Videoprüfung

Mündliche Prüfungen sind eine bewährte Form des Leistungsnachweises an Hochschulen. Digitale Übertragungstechniken ermöglichen es nun, mündliche Prüfungen auch dann durchzuführen, wenn Prüfer und Prüfling nicht zeitgleich an einem Ort sein können oder ein hoher Reiseaufwand erforderlich wäre, z.B. im Rahmen eines Fernstudiums oder bei Auslandsaufenthalten.

Rahmenbedingungen

  • Notwendig ist eine geeignete technische Infrastruktur auf Seiten des Prüfenden sowie des Prüflings.
  • Grundlage für die Durchführung von Videoprüfungen ist die Prüfungsordnung bzw. der Beschluss des Prüfungsausschusses und das Einverständnis der Prüfer.
  • Rechtsfragen wie die Anwesenheit neutraler Aufsichtspersonen müssen geklärt sein.

Lösung

Eine Videoprüfung stellt die traditionelle mündliche Prüfungssituation mit Hilfe digitaler Medien synchron nach. Bei dieser Prüfungsform wird der/die Studierende unter Einsatz von Internet-Telefonie und Webcam mündlich geprüft. Trotz der räumlichen Trennung von Prüfer und Prüfling kommunizieren diese in einer Videokonferenz von Computer zu Computer. Der Prüfling wird vor Ort von einer neutralen Aufsichtsperson betreut, die seine Identität feststellt und für einen korrekten Ablauf der Prüfung sorgt.

Details

Um eine Videoprüfung durchführen zu können, muss sowohl der Prüfling als auch der Prüfer über die nötige technische Ausrüstung verfügen. So ist im Vorfeld zu klären, ob an allen Prüfungsorten internetfähige Computer, Webcams, Headsets und Mikrofone zur Verfügung stehen, sowohl der Prüfer als auch der Prüfling einen Zugang zu der eingesetzten VoIP-Software besitzt und ob die Funktionen der Software ausreichend bekannt sind. Zudem muss an den jeweiligen Orten der Prüfung eine stabile Internetverbindung bestehen, so dass die Videokonferenz zuverlässig durchgeführt werden kann. Auf organisatorischer Ebene müssen vor der Durchführung der Videoprüfung Sicherheitsaspekte und die Frage der Authentifizierung des Prüflings geklärt werden. Zusätzlich muss dem Prüfling eine neutrale Aufsichtsperson zur Verfügung stehen.

Vorteile

  • Prüfer und Prüfling kommunizieren per Videokonferenz auf direktem Weg miteinander. Da es keine zeitlichen Verschiebungen gibt, entwickelt sich ein traditionell aufgebautes Prüfungsgespräch mit Frage- und Antwortstruktur. Die Gesprächspartner können im Gesprächsverlauf spontan aufeinander und auf die Gesprächssituation reagieren.
  • Eine mündliche Prüfung per Video ist räumlich und zeitlich flexibel einsetzbar.
  • Das Durchführen einer Videoprüfung spart gegebenenfalls den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Reise des Prüflings zum Prüfungsort ein.

Nachteile

Eine Videoprüfung ist mit einem relativ großen organisatorischen, technischen und finanziellen Aufwand verbunden, dem der Nutzen einer solchen Prüfung gegenübergestellt werden muss:

  • Organisatorischer Aufwand: Der Prüfling muss eine neutrale Aufsichtsperson finden, was unter bestimmten Umständen nicht einfach sein kann (z. B. Infrastruktur im In- oder Ausland, im Krankheitsfall). Da die Prüfungsform „Videoprüfung“ noch ziemlich wenig verbreitet ist, sind noch immer einige grundlegende Rechtsfragen ungeklärt.
  • Technischer und finanzieller Aufwand: An den verschiedenen Prüfungsorten muss die nötige technische Infrastruktur vorhanden sein. Sind die Prüfungsorte nicht mit der notwendigen Technik ausgestattet, bringt die Neuanschaffung der Geräte gegebenenfalls hohe Kosten mit sich.

Beispiele

  • An der FernUniversität Hagen werden seit 1996 mündliche Prüfungen via Videokonferenz durchgeführt. Aktuell bietet die Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, die Fakultät Mathematik und Informatik sowie die Rechtswissenschaftliche Fakultät Videoprüfungen an. Studierenden ist es möglich, eine mündliche Videoprüfung in einem der Studienzentren bzw. in einer vergleichbaren Institution im Ausland, bei Vorliegen triftiger Gründe auch im Inland, abzulegen. (Zentrum für Medien und IT, FernUniversität Hagen: http://wiki.fernuni-hagen.de/helpdesk/index.php/Kategorie:Studieren_Pr%C3%BCfungen). Hier finden Sie allgemeine Informationen zu Prüfungen per Videokonferenz der Fakultät für Mathematik und Informatik an der Fernuniversität Hagen.
  • Das vom „Zukunftsinvestitionsprogramm“ des BMBF geförderte Verbundprojekt Universitärer Lehrverbund Informatik (ULI) ist eine Kooperation von 18 Informatik-Lehrstühlen aus 11 Universitäten. Ziel des Projekts ist ein teilvirtuelles Informatikstudium mit zeitlich und räumlich unabhängigen Kursen. Studierende haben die Möglichkeit, virtuelle ULI-Kurse zu besuchen und diese durch Video- oder E-Prüfungen abzuschließen. Die erbrachten Leistungsnachweise der ULI-Kurse werden an den teilnehmenden Partnerhochschulen anerkannt. (Universitärer Lehrverbund Informatik – URL: http://www.uli-campus.de).

Werkzeuge

Bei der Vorbereitung einer Videoprüfung muss unter anderem eine zuverlässige und für diesen Zweck geeignete Software wie z.B. ein Videokonferenzssystem gefunden werden.

Letzte Änderung: 26.04.2016
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