzial liegt im unbelasteten, kreativen und spielerischen Umgang mit den neuen Technologien. Und es liegt auch in der damit verbundenen Lust, Innovationen anzudenken. Es ist schade, wenn dieser Dynamik die Relevanz abgesprochen wird. Andererseits hängen die grundlegenden Fragen zur Lehre nicht davon ab, ob man mehr oder weniger Technologien einsetzt. Ich stelle mich auf den Standpunkt, dass die angesprochene Zweiteilung ein Zeitphänomen ist. Die Durchdringung der Lehre mit neuen Technologien nimmt zu und hält damit Einzug in die normale didaktische Handlungspraxis“ (Ostewalder, 156).

Mandy Schiefners
Artikel „Mythos Web 2.0: Medien in Bildungsinstitutionen“ ist der einzige Artikel, der sich explizit mit dem Thema neue Medien in der Hochschuldidaktik auseinandersetzt. Sie geht der zentralen Frage auf den Grund, warum soziale Medien, wenn sie denn eingebunden werden, von Schülerinnen und Schülern bzw. Studierenden so wenig eigenaktiv genutzt werden. Eine aktive, kollaborative Nutzung finde meist nur durch das Aufbauen von festen Verbindlichkeiten statt. Lasse man diesen „Druck“ weg, blieben die Studierenden eher passiv, so Schiefner. Als Grund sieht sie u.a. mangelnde didaktische Konzepte an. Für Lehrende bedeute der Einsatz oft Mehrarbeit durch die erhöhte Interaktion, für Studierende komme die Schwierigkeit mit dem erhöhten Freiheitsgrad und der erhöhten Eigenverantwortung umzugehen. Es verwundere außerdem kaum, wenn Studierende, die sich jede Woche in Präsenzseminaren sehen, keinen Bedarf sehen, die online Plattformen zusätzlich zu nutzen. Bestehen bleibt außerdem die Frage, wie - z.T auch kollaborative - Arbeiten und Leistungen in Web 2.0 Medien angerechnet werden können. In Bezug auf die Aufgaben der Hochschuldidaktik formuliert Schiefner: „die Integration von digitalen Medien in die Lehre wird alltäglich, was zu veränderten Anforderungen auch an die hochschuldidaktische Arbeit führt“. Es gelte „Medien nicht mehr als separaten Teil einer Einrichtung zu denken, sondern in möglichst viele Teilgebiete der eigenen Arbeit und vor allem der Ausbildungsgefäße zu integrieren, um so Anknüpfungspunkte für eine Diskussion mit Dozierenden zu liefern“. Medien sollten nach Schiefner also verstärkt in der hochschuldidaktischen Aus- und Weiterbildung eingesetzt werden. Ebenso bedürfe es mediendidaktischer Überlegungen auch bei der Gestaltung von Modulen und Studiengängen und eben nicht nur auf der Ebene der einzelnen Lehrveranstaltungen.

Zwar spielt im Band „Aktionsfelder der Hochschuldidaktik“ die Mediendidaktik nur eine kleine Rolle. Sie stellt einen Diskursbereich von vielen dar, die in der Hochschuldidaktik momentan bestehen. Die zwei Autoren, die sich aber mit dem Thema Hochschuldidaktik und Mediendidaktik auseinander setzten machen klar: so wie Medien immer selbstverständlicher ein Teil der Lehre werden, so sollten sie auch selbstverständlich Teil der Hochschuldidaktik werden.

Insgesamt liefert der Band einen interessanten Überblick der verschiedenen aktuellen Diskursbereiche der Hochschuldidaktik und motiviert zum weiter denken und weiter diskutieren.

Gepostet von: mschmidt
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