Intelligente Unterstützung von Kleingruppenarbeit in der online-gestützten Hochschullehre

Eine Möglichkeit, um geringerer Interaktion in Online-Kursen entgegenzutreten, ist die Einführung online-gestützter Gruppenarbeit, bei der die Lernenden den Lernstoff miteinander diskutieren und Lernaufgaben oder Projekte in Kooperation durchführen. Im Erfahrungsbericht wird auf grundlegende Voraussetzungen für die technologiebasierte, intelligente Unterstützung von Kleingruppenarbeit in der Online-Lehre eingegangen, wie sie im BMBF-geförderten Forschungsprojekt „IKARion“ entwickelt wird.
Prof. Dr. H. Ulrich Hoppe, Prof. Dr. Monique Janneck, Prof. Dr. Nicole Krämer, Prof. Dr. Nikol Rummel

Die veränderte Hochschullandschaft mit steigenden Studierendenzahlen und heterogeneren Studierendengruppen erfordert unter anderem, Veranstaltungen und Seminare auch für Personengruppen, die nicht jederzeit vor Ort sind, zugänglich zu machen (Berufstätige, Alleinerziehende). Vor diesem Hintergrund gewinnt technologiegestützte Lehre in verschiedenen Formaten an Bedeutung (Blended Learning, Online-Lehre, Massive Open Online Courses (MOOCs)).

Dabei kommt es in Online-Kursen unterschiedlicher Formate teilweise dazu, dass eine recht große Anzahl von Teilnehmenden erreicht wird, die von einem Lehrenden alleine nicht mehr angemessen betreut werden können. Bedingt durch einerseits die teilweise erhöhte Teilnehmendenzahl und andererseits die technologischen Gegebenheiten der computervermittelten Kommunikation findet in Online-Kursen häufig weniger Interaktion statt als in traditionellen Präsenz-Seminaren, was den Lernerfolg behindern und eine ungünstige Auswirkung auf die Teilnahmemotivation haben kann.

Eine Möglichkeit, dem Problem der geringen Interaktion entgegenzutreten, ist die Einführung online-gestützter Gruppenarbeit (in Kleingruppen von 3 bis 5 Personen), bei der die Lernenden den Lernstoff miteinander diskutieren und Lernaufgaben oder Projekte in Kooperation durchführen.

In diesem Beitrag wird auf grundlegende Voraussetzungen für die technologiebasierte, intelligente Unterstützung von Kleingruppenarbeit in der Online-Lehre eingegangen, wie sie im BMBF-geförderten Forschungsprojekt „IKARion – Intelligente Unterstützung für Kleingruppenarbeit in der online-gestützten Hochschullehre“ von April 2017 bis März 2020 entwickelt wird. Zunächst werden die Bedingungen und Anforderungen für Kleingruppenarbeit in Online-Umgebungen aus psychologischer Sicht geschildert. Dann wird darauf eingegangen, welche pädagogischen und technischen Lösungen zur Unterstützung bereits bestehen. Daran anschließend wird der sich ergebende Forschungsbedarf abgeleitet und dargelegt, welche Aufgaben sich für die interdisziplinäre Forschung von Psychologie und Informatik in diesem Feld stellen.

Weiteren Einblick in die Thematik gibt das Online-Event Soziale Interaktion als Erfolgsfaktor des Lernens mit digitalen Medien, das am 28. November 2017 um 14 Uhr mit Prof. Dr. Krämer und Prof. Dr. Rummel stattfindet.

Über die Autoren

Nikol Rummel ist seit 2010 Professorin für Pädagogische Psychologie an der Ruhr-Universität Bochum und seit 2008 als Adjunct Professor am Human Computer Interaction Institute an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, USA, kooptiert. Ihre Forschungsinteressen liegen im Schnittpunkt von Pädagogischer und Kognitiver Psychologie, empirischer Lehr-Lernforschung und Bildungstechnologie mit einem Schwerpunkt auf der (adaptiven) instruktionalen Unterstützung des computergestützten Lernens und Arbeitens in Gruppen. Sie hat in diesem Bereich zahlreiche nationale und internationale Forschungsprojekte (BMBF, DFG, MERCUR sowie EU, NSF und IES) initiiert und geleitet. Aktuell ist sie Mitglied im Board of Directors der International Society of the Learning Sciences und Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirat des Leibniz-Wissenschafts-Campus „Cognitive Interfaces“, Tübingen.

H. Ulrich Hoppe ist Professor für Kooperative und lernunterstützende Systeme in der Abteilung für Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Seine aktuellen Forschungsgebiete sind kooperative Lern- und Arbeitsumgebungen, intelligente Verfahren der Lernunterstützung, Learning Analytics sowie Analyse und Modellierung vernetzter digitaler Gemeinschaften. Ulrich Hoppe war Initiator und Koordinator zahlreicher nationaler und europäischer Forschungsverbünde zum Thema innovativer Lern- und Wissenstechnologien. Aktuell ist er einer der Projektleiter in einem DFG-Graduiertenkolleg zum Thema „User Centred Social Media“.