Lernerfolg definieren im Spannungsfeld von Individuum, Hochschule und Gesellschaft

Die Art und Weise, wie Lernerfolg definiert wird, wirkt sich auf Entscheidungen und Handlungen im beruflichen Alltag an der Hochschule aus. Dabei gibt es zwischen den beteiligten Akteuren oft kein einhelliges Verständnis von Lernerfolg. Im Online-Event wurden daher unterschiedliche Ansätze für die Definition von Lernerfolg gegenübergestellt und diskutiert.
Bild zur Online-Veranstaltung
Prof. Dr. Ulrike Cress (Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Jürgen Handke (Philipps-Universität Marburg ), Prof. Dr. Bernhard Hirt (Universitätsklinikum Tübingen)

Erfolgreiches Lernen kann im Lehr-Lern-Kontext etwas anderes bedeuten als auf Hochschulebene oder im Zusammenhang gesellschaftlicher Herausforderungen. Deutlich wird die Unterschiedlichkeit an der Gewichtung verschiedener Indikatoren, die genutzt werden, um Lernerfolg zu beurteilen. So werden in manchen Fällen ausschließlich Klausurnoten zur Beurteilung des Lernerfolgs herangezogen, in anderen Ansätzen wird die Anwesenheit der Studierenden oder das Engagement für das Studienfach und dessen Inhalte als entscheidend angesehen. Auch die Evaluation der Lehrveranstaltung durch die Rückmeldung von Studierenden kann als ein wichtiger Indikator für Lernerfolg aufgefasst werden.

Im Online-Event wurden daher die verschiedenen Zielsetzungen, nach denen sich Lehrende, Mitarbeitende in Servicestellen oder auch Hochschulleitungen richten, mit dem Anliegen erörtert, die verschiedenen Definitionen von Lernerfolg zu reflektieren. Als Diskutanten tauschten sich Prof. Dr. Ulrike Cress (Leibniz-Institut für Wissensmedien), Prof. Dr. Jürgen Handke (Philipps-Universität Marburg) und Prof. Dr. Bernhard Hirt (Universitätsklinikum Tübingen) aus.

Zur Vorbereitung auf die Veranstaltung empfiehlt Prof. Handke zwei kurze Videos zur digitalen Anreicherung und digitalen Integration.

 

Prof. Bernhard Hirt

Direktor des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik, Tübingen

Materialien zur Veranstaltung

Hier finden Sie im Anschluss an das Online-Event alle bereitgestellten Materialien, wie die Aufzeichnung der Veranstaltung oder die Folien der Referentinnen und Referenten.

Aufzeichnung

Thesen (8)

Was macht Lernerfolg aus? Hier können Sie im Vorfeld der Veranstaltung Ihre These publik machen. Zusätzlich können Sie mit einem Klick auf die Zahl für diejenige These stimmen, die Sie am stärksten befürworten. Sie können Ihre eigene These wieder löschen, solange dafür noch nicht abgestimmt wurde.

2
Redaktionsteam e-teaching.org : Jürgen Handke vertritt die These: Selbstlernen muss - und kann - gelernt werden.
2
Redaktionsteam e-teaching.org : Ulrike Cress sieht bisweilen die Gefahr, dass digitale Lehre die Tendenz hat, die großen Menschheitsfragen in zu kleine Einheiten herunterzubrechen und die Lernenden zu Rezeption und Edutainment zu verführen
1
Peter England : Lernerfolg ist von außen nicht sichtbar. Die These ist also: Lernerfolg macht das Übertreffen der EIGENEN Erwartungen aus, nicht das Bestehen von Prüfungen oder der Vergleich von Ergebnissen & Noten mit anderen.
1
Redaktionsteam e-teaching.org : Jürgen Handke vertritt die These: Digitale Lehre fördert die sozialen Kontakte, denn Kollaboration und Kommunikation in der Präsenzphase nehmen zu.
1
Redaktionsteam e-teaching.org : Ulrike Cress vertritt die These: Studierende sollen befähigt werden, sich mit den großen Menschheitsfragen auseinanderzusetzen.
0
leohamminger : @Bernhard Hirt: e-Assessment - wie Präsenz-Assessment - kann auch formativ durchgeführt werden. Lernerfolg kann auch qualitativ und online erhoben werden; ist aber sehr zeitaufwändig und die optimalen Rahmenbedingungen dafür sind wenig bekannt.
0
Redaktionsteam e-teaching.org : Bernhard Hirt vertritt die These: Der Einsatz von E-Assessments ist Garant für Gleichschaltung und Profilverlust.
0
Redaktionsteam e-teaching.org : Bernhard Hirt vertritt die These: Eine Präsenzpflicht ist nicht notwendig, ein Präsenz-Assessment des Gelernten aber schon.

