Rezension "E-Learning in der Hochschule"

15.06.2009: Ein kleiner Sammelband von und für E-Learning-Praktiker an Hochschulen.

„E-Learning in der Hochschule. Diskurse, Didaktik, Dimensionen.
Anja Ballis & Doris Fetscher (Hrsg.) kopead 2009: München.


Der kleine Sammelband (150 Seiten) mit dem allgemein gefassten Titel „E-Learning in der Hochschule“ entstand - zumindest einige Beiträge - in Folge eines bereits 2006 an der Universität Augsburg durchgeführten Workshops.

Enthalten sind in der Hauptsache Berichte, in denen die Erfahrungen bei der Durchführung verschiedener E-Learning-Szenarien – vom E-Tutorium bis zur Einführung einer Lernplattform - beschrieben werden. Strukturiert sind die acht Artikel in drei Sektionen. Die Beiträge im ersten Teil des Buches stehen unter der Überschrift „Lernkultur und didaktische Konzepte“. Anja Bellis weist zu Beginn ihres Artikels auf lang bekannte aber dennoch aktuelle Kritikpunkte an der E-Learning-Praxis hin: E-Learning dürfe nicht mit einem Qualitätsgewinn für die Lehre gleichgesetzt werden; die Qualität sei immer noch recht unterschiedlich; der didaktischen Ausbildung von Lehrenden an Hochschulen werde nicht genug Rechnung getragen; bei der Entwicklung von Lernplattformen und der Strukturierung von Lehr-Lernprozessen stünden technische Entscheidungen im Vordergrund; Web 2.0 Tools böten zwar neue Potenziale, jedoch stünden auch hier noch die Integration didaktischer Konzepte und ihre Evaluation aus. Anhand von Fallbeispielen beschreibt und reflektiert sie den Medieneinsatz in der eigenen Lehre und stellt abschließend zusammenfassend zentrale Aspekte für die Modellierung von mediengestützten Kursangeboten dar. Der zweite Beitrag ist von Laura Ascari, die einen E-Learning Masterkurs an der Universität Florenz beschreibt, bei dem die Online-Kollaboration und Kooperation der Studierenden einen zentralen Aspekt darstellt. In beiden Beiträgen kommen jeweils auch an mehreren Stellen die Studierenden zu Wort und geben ihre Eindrücke und Rückmeldungen zum Kurs wieder.
Im zweiten Teil stellen werden „Innovative Seminarkonzepte“ vorgestellt. Im ersten Artikel von Thomas Sporer, Christian Geier, Dennis Haesner und Tanja Kranawetleitner wird ein experimentelles Kursdesign beschrieben, in dem die Studierenden zur Referats Präsentation interaktive Technologien zur Vermittlung einsetzen sowie die Referate noch multimedial aufbereiten. Dargestellt werden der Aufbau des Kurses sowie die Erfahrungen zweier Studierender. Doris Fetscher berichtet in ihrem Artikel über ein E-Learning-Angebot an der Uni Augsburg für Studierende des Studiengangs Deutsche Philologie/Deutsch als Zweit- und Fremdsprache. Beschrieben werden in der Hauptsache – wieder anhand vieler Originalzitate der multikulturellen Studierenden – die Erfahrungen mit einem Forum.
Volker Druba fokussiert in seinem Beitrag mehr auf den Einsatz an Schulen bzw. die Ausbildung von Lehrern. Er listet verschiedenen Kommunikationstools für den Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz auf und stellt ein an der PH Weingarten entwickeltes Kurskonzept für das Fach Deutsch dar. Unter der Überschrift „Perspektivierungen“ beschreiben im letzten Teil des Buches Autor/innen der PH Weingarten und der Uni Augsburg die Einführung von Lernplattformen. Den Abschluss bildet der Erfahrungsbericht eines Online Tutors.

Die Herausgeberinnen wollen mit ihrem Buch eine Positionsbestimmung leisten, die auf die höchst heterogene und unterschiedliche Qualität der E-Learning Angebote hinweist. Mit der Sammlung sehr verschiedener E-Learning-Anwendungsbeispiele vermittelt auch der Inhalt des Buches einen sehr heterogenen Eindruck. Allerdings kann man nicht von einer Positionsbestimmung sprechen. Wer allerdings einen Einblick in die E-Learning Praxis von Lehrenden und Studierenden gewinnen möchte, wird fündig. Das Buch liefert einen Einblick in unterschiedliche Konzepte, die durchaus auch als Ideengeber dienen können. Allerdings gehen wenige Artikel über die Beschreibung des spezifischen Szenarios und der subjektiven Erfahrungen hinaus. Einblicke in E-Learning an Hochschulen von und für Praktiker – diese Überschrift wäre vielleicht passender gewesen.

Gepostet von: mschmidt
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