Kommentare (7)

Peter England

01.02.2018 11:19

Peter England sagt:

"Digitale Lehre fördert die sozialen Kontakte", ist mir persönlich etwas zu pauschal und wirft sofort die Frage auf, welcher Teil von "Digitaler Lehre" konkret gemeint ist. Schade zudem, dass man nicht mehrere Thesen gewichten kann.

Markus Schmidt

02.02.2018 10:31

Markus Schmidt sagt:

Guter Punkt. Was wäre aber eine gute Anzahl möglicher Gewichtungen, wenn man bedenkt, dass auch die Anzahl der vorgeschlagenen Thesen stark variieren kann?

leohamminger

02.02.2018 13:12

leohamminger sagt:

Ich werte gerade die Ergebnisse meiner online -Erhebung zu persönlichen Überzeugung von Lernerfolg bei berufstätig Studierenden aus (n=303). Es zeigt sich, dass Erwachsene in der Weiterbildung als Lernerfolg Transfer und Beurteilung etwa gleich wichtig halten wie durch neues Wissen entstandene Freude, als Grundlage zur Diskussionsteilnahme und vermehrte Lebensqualität. Letztere Kategorien werden in universitärer Lehrer unterschätzt, wohl auch weil sie kaum messbar sind.

Peter England

02.02.2018 13:13

Peter England sagt:

Jede These sollte gewichtet werden können (oder nicht). Das Ergebnis ergibt sich dann daraus, dass nicht alle Abstimmenden alle Thesen gleich gewichten, aber einige Thesen sicher die Zustimmung vieler Abstimmenden erhalten. Also kurz: Mehrfachauswahl. Einige Thesen widersprechen sich z.B. gar nicht. ;-)

Redaktionsteam e-teaching.org

02.02.2018 14:37

Redaktionsteam e-teaching.org sagt:

Bei diesem Setting sollte man sich entscheiden, welche These am stärksten zu Befürworten ist. Aber die Variante mit der Mehrfachauswahl deckt sicher die Fälle besser ab, bei denen sich Thesen nicht direkt widersprechen. Wir denken darüber nach und machen es dann vielleicht beim nächsten mal mit Mehrfachauswahl.

Peter England

09.02.2018 14:02

Peter England sagt:

Bei den statistischen Graphen von Herrn Handke sehe ich doch einen kleinen, leichten Abwärtstrend anstelle eines "stabilen" Verlaufs. Das finde ich aber nichtmal dramatisch, denn es könnte ja auch bedeuten, dass die Studierenden im Laufe der Veranstaltung besser selbst entscheiden können, woher sie sich ihr Wissen holen. Anwesenheit per se ist ja weder "gut" noch "schlecht". Es kommt eher darauf an, wie nützlich das für den Einzelnen ist, was in der Anwesenheit getan wird.

Peter England

09.02.2018 14:12

Peter England sagt:

These: Benutzt die/der Lehrende beiläufig das Wort "prüfungsrelevant" in der Kommunikation mit den Studierenden, steigt sofort die TN-Zahl in der Präsenzveranstaltung, als auch die Klickzahlen der digitalen Zugriffe. ;-)